14.08.2020 10:20
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu/mgt
Coronakrise
Agrarmärkte normalisieren sich
Nach dem coronabedingten Lockdown kehren die Märkte langsam zum «neuen Normal» zurück. In den Monaten Mai und Juni standen die Agrarmärkte unter dem Zeichen der schrittweisen Aufhebung der Einschränkungsmassnahmen, wie ein am Freitag veröffentlichter Sonderbericht des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) aufzeigt.

Mit der Öffnung der Gastronomie Mitte Mai und den Grenzen zu den Nachbarländern ab Mitte Juni gingen die Absätze bei Lebensmitteln im Detailhandel im Vergleich zum April zurück. Nach wie vor lagen sie aber deutlich über den Werten von Mai und Juni 2019.

Entwicklungen unterschiedlich

Im Vergleich zum 2. Quartal 2019 waren die Detailhandelsumsätze für Lebensmittel einschliesslich Getränke mit 601 Millionen Franken um 18,3 Prozent höher. Bei Bio-Produkten erhöhten sich die Umsätze im 2. Quartal 2020 gegenüber 2019 um 23,5 Prozent auf 66,6 Millionen Franken.

Die Entwicklungen der verschiedenen Agrar- und Lebensmittelmärkte waren sehr unterschiedlich. So erholte sich der Export von Schweizer Käse nach einem deutlichen Rückgang im April in den Monaten Mai und Juni wieder. Der Produzentenpreis für Milch lag im Juni bei 65,2 Rappen/Kilogramm und damit 2 Rp./kg über jenem des Vorjahres. Die Produzentenpreise für die verschiedenen Tierkategorien beim Fleisch lagen im Juni 2020 zwischen 2,2 Prozent (Schweine) und 9,2 Prozent (Kälber) über jenen vom Juni 2019.

Kein Einkaufstourismus

Im Gastronomiesektor zeigt sich laut dem Bericht eine gewisse Erholung. Die Unterschiede innerhalb des Sektors sind jedoch sehr gross, wie aus dem BLW-Bericht hervorgeht. Im Allgemeinen wird noch bei weitem nicht das Niveau von vor der Covid-19-Pandemie erreicht.

Insbesondere war der Einkaufstourismus im Frühjahr aufgrund der Grenzschliessungen nahezu unmöglich. Der wertmässige Anteil der Auslandeinkäufe an den Gesamteinkäufen betrug über alle Lebensmittel inklusvie Getränke im 2. Quartal 2020 rund 0,3 Prozent. Im 2. Quartal 2019 lag dieser Wert bei 1,8 Prozent und im Jahr 2018 bei 2,1 Prozent.

-> Mehr Informationen und den ausführlichen Bericht gibt es hier

Die wichtigsten Erkenntnisse des BLW in den Teilmärkten

Fleisch:

Aufgrund der Öffnung des Gastronomiesektors ab Mitte Mai 2020, was zu einer ersten leichten Erholung dieses wichtigen Absatzkanals für den Fleischsektor führte, wurden seitens Branche die Importe für Rindfleisch (Kuhschlachthälften, Nierstücke/High Quality Beef) wieder freigegeben. Bei einer Betrachtung des gesamten 2. Quartals 2020 zeigt sich eine Reduktion der Importtätigkeit um knapp 45%, was direkt mit der Schliessung der Gastronomie in Verbindung steht. Nach einer zeitweiligen Baisse zu Beginn des Lockdowns lagen die Produzentenpreise für Schlachtvieh im 2. Quartal 2020 mit Ausnahme von Schlachtkälbern und -kühen über dem Vorjahresniveau.

Eier:

Nach der Rekordnachfrage nach Konsumeiern im April 2020 im Schweizer Detailhandel verzeichneten auch die Monate Mai (+27.2%) und Juni 2020 (+18.6%) deutlich höhere Absätze gegenüber denselben Vorjahresmonaten. Insgesamt lagen die Absätze im 2. Quartal 2020 22.8% über dem 2. Quartal 2019, wobei der Mehrabsatz bei Bio-Eiern aufgrund von Produktionsengpässen mit 18.4% tiefer ausfiel als bei Nicht-Bio-Eiern (+23.8%). Mit der Lockerung der Massnahmen für die Gastronomie sind im Juni die Importe für Industrieeier (+97.0%), Eiprodukte flüssig (+15.2%) und Eiprodukte getrocknet (+30.3%) gegenüber Mai bereits wieder deutlich angestiegen, wohingegen die Konsumeierimporte um 17.0% gesunken sind.

