17.12.2019 07:34
Quelle: schweizerbauer.ch - aiz
Österreich
A: Auf einheimisches Fleisch setzen
Die österreichische Lebensmittelhandelskette Billa stellt im Laufe des zweiten Quartals 2020 sein Frischfleisch-Sortiment auf 100% heimische Ware um. Das bedeutet, dass künftig Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch in der Billa-Frischfleischtheke ausschliesslich von Landwirten in Österreich erzeugt wurde.

Bereits jetzt habe der Lebensmittelhändler in seinen 1'100 Filialen Rind- und Schweinefleisch annähernd zu 100% aus heimischer Produktion angeboten, bei Hühnerfleisch seien es aktuell 90%.

Den grössten Aufholbedarf gebe es beim Trutenfleisch, wo zurzeit nur 40% aus heimischer Produktion stammen, die restlichen 60% würden derzeit noch überwiegend aus Italien und Polen importiert, teilte Robert Nagele, Vorstandssprecher der Billa AG, am Montag mit. 

Klimaschutz durch Regionalität

"Billa geht mit der geplanten Initiative einen grossen und mutigen Schritt voraus. Für die Landwirtschaft ist es eine Chance, sich mit dem Handel auf höchstem Niveau weiterzuentwickeln und in Produktionsbereichen mit einem geringeren Selbstversorgungsgrad, wie das etwa beim Geflügel der Fall ist, zu wachsen. Die Umstellung bedeutet für die Konsumenten geniessen mit gutem Gewissen, da sie beim Fleischeinkauf noch mehr Sicherheit und Verlässlichkeit erhalten. Gleichzeitig sind weniger Importe aus dem Ausland ein aktiver Schritt für mehr Klimaschutz, da der Kauf regionaler Lebensmittel eine nachhaltige und klimafreundliche Landwirtschaft sichert und die beste Investition in eine gepflegte Landschaft ist", unterstrich Landwirtschaftskammer (LK) Österreich-Präsident Josef Moosbrugger.

"Internationale Studien belegen, dass Österreichs tierische Erzeugung bereits heute effizient, klima- und ressourcenschonend erfolgt. Wer also beim Einkauf Regionalität bevorzugt, betreibt aktiven Klimaschutz." 

Einheimisches fördern

Billa will für die Initiative einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag beisteuern. "Wir verzichten auf einen Teil des Rohertrags und der Preisspanne, weil wir die Konsumenten für den Kauf heimischer Produkte ermutigen und das Angebot langfristig sicherstellen wollen", führte Nagele aus. Auch der aktuelle Preis für österreichische Truten von 12,99 Euro (14.23 Fr.) pro kg sowie der Erzeugerpreis sollen damit gesichert werden.

Zum Vergleich: Importiertes Trutenfleisch kostet laut Billa 7,99 Euro (8.75 Fr.) pro kg. Derzeit müssten noch Produktionskapazitäten in der Landwirtschaft aufgebaut werden, weshalb die Umsetzung erst im zweiten Quartal 2020 erfolge. Soweit möglich, soll der Anspruch auf österreichische Produktion auch für tiefgefrorene Ware gelten. In den anderen zur Rewe-Group zählenden Tochterunternehmen wie Merkur, Adeg und Penny sind vorerst keine derartigen Schritte geplant. 

Konsumentenvertrauen ausbauen 

"Billa will mit der Initiative das Konsumentenvertrauen ausbauen, in einem Schulterschluss mit der österreichischen Landwirtschaft das Segment stärken und die Gestaltung der ländlichen Lebensräume sicherstellen sowie ein Signal in Richtung Klimaschutz und Tierwohl senden. Die österreichische Landwirtschaft leistet mit ihren sehr hohen Standards einen besonderen Beitrag für mehr Tierwohl", betonte Nagele.

Billa übernehme mit der jüngsten Initiative eine "Vorreiterrolle", wie schon damals, als der Lebensmittelhändler als erster Supermarkt Käfigeier aus den Regalen verbannt habe. Absatzschwierigkeiten aufgrund der höheren Preise für heimische Ware erwartet der Billa-Vorstandssprecher keine. "Wir haben im Bio-Segment sehr hohe Anteile erreicht und sind zuversichtlich, dass künftig die Konsumenten auch beim Fleisch bereit sein werden, für österreichische Herkunft und höhere Qualitätsbelange mehr zu bezahlen."

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