18.12.2019 18:13
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/dha
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Welchem Richtpreis vertrauen Sie?
Nach Anpassungen des Richtpreissystems bei Tränkekälbern in den Jahren 2015 und 2018 kommt per 2020 wieder eine Neuerung. Zwei Richtpreise sollen nun für mehr Transparenz auf dem Markt sorgen. Welchem Richtpreis schenken Sie mehr Glauben? Abstimmen und mitdiskutieren

Der Richtpreis bei den Tränkern ist seit Jahren umstritten. Er folgten Wirrungen und Irrungen. Deshalb wurden mehrmals Änderungen vorgenommen.

Zuerst Proviande

Unter Federführung des Schweizer Bauernverbands (SBV) haben Vertreter der Geburtsbetriebe, des Handels und der Mäster im Jahr 2015 ein Richtpreissystem für Tränker erarbeitet. Basis war ein schweizweit einheitliches System mit Qualitätsklassen für die Tränker.  Seit Januar 2016 wurden für die einzelnen Qualitätsklassen jeweils Richtpreise publiziert.

Ab dem 1. Februar 2017 wurden die Tränkerpreise an einer von Proviande moderierten Telefonkonferenz erhoben. An dieser nahmen Aufzuchtbetriebe, Händler und Mäster teil. Die Preise galten schweizweit ab Stall. So wollte man Ordnung und Transparenz im Tränkerhandel schaffen.

Überzahlungen

Doch bald zogen dunkle Wolken auf. Kleinere, regionale Händler zahlten den Geburtsbetrieben teilweise Preise, die deutlich über dem Richtpreis lagen. Auch grössere Händler wie Vianco zahlten für AA-Tränker höhere Preise.

Der Richtpreis müsse – bei gleichbleibendem Marktpreis – angepasst werden, um die Überzahlungen zu verringern und den Referenzcharakter der Preistabelle zu stärken. «Sonst bringt das Preisfeststellungssystem nichts», machte Peter Bosshard, Geschäftsführer des Schweizer Viehhändlerverbandes, Anfang 2018 deutlich.

2018 drohte ein Scherbenhaufen

Anfang Februar 2018 haben sich die Vertreter der Geburtsbetriebe, Viehhandel und Mäster in der Arbeitsgruppe Tränker des Schweizer Bauerverbandes (SBV) getroffen. Eine Lösung wurde nicht gefunden. Es drohte ein Scherbenhaufen.

Doch im März 2018 folgte die Kehrtwende. Die Händler kehrten in die Arbeitsgruppe zurück. «Die Branchenpartner sind zur Überzeugung gelangt, dass gemeinsame Richtpreise für die Tränker sehr wichtig als Grundlage für einen fairen Markt und für die Glaubwürdigkeit des Rind- und Kalbfleischsektors gegenüber den Abnehmern und Konsumenten sind», lautete die offizielle Sprachregelung damals.

Bauernverband statt Proviande

Am System wurden Änderungen vorgenommen. Die drei Stufen (Geburtsbetriebe, Handel, Mäster) meldeten schriftlich, ob die Preise zu erhöhen, beizubehalten und zu senken sind. Waren sich zwei Parteien bezüglich einer Preisänderung einig, wurde der Preis um 30 Rappen pro Kilo Lebendgewicht angepasst. Neu wurden die Preise nicht mehr über die Proviande, sondern über den Bauernverband kommuniziert. 

Mit dem neuen Preissystem solle eine «zeitnahe» Anpassung der Richtpreise an die Marktverhältnisse ermöglich werden. «Taktische Preiseingaben einzelner Parteien werden so neutralisiert», hielt der Bauernverband damals fest.

Erneut Unzufriedenheit

Doch auch diese Richtpreissystem ist nun überholt. Ab dem 1. Januar 2020 werden neu zwei Richtpreise erhoben. Diese sollen für mehr Transparenz am Markt sorgen, ist sich die Branche einig. Die Schweizer Milchproduzenten und die Arbeitsgemeinschaft Schweizer Rindviehzüchter werden je einen eigenen Tränker-Richtpreis publizieren. Das teilte der SBV am Montag in einem Communiqué mit. 

Begründet wird die Änderung, und das ist keine Überraschung, mit der «teilweisen» Unzufriedenheit mit dem aktuellen Richtpreissystem. «Die Milchproduzenten haben sich gewünscht, dass der Richtpreis die Situation exakter und transparenter darstellt», sagte Martin Rufer, Leiter Departement Produktion, Märkte und Ökologie beim SBV, zu «Schweizer Bauer».  Und so habe man sich darauf geeinigt, vorerst keine gemeinsame Preistabelle mehr zu publizieren.

90 Prozent abgebildet

Ziel ist es, mit zwei Werten den Tränkerpreise abzubilden. An den Qualitätsklassen werden keine Änderungen vorgenommen. Und auch die Händler haben sich ein neuen Tränkerpreis gewünscht. «Den 30-Rappen-Schritt werden wir beibehalten, die Tabelle werden wir aber leicht abändern», sagt Peter Bosshart, Geschäftsführer des Schweizer Viehhändlerverbandes, zu «Schweizer Bauer». 

Im Preis der Händler und Mäster würden 90 Prozent der Tränker abgebildet, hebt Bosshard die Vorzüge des neuen Tränkerpreises hervor. Die Viehhändler werden den Richtpreis zusammen mit den Mäster-Verbänden Swiss Beef CH und dem Schweizer Kälbermäster-Verband herausgeben.

Was denken Sie über den erneuten Systemwechsel bei den Richtpreisen? Welchen Richtpreis werden Sie mehr Glauben schenken? Uns warum? Abstimmen und mitdiskutieren

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