23.10.2017 09:34
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Bigler
Tränkermarkt
Mehr Tränker, weniger Plätze
Die Tränkerpreiskurve zeigt seit einigen Wochen steil nach unten. «Nicht steil genug», sagen grosse Kälbermastintegratoren. Der Tränkermarkt sei stark überversogt. Doch nicht alle beurteilen die Situation als gleich dramatisch.

Dass es saisonal im Herbst mehr Tränkekälber auf dem Markt hat, ist normal. In diesem Jahr scheinen aber die Angebotsüberhänge besonders ausgeprägt zu sein. Jörg Oberle, Kälbermastintegrator und Inhaber der Firma Gefu Oberle, sagt: «Unsere Kälbermastställe sind jetzt bereits voll.» Üblicherweise sei dies erst im Dezember der Fall.

Ställe bereits sehr voll

Seine Zulieferer und Händler erwarten aber, dass er ihnen die Tränker abnimmt, die sie jetzt zahlreich von den Bauern angeboten bekommen. Schliesslich haben sie ihn im Sommer, als die Tränker knapp waren, auch beliefert. «Ich habe deshalb in den letzten Wochen Tränker an andere Mäster und Händler weiterverkaufen müssen», sagt Oberle. Doch dort scheint es nun auch anzustellen.

Hubert Gauderon, Direktor von Univo, dem zweiten grossen Kälbermastintegrator in der Schweiz, bestätigt: «Unsere Ställe sind bereits sehr voll – früher als in anderen Jahren.» Univo habe deshalb im Moment die Tränkerlieferungen kontingentiert und nehme insbesondere die teuren Mastrassentränker nur noch beschränkt an. Durch den hohen Anteil an Mastrassenbesamungen kommen deutlich mehr AA-Tränker auf den Markt als früher. Wie kann es aber zu einer solchen Situation kommen, wenn doch die Anzahl Milchkühe und damit die Kälbergeburten in den letzten Jahren stets rückläufig waren?

Milchpreis hat Einfluss

«Wegen den tiefen Milchpreisen haben einige Milchbauern ihre Tränker in den letzten zwei Jahren selber ausgemästet», stellt Oberle fest. Diese Tiere kamen also gar nie in den Handel und verknappten das Tränkerangebot zusätzlich. «Deshalb haben einige grosse Kälbermäster aufgehört, weil sie im Frühling und Sommer chronisch zu wenig und zu teure Tränker erhielten», erklärt er.

Nun sei der Milchpreis etwas angestiegen, und plötzlich würden einige bäuerliche Mäster ihre Tränker wieder verkaufen und die Milch abliefern. Doch die grossen Kälbermäster, bei denen in den letzten Jahren Mastplätze aufgegeben worden sind, vermögen nun das plötzlich gestiegene Angebot nicht zu schlucken. Hubert Gauderon sagt dazu, dass Univo zwar nicht weniger Mastplätze habe, aber die Entwicklung, dass einige bäuerliche Mäster ihre Tränker wieder auf den Markt geben würden, habe er auch beobachtet.

Preis zu hoch

Ebenfalls sind sich die beiden Kälbermastintegratoren einig, dass das Preisniveau für die aktuelle Marktsituation noch deutlich zu hoch sei. Die Preise der IG Kalbfleisch liegen daher unter den offiziellen Tränkerpreisen der Proviande. So empfiehlt die IG nächste Woche für ein weibliches AA-Tränkekalb 8.60 Fr. ab Stall statt  9.10 Fr. gemäss offizieller Preistabelle oder für ein A-Kalb 4 Fr. statt 4.60 Fr. Einen Marktausgleich gibt es in solchen Situationen auch über Wurstkälber. Tränker von schlechter Qualität werden eher geschlachtet als ausgemästet.

Nicht alle beurteilen aber die Situation auf dem Tränkermarkt genau gleich. Ein Händler sagt, dass immer noch Nachholbedarf beim Einstallen aus den Sommermonaten mit knappem Tränkerangebot bestehe.

«Keine Katastrophe»

Peter Bosshardt, der Geschäftsführer des Schweizerischen Viehhändlerverbandes, macht wöchentlich eine Umfrage bei zahlreichen Händlern zum Tränkermarkt. Er fasst zusammen: «Von einer Katastrophe kann sicherlich nicht gesprochen werden.» Es stimme aber, dass in den letzten Wochen in kurzer Zeit viele Tränker auf den Markt gekommen seien. Bosshard stellt ebenfalls fest, dass weniger Milchviehhalter ihre Tränker selber ausmästen. Die erste Angebotsspitze dürfte aber bald vorüber sein. 

Die Entwicklungen auf dem Bankkälbermarkt haben natürlich auch einen Einfluss auf den Tränkermarkt und auf die Tränkerpreise. So liegen die Mastkälberpreise dieses Jahr deutlich über dem Vorjahresniveau. Bosshardt beurteilt zudem die Aussichten für den Kälbermarkt für Januar 2018 als positiver als sie in anderen Jahren waren.

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