4.10.2019 17:06
Quelle: schweizerbauer.ch - Ivo Lehmann*
Prävention
Sicherheitsgurt nachrüsten – welcher passt?
Fahrzeugstürze enden oft mit schweren Verletzungen bis hin zum Tod. Das Tragen eines Sicherheitsgurtes könnte die tragischen Unfallfolgen in vielen Fällen mit hoher Wahrscheinlichkeit verringern. Leider sind sie auf vielen Fahrzeugen in der Landwirtschaft noch nicht vorhanden. Bei einer Nachrüstung muss das für den Betrieb passende Gurtsystem gefunden werden.

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) erhebt jährlich die Unfälle im Zusammenhang mit der Landwirtschaft. Bei den erfassten Unfällen übernehmen Fahrzeuge die Spitzenposition.

Viele dieser Unfälle enden für den Insassen oft tödlich. Es kann davon ausgegangen werden, dass das Tragen eines Sicherheitsgurtes viele Leben hätte retten können. Sicherheitsgurte sind auf landwirtschaftlichen Fahrzeugen aber erst seit dem 1. Januar 2018 obligatorisch - bei älteren Fahrzeugen fehlen sie daher oft.

Wird ein Fahrzeug mit einem Sicherheitsgurt nachgerüstet, muss das für den Betrieb passende Gurtsystem gefunden werden. Auf dem Markt sind drei verschiedene Systeme erhältlich. Der Automatic Locking Retractor (ALR), der Emergency Locking Retractor (ELR) und die statischen Systeme. Wurde das passende System gewählt, muss der Sicherheitsgurt an einem geeigneten Anschlagpunkt montiert werden.

ALR-Retraktoren-Sicherheitsgurt

ALR-Retraktoren sind Aufrollautomaten, die sofort nach dem Anlegen des Gurtes blockieren und winkelunabhängig eingebaut werden können. Beim Fixiervorgang wird der Gurt einmal komplett ausgezogen und anschließend bei der gewünschten Länge fixiert. Diese Position bietet optimalen Schutz und kann erst wieder gelöst werden, wenn das Gurtband komplett eingerollt wird. Dadurch kann es folgendes Problem geben: Dreht sich der Fahrer zum Beispiel beim Rückwärts-Manövrieren auf dem Sitz nach hinten, kann es vorkommen, dass die Gurtlänge nicht ausreicht und ein Abdrehen verhindert wird. ALR-Retraktoren bilden die optimale Lösung, wenn es um eine flexible und zuverlässige Sicherung von Personen abseits des Straßenverkehrs geht.

ELR-Retraktoren-Sicherheitsgurt

ELR-Retraktoren bieten eine erprobte, hoch technologische Symbiose aus Sicherheit und Komfort. Es handelt sich dabei um Aufrollautomaten, die zwei unterschiedliche, im Gefahrenfall voneinander unabhängige blockierende Mechanismen enthalten. Sie blockieren im Falle einer Fahrzeugverzögerung, die eine Gurtauszugsbeschleunigung zur Folge hat und/oder dank eines Winkelsensors beim Kippen des Fahrzeuges. Aufgrund des Winkelsensors muss der Aufroller im vom Hersteller vorgeschriebenem Winkel eingebaut werden. Die ELR-Retraktoren bieten so einen sicheren Überrollschutz. Dabei muss jedoch beachtet werden, dass durch den Winkelsensor das Angurten im Gelände verhindert werden könnte.

Statischer Sicherheitsgurt

Der statische Sicherheitsgurt ist das einfachste Rückhaltesystem. Die nötige Gurtlänge wird beim Anschnallen manuell auf den Träger eingestellt. Wird ein Fahrzeug von verschiedenen Personen bedient, muss die Länge immer wieder neu eingestellt werden. Dies kann ein paar Sekunden in Anspruch nehmen. Dadurch wird dieses Gurtsystem in der Landwirtschaft nicht als praxisnah angesehen.Anschlagpunkt

Bohrungen 

Der beste Sicherheitsgurt nützt nichts, wenn das Gurtsystem nicht richtig befestigt wurde. Der Sitz muss die nötigen Bohrungen aufweisen und auf einer Unterlage montiert sein, die die entstehenden Kräfte bei einem Unfall aufnehmen kann. 

Bei neueren Sitzen sind die Bohrungen für das Anbringen der Gurten bereits vorhanden. Wenn der Sitz auf einer geeigneten Unterlage montiert ist, kann der Sicherheitsgurt an diesen Sitzen auch vom Landwirt selbst montiert werden. Bei Transportern oder Staplern kann es sein, dass die Unterlage die nötige Festigkeit nicht aufweist und durch eine Fachperson montiert werden muss.

Daher empfiehlt es sich:

Für die Nachrüstung mit Sicherheitsgurten oder allenfalls den Einbau eines neuen Fahrersitzes, der mit Sicherheitsgurten ausgerüstet ist, wenden Sie sich an Ihren Landmaschinenhändler. Er kann Sie fachgerecht beraten und Ihnen eine sichere Lösung anbieten.

*Ivo Lehmann ist Sicherheitsberater bei Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL)

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