9.12.2019 09:54
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Hochdorf
Hochdorf verkauft Pharmalys
Die Molkerei Hochdorf verkauft ihre Mehrheitsbeteiligung an Pharmalys, einer Herstellung von Babynahrungsmittel. Käufer ist eine von Amir Mechria, dem Gründer von Pharmalys. kontrollierte Holding. Hochdorf will aber weiter auf Babynahrung setzen.

Die Hochdorf-Gruppe und die von Amir Mechria kontrollierte Pharmalys Invest Holding haben am Freitagabend nach Börsenschluss die entsprechenden Verträge unterzeichnet. Der Verkaufspreis liegt laut einer Mitteilung bei rund 100 Millionen Franken. Das ist viel weniger, als Hochdorf seinerzeit für die 51%-Beteiligung bezahlt hatte: 245 Millionen Franken, davon rund 114 Millionen in bar und 131 Millionen Franken in Form einer Pflichtwandelanleihe. 

Hoffnungen haben sich zerschlagen

Die Hoffnungen waren gross beim Kauf von Pharmalys im Jahr 2016. Das Baby-Care-Geschäft, auf das die Hochdorf-Gruppe seit etwa zehn Jahren strategisch fokussiert und das seinerzeit Investorenträume beflügelt hat, sollte beschleunigt ausgebaut werden.

Jetzt schreibt die Gruppe in der Mitteilung: «Das Geschäftsmodell der Pharmalys gab den HOCHDORF Organen in der operativen Umsetzung jedoch wenig Transparenz und Einfluss auf relevante Teile der Wertschöpfungskette. Zudem gestaltete sich die Finanzierung des Nettoumlaufvermögens der Pharmalys als äusserst kapitalintensiv.» Hochddorf will aber weiter mit Pharmalys zusammenarbeiten.

Fokus auf Baby Care soll bleiben

Der Fokus der Hochdorf-Gruppe auf den wachstumsstarken Geschäftsbereich Baby Care bleibt laut Mitteilung trotz des Verkaufs der Pharmalys-Anteile bestehen. Pharmalys will in der Vermarktung weiterhin auf die von Hochdorf produzierte Schweizer Babynahrung setzen. Im eigenen Verkauf von Babynahrung an Endkonsumenten arbeite Hochdorf zukünftig verstärkt mit der Schweizer Traditionsmarke Bimbosan sowie mit der Marke Babina.

«Schritt hin zu finanziellen Gesundung» 

Mit dem Verkauf der Pharmalys-Beteiligung gewinne die Hochdorf-Gruppe ihre strategische Flexibilität zurück und mache einen wichtigen Schritt hin zur finanziellen Gesundung, betont die Firma. Aufgrund der aktuell geringen Umsätze im Bereich Baby Care und den technischen Herausforderungen an der neuen Sprühturmlinie in Sulgen TG werde für das laufende Geschäftsjahr jedoch weiterhin mit einem deutlich negativen Ergebnis gerechnet.

Der umsatzmässig stärkste Geschäftsbereich, die Produktion von Milchpulver für die Herstellung von Milchschokolade, weist entweder sehr kleine Margen auf oder ist gar ein Verlustgeschäft. Denn mehrere Schweizer Schokoladehersteller holen immer wieder Konkurrenzofferten aus dem nahen Ausland ein und drohen, bei höheren Preisen sofort ausländisches Milchpulver einzusetzen. Denn auf der Schokolade wird die Herkunft des Pulvers selten ausgelobt. Hochdorf ist mittlerweile laut Marktkennern die Schweizer Molkerei mit dem schlechtesten Milchpreis. 

Molkerei in der Krise 

Die Hochdorf-Gruppe befindet sich seit gut einem Jahr in einer akuten Krise. Im März ist der einst als Sanierer geholte Chef, Thomas Eisenring, zurückgetreten. Auch weil sich für das Geschäftsjahr 2018 ein schlechtes Resultat abzeichnete, nominierten die Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) und die Aktionärsgruppe Weiss/Maurer im Frühjahr neue Verwaltungsräte und wollten mehrere bisherige Verwaltungsräte abwählen.

Das gelang ihnen an der Generalversammlung. Der bisherige Verwaltungratspräsident Daniel Suter wurde abgewählt. Neu sitzen unter anderem der frühere Emmi-Finanzchef Jörg Riboni und Milchproduzent Markus Bühlmann aus Rothenburg LU im Hochdorf-Verwaltungrat. Die ZMP halten 14,5% an der Hochdorf-Gruppe. Im August wurde für das erste Halbjahr 2019 ein Verlust von 63 Millionen Franken bekanntgegeben. 


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