10.08.2020 16:20
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Lebensmittel
Corona: Bio-Boom nicht nachhaltig
Seit Monaten hat die Corona-Pandemie die Schweiz fest im Griff. Während des Shutdowns hat der Absatz von Bio-Lebensmittel stark zugenommen. Dieser Boom ist nun verflogen.

2019 war für Bio-Produkte ein gutes Jahr. Erstmals haben diese einen Marktanteil von über zehn Prozent erreicht. Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln stieg 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 5,6 Prozent auf 3,2 Milliarden Franken.

2019 neuer Rekord

Innerhalb von fünf Jahren hat sich der Absatz um eine Milliarde erhöht. Im Durchschnitt kauften jede Schweizerin und jeder Schweizer 2019 Bio-Produkte im Wert von 377 Franken. 57 Prozent der Konsumentinnen und Konsumenten legten täglich oder mehrmals wöchentlich Bio-Produkte in ihren Warenkorb. Das sei ein Weltrekord, sagte Geschäftsführer Balz Strasser anlässlich der Medienkonferenz von Anfang Mai.

Und auch während des Shutdowns von Mitte März bis Ende April legten Bio-Produkte noch einmal zu. Er hätte niemals gedacht, welche Bedeutung die Schweizer Landwirtschaft in diesem Jahr erlangen würde, sagte Bio Suisse-Präsident Urs Brändli an der Medienkonferenz. Lebensmittel von Schweizer Bauernhöfen waren sehr gefragt. Die Absatzzahlen stiegen deutlich an. Beigetragen zu dieser Situation haben auch die geschlossenen Grenzen. So war das Einkaufen im Ausland bis Anfang Juni untersagt.

Einkaufstourismus zurück

«Wir haben den Einkaufstourismus ab Tag eins der Grenzöffnung wieder gespürt», sagte Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen Anfang Juli zur «NZZ». Der Einbruch lag laut Zumbrunnen im zweistelligen Prozentbereich. Die Verkäufe der Migros bewegten sich wieder ungefähr auf dem Niveau von vor den Grenzschliessungen. «Unsere Konkurrenten im nahen Ausland waren in den letzten Wochen preislich besonders aggressiv, da sie unter dem Ausbleiben der Schweizer Kunden sehr stark gelitten hatten», so Zumbrunnen weiter.

Bei Bio Suisse war man ob den Absatzzahlen begeistert. Die Krise habe gezeigt, dass saisonale, regionale und Bio-Produkte die Konsumentinnen und Konsumenten beim Einkaufen lenkten, sagte Balz Strasser Anfang Mai. Der Bio-Absatz hat während des Shutdowns um bis zu 30 Prozent zugenommen.

Absatz hat sich normalisiert

Die Bäume wachsen auch bei Bio-Produkten nicht in den Himmel. Vom Boom während des Shutdowns ist nicht mehr viel übrig geblieben, berichtete Radio SRF. «Die Nachfrage jetzt hat sich eigentlich wieder normalisiert. Dass die Grenzen wieder offen sind, mag sicher einen Teil dazu bewirkt haben», sagte Alexander Tanner, Gemüsebauer und Betriebsleiter der Agrico Genossenschaft, zum Radiosender.

Bio-Suisse-Sprecher David Herrmann bestätigt die Aussagen von Tanner. Die Absatzzahlen hätten sich wieder normalisiert, in einigen Segmenten liege man aber noch über dem Vorjahresniveau.

Doch die Zeit der grossen Zunahmen ist definitiv vorbei. «Beim Gemüse hatten wir während des Lockdowns zum Beispiel teilweise 50 Prozent höhere Zahlen als normalerweise. Jetzt sind wir im Mai und Juni wieder leicht über Vorjahresniveau», sagte Herrmann. Derzeit liegt das Plus beim Gemüse bei 14 Prozent.

Bio-Käufer kochten mehr zuhause

Der Sprecher geht auch nicht davon aus, dass viele Konsumenten, die vor dem Shutdown nicht Bio kauften, durch die Krise plötzlich anfingen, auf Bio umzustellen. Vielmehr hätten einfach mehr Bio-Konsumenten zu Hause Bio gekocht, so Herrmann.

Die Zunahme des Absatzes sei vor allem auf bestehende Konsumenten zurückzuführen. Wegen des Lockdowns hätten diese vermehrt zuhause gekocht. 

Ziel: 15 Prozent Marktanteil

Bio Suisse will weiter wachsen und neue Wege gehen. Bio-Produkte sollen ins Sortiment von Take Aways, Kiosks und Tankstellen kommen. Und auch die Gastronomie und vor allem in die Gemeinschaftsverpflegung sollen vermehrt Bio berücksichtigen. Denn das strategische Ziel ist ein Marktanteil von 15 Prozent bis im Jahr 2025.

«Während der Corona-Pandemie erfuhr die ganze Schweizer Landwirtschaft grossen Respekt und viel Vertrauen von der Bevölkerung», sagte Bio Suisse-Präsident Urs Brändli. Jetzt sei die Landwirtschaft und vor allem auch die Politik gefordert, dieses Vertrauen zurückzugeben. Die einheimische Lebensmittelproduktion sei wichtig. «Wirkliche Sicherheit bieten aber nur Lebensmittel, die ohne importierte Hilfsmittel wie chemisch-synthetische Dünger erzeugt werden.»

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