18.02.2016 11:35
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Einkaufstourismus
Einkaufstourismus floriert weiter
Der billige Euro lockt die Schweizer Konsumenten weiterhin in Scharen zum Einkaufen ins benachbarte Ausland. Im vergangenen Jahr gaben sie dort laut einer Studie des Marktforschungsinstituts GfK rund 10,7 Mrd. Fr. aus. Das sind 6 Prozent mehr als 2013.

Angesichts der langen Autoschlangen, die sich jeden Samstag über die Grenze quälen, erscheint es überraschend, dass die Steigerung nicht grösser ist. Allerdings konnten die Schweizer durch die starke Verbilligung des Euro mit dem gleichen Budget mehr Waren im Ausland einkaufen, wie Studienautor Thomas Hochreutener am Donnerstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda sagte. Wertmässig sei die Steigerung deshalb nicht so hoch ausgefallen.

Höhepunkt erreicht

Um die Daten mit der Studie von 2013 vergleichen zu können, wurde die Berechnung mit dem Wechselkurs von 2013 angestellt. Damals kostete ein Euro 1,24 Franken. Der Einkaufstourismus dürfte mit knapp 11 Mrd. Fr. seinen Höhepunkt erreicht haben, wenn der Euro auf dem jetzigen Niveau bleibe, sagte Hochreutener.

Nachdem die Schweizerische Nationalbank (SNB) am 15. Januar 2015 den Mindestkurs aufgehoben hatte, hat sich der Euro um gut 12 Prozent verbilligt. Wenn der Euro sich nochmals deutlich abschwächen würde, dürfte der Einkaufstourismus weiter zulegen. Von den 10,7 Mrd. Franken, die die Schweizer im Ausland ausgaben, entfielen 1,4 Mrd. Fr. auf Einkäufe im Internet. Das sind 12 Prozent mehr als 2013. Zum Vergleich: Die Schweizer Detailhändler haben im letzten Jahr - Treibstoffe ausgenommen - 95,4 Mrd. Fr. Umsatz gemacht. Das sind rund 2,3 Mrd. Fr. weniger als im Vorjahr.

Ladenöffnungszeiten auch ein Grund

Die billige Gemeinschaftswährung ist allerdings nicht der einzige Grund, über die Grenze zum Shoppen zu fahren. Für ein Fünftel der Schweizer sind auch die längeren ausländischen Ladenöffnungszeiten der Anlass, besonders in in Kantonen mit restriktiven Ladenöffnungszeiten.

Zudem ist im Ausland durch die Talfahrt der Erdölpreise der Benzinpreis stärker gefallen als in der Schweiz. Früher kamen die Ausländer zum Tanken in die Schweiz. Das ist jetzt vorbei. Gerade im Tessin ist der Tanktourismus der Italiener total zusammengebrochen.

2,4 Milliarden für Lebensmittel

Überhaupt wurde im Südkanton die stärkste Zunahme der Auslandeinkäufe (ohne Onlinehandel) festgestellt. Diese schnellten um die Hälfte auf 514 Mio. Fr. nach oben. Dagegen blieben die Auslandeinkäufe in der Westschweiz bei 2,1 Mrd. Fr. stabil. In der Deutschschweiz stiegen sie um 5 Prozent auf 6,7 Mrd. Franken.

Am meisten kauften die hiesigen Konsumenten jenseits der Grenze Lebensmittel. Für Lebensmittel liessen die Schweizer 2,41 Mrd. Fr. liegen. Dahinter folgten neue Kleider für 1,82 Mrd. Franken sowie Körperpflege und Hygieneprodukte für 740 Mio. Franken. Deutlich zugelegt hätten die Einkäufe von Sportwaren, Spielwaren oder Möbel, sagte Hochreutener.

Einkaufen auf Ausflügen oder Reisen

57 Prozent der Schweizer Haushalte kauften mindestens einmal pro Monat im Ausland ein. Dieser Anteil habe gegenüber dem hohen Niveau von 2013, als es 55 Prozent waren, nochmals zugenommen. Das Konsumentenverhalten hat sich seit 2013 verändert. Auslandeinkäufe werden immer häufiger mit einem Ausflug und/oder Ferien verbunden. Speziell junge Paare und Singles kaufen häufig während der Ferien oder auf Geschäftsreisen im Ausland ein.

Es sei davon auszugehen, dass diese Verknüpfung von Auslandeinkäufen mit einem Ausflug nicht nur für den Schweizer Handel, sondern auch für die heimische Gastronomie, den Tourismus und weitere Kultur- und Freizeitbereiche eine Herausforderung darstelle, hiess es weiter.

76 km Strecke

Die Schweizer sind bereit, lange Wege in Kauf zu nehmen: Die durchschnittlich zurückgelegte Strecke von 76 Kilometern pro gezieltem Besuch ist auch 2015 nochmals leicht um 2 km angestiegen. Auslandeinkäufe beschränken sich also nicht nur auf Bewohner von Grenzregionen. Sogar aus dem Wallis fahren Einkaufstouristen nach Deutschland.

Für die Studie hat die GfK rund 1100 Haushalte von Oktober 2015 bis Januar 2016 online befragt. Die Studie wurde im Auftrag der Interessengemeinschaft (IG) Detailhandel mit ihren Mitgliedern Coop, Denner, Manor und Migros durchgeführt.

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