Milch:

Der internationale Milchmarkt hat sich weitgehend stabilisiert. Verschiedene Marktsegmente, insbesondere Butter und Milchpulver, verzeichneten in den letzten Monaten eine deutliche Erholung. Hingegen sind die EU-Spotmilchpreise (EU spot prices of raw milk) nach wie vor rund 10 ct./kg unter dem Vorjahr und auch der EU-Milchpreis ist leicht rückläufig. Der Schweizer Milchmarkt präsentiert sich gleichermassen stabil. Die tiefen Lagerbestände bei Butter sind unabhängig von der COVID-19 Pandemie. Nach einem zwischenzeitlich deutlichen Rückgang im April entwickelten sich die Käseexporte unterdessen wieder positiv, nichtsdestotrotz liegen die Exporte im 2. Quartal 2.7% unter dem Vorjahr. Hingegen liegt der Produzentenpreis für Milch 3.3% über dem Vorjahresniveau.

Früchte & Gemüse: 

Die Nachfrage nach Früchten und Gemüse im Detailhandel hat sich auf einem deutlich höheren Niveau stabilisiert. Der Mehrbedarf an Früchten oder Gemüse liegt zwischen 4-70%, abhängig von der Produktkategorie. Insbesondere Zitrusfrüchte, Äpfel, Bananen, Zwiebeln oder Karotten verzeichneten im 2. Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahr eine starke Nachfragezunehme. Interessanterweise ging die Nachfrage nach Erdbeeren (-5%), Himbeeren (-10.3%) und Heidelbeeren (-19.5%) im Juni 2020 gegenüber dem Vorjahr deutlich zurück. Die Wetterbedingungen waren zu Anfang der Schweizer Saison günstig und sorgten so bei vielen Früchte- und Gemüsearten dafür, dass Importe zunehmend durch Schweizer Ware ersetzt wurde.

Kartoffeln:

Mit der Wiedereröffnung der Gastronomie sowie dem Erntebeginn der Schweizer Frühkartoffeln ab Mitte Mai stellt sich im Kartoffelmarkt unterdessen eine gewisse Normalisierung ein. Auch beim Konsum im Detailhandel zeigt sich eine gewisse Angleichung zum Vorjahr. Lagen die Speisekartoffelabsätze im April und Mai 2020 bei rund 34% resp. 23% über jenen der Vorjahresmonate, so liegt dieser Wert im Juni 2020 noch bei rund 9%.

Getreide/Brot:

Die Nachfrage nach Brot/Backwaren und Mehl ging von März bis Juni laufend zurück und lag im Juni 2020 noch rund 14% über Juni 2019. Die gesunkene Nachfrage nach Mehl erlaubte es den Mühlen wieder Spezialmehle und nicht fast ausschliesslich Standard-Mehle zu verarbeiten. Mit dem wieder deutlich breiteren Mehl-Angebot im Detailhandel im Juni erhöhte sich der Verkaufswert gegenüber Mai 2020 um 2.2%. Die Verfügbarkeit von inländischem Brotgetreide ist gut.

Liefer- und Abholgrosshandel: 

Zusammen mit der Gastronomie waren auch der Liefer- und Abholgrosshandel stark von den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie betroffen. Nach einem markanten Umsatzrückgang im April (-47%) verzeichneten auch die Monate Mai (-32.1%) und Juni (-11.3%) deutlich tiefere Umsätze. Insgesamt waren die Umsätze im 2. Quartal 2020 um 30.6% tiefer als im 2. Quartal 2019. Im Juni lag die Nachfrage nach Food-Service-Leistungen im Bereich der Hotellerie,bei Kantinen und im Catering noch deutlich unter Vorjahresniveau. Auch die verschiedenen Sortimentsgruppen waren unterschiedlich stark tangiert. Sehr deutliche Nachfrageeinbussen verzeichneten im Quartalsvergleich insbesondere Backwaren (-41.8%), Getränke (-35.6%), Wurst- und Fleisch inkl. Tiefkühlware (-29.0%) sowie Früchte- und Gemüse (-29.7%).

Einkaufstourismus: 

Der wertmässige Anteil der Auslandeinkäufe an den Gesamteinkäufen betrug über alle Lebensmittel inkl. Getränke im 2. Quartal 2020 rund 0.3%. Im 2. Quartal 2019 lag dieser Wert bei 1.8% und im Jahr 2018 bei 2.1%. Wie schnell und wie stark sich der Einkaufstourismus wieder zu etablieren vermag, werden die kommenden Monate zeigen.

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