30.01.2019 09:21
Quelle: schweizerbauer.ch - awp/blu
Milchmarkt
Emmi: Ausland überflügelt Inland
Emmi ist im vergangenen Geschäftsjahr 2018 organisch stärker gewachsen als von Börsenexperten erwartet. Erfolgsfaktoren waren unter anderem Caffè Latte, die italienischen Desserts oder Ziegenmilchprodukte. Die Gewinnerwartung für das Gesamtjahr wurde bestätigt. Erstmals realisiert der Konzern mehr Umsatz im Ausland.

Der Konzernumsatz stieg im Berichtsjahr um 2,8 Prozent auf 3,46 Milliarden Franken. Aus eigener Kraft, das heisst währungs- und akquisitionsbereinigt, entspricht dies einem Plus von 2,3 Prozent. Dies sei das stärkste organische Wachstum seit 2014, teilte die Luzerner Milchverarbeiterin am Mittwoch mit. Die im August vom Unternehmen veröffentlichte Prognose (1,5 bis 3 Prozent) wurde damit erreicht, die Analysten-Schätzung (+1,7 Prozent) gar klar übertroffen.

Europa-Geschäft besser als erwartet


Die Division Europa schlug sich deutlich besser, als Emmi dies erwartet hatte. Die Schweiz übertraf die firmeneigenen Erwartungen leicht. Und die Umsätze der Division Americas haben sich zumindest am oberen Ende der Erwartungen bewegt. Konzernchef Urs Riedener zeigt sich denn auch zufrieden in der Mitteilung: «Mit der Forcierung des Markenwachstums, der guten Entwicklung von Nischen wie italienische Desserts und Ziegenmilchprodukte sowie dem Aufwind in den aufstrebenden Märkten Tunesien, Chile und Mexiko stimmt auch die Qualität des Wachstums.» Der Konzernchef geht davon aus, dass die Zukäufe der letzten Jahre die Umsatzentwicklung weiterhin stärken werden.

Der Heimmarkt Schweiz, der bekanntlich von anhaltend hohem Preisdruck im Nahrungsmittel-Sektor geprägt ist, erzielte mit 1,71 Milliarden Franken einen leichten Rückgang (-1 Prozent). Dies ist allerdings auf den Verkauf eines Teils des Handelswarengeschäftes an Coop zurückzuführen. Ohne diesen hätte der Umsatz hierzulande um 0,6 Prozent zugelegt. Emmi verkaufte das Käselager in Kirchberg BE an die Basler Detailhändlerin. 

CH: Unter 50%

Der Umsatz im Heimmarkt lag laut Emmi leicht über den Erwartungen. Die positive Entwicklung des ersten Halbjahres sei im weiteren Verlauf des Jahres somit bestätigt worden. Gut gelaufen sind unter anderem die Molkereiprodukte, was aber vor allem mit dem höheren Milchpreis zu erklären ist. Beim Käse legte der Luzerner Rahmkäse und Le Petit Chevrier zu, während die Verkäufe von Fondue und AOP-Käse rückläufig waren. Dies sei unter anderem auf die um 3.2% höheren Käseimporte zurückzuführen, hält fas Unternehmen fest. Erstmals in der Geschichte des grössten Schweizer Milchverarbeiters sank der Anteil des Inlandumsatzes mit 49.6% (2017: 51.4%) unter die 50-Prozent-Schwelle. 

Gute Geschäfte in Übersee

Die Division Americas, welche die Märkte USA, Kanada, Mexiko, Chile, Tunesien, Spanien und Frankreich umfasst, erzielte einen Umsatzzuwachs von 10 Prozent auf 1,04 Milliarden Franken. In den Märkten Tunesien, Chile und den USA konnten die Umsätze deutlich gesteigert werden. Dies erklärt die starke Entwicklung der Segmente Molkereiprodukte, Frischprodukte und Käse. 

In Spanien konnte der Umsatz mit Emmi Caffè Latte gesteigert werden. Umsatzhemmend wirkte sich vor allem der Preiskampf auf Eigenmarken-Jogurts in Spanien und im Bereich abgepackter Käse in Frankreich aus, so Emmi. Der Anteil der Division Americas am Konzernumsatz stieg auf 30.2% (2017: 28.2%) 

Europa: AOP-Käse mit Problemen


In der Division Europa stieg der Umsatz um 5,2 Prozent auf 0,59 Milliarden Franken. Damit wurden die eigenen Erwartungen erfüllt. Entscheidende Wachstumsfaktoren waren die deutlich höheren Verkäufe von Emmi Caffè Latte und von den italienischen Spezialitätendesserts aller drei Dessertgesellschaften, die sich positiv auf das Segment Frischprodukte auswirkten. Schwer tat sich Emmi mit AOP-Käse, Kaltbach und Der Scharfe Maxx hingegen fanden in Deutschland Anklang. Nicht nach Plan liefen die Geschäfte mit Biomilch. Die Umsätze der "Gläserne Molkerei" waren verhalten, was zu einem Rückgang bei den Molkereiprodukten führte. Der Anteil der Division Europa am Konzernumsatz stiegt auf 17.1 % (2017: 16.8%).

Gewinnerwartung bestätigt

Die Division Global Trade beinhaltet primär Direktverkäufe aus der Schweiz an Kunden in Ländern, in denen Emmi keine eigenen Gesellschaften hat. Dazu gehören die asiatischen und osteuropäischen Märkte, die meisten südamerikanischen Länder und die Arabische Halbinsel. Die kleinste Division musste einen Umsatzrückgang von gut 10 Prozent auf 106,6 Millionen Franken hinnehmen. Die negative Entwicklung wird vor allem mit rückläufigen Entlastungsexporten von Butter und Milchpulver erklärt. Der Anteil der Division Global Trade am Konzernumsatz betrug noch 3.1% (2017: 3.6%).

Gewinnzahlen werden erst am 28. Februar bekannt gegeben. Emmi bestätigt aber die August abgegebene Betriebsgewinnprognose (EBIT) von 205 bis 215 Millionen Franken. Die Reingewinn-Marge dürfte sich auf 4,5 bis 5 Prozent belaufen.

Zur Emmi Gruppe zählen in der Schweiz 25 Produktionsbetriebe. Im Ausland ist das Unternehmen mit Tochtergesellschaften in 14 Ländern präsent, in sieben davon mit Produktionsstätten. Aus der Schweiz exportiert Emmi Produkte in rund 60 Länder. Schwerpunkte der Geschäftsaktivitäten bilden – neben dem Heimmarkt Schweiz – Westeuropa sowie der amerikanische Kontinent. Der Umsatz von 3,5 Milliarden Schweizer Franken - über 10% davon mit Bio-Produkten - verteilt sich hälftig auf die Schweiz und das Ausland, ebenso die über 6'000 Mitarbeitenden.

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