8.04.2020 15:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Smart Farming
Futtervorschieberoboter spart Zeit
Der Futtervorschieberoboter ist die einfachste Einstiegsmöglichkeit in die Welt des Smart Farming. Die Arbeitseinsparung ist klar messbar. Bei einem 40-Kühe-Betrieb kann man eine Stunde Arbeit pro Tag einsparen.

Digitalisierung und Smart Farming: Das sind gegenwärtig Trends, die in der Landwirtschaft immer mehr Einzug halten.

Vision

Matthias Schick, Bereichsleitung Tierhaltung und Milchwirtschaft am Strickhof in Lindau, blickt in die Zukunft: «Im Smart-Farming-Idealfall wird der Nährstoffbedarf und -gehalt automatisch ermittelt in Feld, Silo und Stall. Wetterdaten stehen zuverlässig zur Verfügung, die automatische Ertragsmessung ist verlässlich, Inhaltsstoffe werden automatisch erkannt, die Qualitätssicherung funktioniert ebenso wie die Vollkostenanalyse.»

Dies die Visionen. Aber so weit sind Digitalisierung und das Smart Farming in der Landwirtschaft noch nicht.

Kein verregnetes Futter

«Bei den Wetterdaten auf dem Feld sind wir schon sehr gut», betont er, «da hat der Landwirt einen konkreten Nutzen und viel weniger verregnetes Futter.» Arbeitserleichternd sind Fahrspur-Assistenten und Vorgewende-Management, sie sind bei modernen Traktoren nahezu Standard, bringen laut Schick aber nur eine Arbeitseinsparung von 6 bis 7 Prozent: «Der wirtschaftliche Nutzen ist marginal für Landwirte, aber für den Lohnunternehmer sind diese Technologien sinnvoll.»

Hohe Wartungskosten

Im Stall gebe es, so Schick weiter, einen klaren Nutzen der Digitalisierung beim Melkroboter, aber der arbeitswirtschaftliche Nutzen lasse sich nicht in einen ökonomischen Nutzen ummünzen, weil die Wartungskosten des Roboters so hoch seien. «Sinnvoll ist die Flexibilisierung der Arbeit», ergänzt er. «Aber die jährlichen Kosten liegen um den Faktor drei höher als bei einem anderen Melksystem. Der Roboter ist wirtschaftlich nur sinnvoll, wenn die frei werdende Arbeitszeit anders genutzt werden kann.»

Der Futtervorschieberoboter ist die einfachste Einstiegsmöglichkeit in die Welt des Smart Farming. Bei einem 40-Kühe-Betrieb kann man eine Stunde Arbeit pro Tag einsparen und eine gleichmässigere Futtervorlage erreichen, was vor allem für die schwächeren Kühe wertvoll ist. 

Entmistungsroboter 

Der Entmistungsroboter bringt einen deutlichen Einspareffekt der Arbeitszeit um den Faktor zehn. Weiterer Vorteil: Die Zwischengänge werden auch gereinigt, das muss nicht mehr von Hand geschehen. Zusätzlicher Effekt: Die Böden werden sauberer, folglich gibt es weniger Emissionen und gesündere Klauen. «In der Beratung  verspüren wir ein steigendes Interesse beim Entmistungsroboter», erzählt Schick.

Fütterungsroboter erfordern Investitionen über 200'000 Franken und sind nach Schicks Berechnungen bei tiefen Milchpreisen nicht wirtschaftlich. Ausnahme: Munimäster oder Hochleistungsbetriebe, welche bereits jetzt mehrere Rationen am Tag mischen und die Arbeitszeit anderweitig einsetzen können. 

Auf Fütterungs-Tour

Matthias Schick rät, überbetriebliche Fütterungsgemeinschaften zu prüfen. Der Strickhof ist derzeit in die Planung einer Fütterungsgemeinschaft von Betrieben, die 25km auseinander liegen, involviert. Dabei fährt ein Betriebsleiter eine Route mit einem automatischen Futtermischwagen, er rechnet auch die Rationen für alle Betriebe.

So kommt  die modernste Technik zum Zug, weil sie für 200 Kühe eingesetzt werden kann, und am Steuer ist immer ein Profi. «Es braucht eine Vernetzung zwischen den Landwirten», ist Schick sicher.

Der Landwirt entscheidet

Seine Schlussfolgerungen: Der Trend zur Digitalisierung findet entlang der ganzen Wertschöpfungskette statt. Digitalisierung kann unterstützend und ergänzend zum Betriebserfolg beitragen, weil die Prozesse flexibilisiert und optimiert werden und weil der Landwirt immer eine gute Entscheidungsunterstützung erhält. Wichtig: Der Landwirt trifft die Entscheidung. Die Arbeitsbelastung ist in der Landwirtschaft extrem hoch, da kann die Digitalisierung dazu beitragen, Entlastung zu finden.

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