2.04.2020 09:14
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Kartoffeln
Kartoffelimporte wegen Corona-Krise
Wegen der Corona-Krise wurden Kartoffelimporte nötig. Ruedi Fischer, Präsident der Kartoffelproduzenten, warnt aber ausdrücklich vor einer Ausdehnung der Kartoffelfläche. Eine solche würde zur Überproduktion führen.

«Schweizer Bauer»: Die Nachfrage nach Kartoffeln ist sehr gut. Kann sie mit inländischen Kartoffeln befriedigt werden?
Ruedi Fischer: Nein, Swisspatat hat beim Bundesamt für Landwirtschaft ein Zusatzimportkontingent von 8000 Tonnen Speisekartoffeln mit einer Laufzeit ab 1. April beantragt. Wegen der Corona-Krise braucht es kurzfristig Mehrmengen. Die Beschaffung wird wohl nicht einfach sein. Das Anlegen eines Notvorrates, das Zu-Hause-Kochen, kein Einkaufstourismus mehr sind Gründe, wieso der Kartoffelverkauf jetzt zwischenzeitlich anstieg. Bei der Industrieware hat sich der Markt nun aber schon von einem Nachfrage- zu einem Angebotsüberhang verschoben.

Welche Sorten sind aktuell besonders gesucht?
Wir müssen unterscheiden zwischen Speise- und Verarbeitungskartoffeln. Wie gesagt ist der Abverkauf bei den Speisekartoffeln sowohl mehlig wie festkochend im Moment überdurchschnittlich.

Wo gibt es Probleme?

Bei den Verarbeitungskartoffeln, vor allem bei den Pommes-frites-Kartoffeln, könnte es zu einer ganz schwierigen Situation kommen. Restaurants, Fastfood-Ketten, Skiorte und weitere grosse Abnehmer von Pommes mussten aufgrund des Bundesratsbeschlusses schliessen. Das gibt grosse Fehlmengen im Abverkauf. Es ist jetzt wichtig, dass, wo möglich, Industriesorten in den Speisesortenkanal umgelagert werden. Ebenso müssen aus unserer Sicht die Importe für Verarbeitungskartoffeln gestoppt werden. 

Kann die Kartoffelfläche dieses Jahr ausgedehnt werden?
Es wäre ein ganz falsches Signal, aufgrund der aktuellen Situation die Anbaufläche auszudehnen. Schon bei einer leicht überdurchschnittlichen Ernte im Herbst bekämen wir dies stark negativ zu spüren.   

Drohen dann nicht einfach mehr Importe?
Die zusätzlichen aktuellen Importe haben mit der Corona-Ausnahmesituation zu tun. Sobald unsere ersten Schweizer Frühkartoffeln bereit sind, muss möglichst schnell wieder auf Inlandware umgestellt werden. Die Produktion hat dem Zusatzkontingent zugunsten einer sicheren Versorgung in der aktuellen Situation zugestimmt. Im Gegenzug erwarten wir nun aber vom Handel ein klares Bekenntnis zur inländischen Ernte. Leider gehe ich heute nicht davon aus, dass mittelfristig der Kartoffelkonsum aufgrund der Corona-Krise prägnant ansteigen wird. 

Was raten Sie Landwirten, die sich einen Einstieg in die Kartoffelproduktion überlegen?
Dass sie es auf keinen Fall machen sollen.   


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