7.04.2020 17:32
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Fleischmarkt
Fleisch: Da gehen die Millionen hin
Die Corona-Pandemie wirkt sich stark auf den Schweizer Fleischmarkt aus. Um einen Preiseinbruch zu verhindern, hat der Bund einen Nachkredit von 3 Millionen Franken zur Marktentlastung gesprochen. Die Branchenorganisation legt offen, wie sie die Mittel einsetzt. Ein Fleisch-Importstopp kommt nun nicht.

Seit der Erklärung des Notstandes Mitte März aufgrund der Corona-Pandemie mussten die Restaurants ihre Türen schliessen. In der Hotellerie blieben die Gäste fern. Dies hat gravierende Auswirkungen auf die Fleischmärkte. Wichtige Abnehmer von Fleischprodukten fallen so zumindest temporär für mehrere Wochen weg. 

Absatzmärkte weggebrochen

Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens sind für diese Märkte verheerend. Besonders gravierend ist für den Absatz von Kalb- und Gitzifleisch. Das wegfallende Ostergeschäft verschärft die Situation zusätzlich. 

Die Branchenorganisation der Fleischwirtschaft, Proviande, hat den Bund deshalb Ende März um Hilfe angefragt. Für Marktentlastungsmassnahmen wurde beim Bundesrat eine Kostenbeteiligung beantragt, um Preiszusammenbrüche zu vermeiden. Überschüsse auf dem Bankvieh-, Kuh- und Kälbermarkt sollen mit dieser Massnahme durch Einfrieren vorübergehend vom Markt genommen werden. 

Einlagerungsaktion

Dieser Bitte kam der Bundesrat am 1. April nun nach. «Eine kurzfristige Anpassung der landwirtschaftlichen Produktion ist nicht möglich», so die Landesregierung. Um einen Beitrag zur Stabilisierung des Fleischmarktes zu leisten, sollen mit einem Nachtragskredit über 3 Millionen Franken Einlagerungsaktionen bei Kalbfleisch, Gitzifleisch und Edelstücke beim Rindfleisch finanziert werden. Diese Mittel werden im Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) kompensiert.

Für Marktentlastungsmassnahmen zur Stabilisierung des Fleischmarktes stellt der Bund also zusätzlich zu den ordentlichen Beihilfen Viehwirtschaft von 3,1 Mio. Fr. weitere 3 Mio. Fr. zur Verfügung. Das ergibt eine Summe von 6,1 Millionen Franken. Die Branchenorganisation Fleisch Proviande hat am vergangenen Freitag entschieden, wie die Mittel eingesetzt werden. 

3.9 Millionen

Am 11. März wurden bereits 2,2 Millionen für die Einlagerung von Kalbfleisch eingesetzt. Damit stehen noch 3,9 Millionen Franken zur Verfügung. Die Covid-19-Verordnung Landwirtschaft wurde so angepasst, dass auch Gitzifleisch eingefroren werden kann. 

Beschlossen wurden folgende Marktentlastungsmassnahmen

• Einlagerung von Ziegenfleisch vom ganzen Tier (150'000 Franken)

• Einlagerung von Kalbfleisch (zusätzlich 1,55 Mio. Franken)

• Einlagerung bzw. Einsalzung von Fleisch vom Hinterviertel von Grossvieh (2,2 Mio. Franken)

«Importstopp nicht sinnvoll»

Am 26. März hatte die Proviande bereits einige Massnahmen entschieden. So wollte die Branchenorganisation beim Bundesamt für Landwirtschaft prüfen lassen, ob per Notrecht ein Importstopp verfügt werden kann und wenn ja unter welchen Bedingungen. 

Doch dieses Mittel zur Entlastung des einheimischen Fleischmarktes wird nicht eingesetzt. In der Mitteilung von Proviande heisst es nun unmissverständlich: «Ein über Notrecht verfügter Importstopp ist weder möglich noch sinnvoll. Die Importmöglichkeiten zur Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung müssen gewährleistet bleiben.» Die Branche denkt dabei hier insbesondere an Personalmangel in Schlachthöfen infolge einer Erkrankung durch das Coronavirus. Der allfällige Ausfall einheimischer Schlachtkapazitäten könnte durch Einfuhren ausgeglichen werden. 

Die Importmöglichkeiten wurden zudem flexibilisiert. Per LWV-Covid können nun auch für Rind- und Schweinefleisch zweite Einfuhrmengen festgelegt werden. Die Importperioden dürfen sich für alle Fleischkategorien bis auf weiteres überschneiden. Konkret heisst das: Mit der beschlossenen Verlängerung der Importperiode können Einfuhren jetzt aufgeschoben und zeitlich möglichst nach hinten geschoben werden. Damit soll nicht zusätzliches Importfleisch den Inlandmarkt belasten. 

Bereits am 25. März 2020 wurden die laufenden Einfuhrperioden für Rind-, Lamm-, Pferde- und Geflügelfleisch verlängert. Mit Beschluss vom 3. April 2020 wurde die Einfuhrperiode für Rindfleisch um weitere vier Wochen bis zum 6. Juni 2020 verlängert. Damit wird den Importeuren, die nun freiwillig auf bereits ersteigerte Importe verzichten, kein finanzieller Schaden erwachsen. Ausserdem werden sie mit längeren Zahlungsfristen für die Zuschlagspreise der ersteigerten Kontingentsanteile entlastet.

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