8.04.2020 11:50
Quelle: schweizerbauer.ch - awp/blu
Zuckerwaren
«Mindestgrenzschutz ist Handicap»
Die Schweizer Hersteller von Zuckerwaren wie etwa Bonbons haben im vergangenen Jahr trotz einer höheren Absatzmenge den Umsatz nicht steigern können. Der positive Verlauf des Exportgeschäfts hat dabei die negative Entwicklung im Inlandgeschäft kompensiert. Wenig erfreut ist die Branche über den Mindestgrenzschutz beim Zucker.

Die Schweizer Zuckerwarenindustrie gerät vermehrt unter Renditedruck. Die Branche verkaufte 2019 bei einem stagnierendem Umsatz (-0,1%) von 366,2 Millionen Franken mit total 36'753 Tonnen insgesamt 1,4 Prozent mehr Zuckerwaren als im Vorjahr, wie der Dachverband Biscosuisse am Mittwoch mitteilte.

Sinkende Inlandverkäufe

Positive Wachstumsraten wurden etwa bei den Hartbonbons (+2,9%) verzeichnet, die mit einem Anteil an der Gesamtproduktion von über zwei Drittel die wichtigste Warengruppe darstellen. Der Anteil der zuckerfreien Artikel an der Gesamtproduktion habe sich derweil um 4,9 Prozent auf 57,7 Prozent erhöht.

Der langjährige Abwärtstrend der Inlandverkäufe setzte sich aber fort: Insgesamt sei der Inlandverkauf von in der Schweiz hergestellten Zuckerwaren im Jahr 2019 um 0,2 Prozent zurückgegangen. Der damit generierte Umsatz sank um 1,7 Prozent auf 80,6 Millionen Franken. Seit 2013 sei der Inlandumsatz damit um über ein Fünftel gesunken.

Mehr Exporte

Demgegenüber ist der Marktanteil der Importwaren auf 76,7% gestiegen. Der grösste Teil der deutlich billigeren Importwaren wurde aus Deutschland eingeführt. Mit dem Anstieg der Importwaren (+4,4%) stieg der Gesamt-Inlandabsatz um 3,3%. Der Marktanteil der einheimischen Hersteller schrumpfte auf 23,3% (-3,4%).

Beim Export konnten die Hersteller die Menge im Vergleich zum Vorjahr um 1,7% erhöhen. Der Export-Umsatz erhöhte sich aber nur um 0,4 % auf 285,6 Mio. Franken gesteigert werden. Der Exportanteil an der Gesamtproduktion stieg um 0,7% auf 83,0%. 2019 wurden insgesamt 89 Länder mit Schweizer Zuckerwaren beliefert.

Warnung vor Zuckersteuer

Sorgen bereitet den Hersteller die Rahmenbedingungen. Erschwerend auf das Geschäft wirkt sich der seit Anfang 2019 erstarkte Franken aus. Wenig angetan ist die Branche vom Mindestgrenzschutz für Zucker. «Dies hat zu einem neuen agrarpolitischen Rohstoffpreis-Handicap für Schweizer Hersteller gegenüber der ausländischen Konkurrenz geführt», beklagt der Verband. Deklarationsvorschriften mit «Swiss Finish» sorgten ebenfalls für unnötige Mehrkosten, heisst es weiter. Hier ortet die Branche Verbesserungspotenzial.

Biscosuisse setzt Hoffnungen in neue Freihandelsabkommen, beispielweise mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten oder den USA. «Weitere Belastungen wie bespielsweise eine Zuckersteuer würden hingegen die Rahmenbedingungen des Produktionsstandorts Schweiz weiter verschlechtern», warnt der Verband. Der starke Anstieg bei den zuckerfreien Produkten zeige, dass die Anbieter auf die veränderten Bedürfnisse rasch reagieren und für ausreichend Alternativen sorgen.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE