11.07.2020 08:23
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Ackerbau
Bei Ernte Saat planen
Nach der Getreide- und der Rapsernte sollte zuerst die Stoppelbearbeitung erfolgen. Danach steht allenfalls schon bald die Saat der Zwischenkultur an. Je nach Pflanzenzusammensetzung erfolgt sie früher oder später.
Die Gerstenernte ist in vollem Gang, und auch im Raps sind die Mähdrescher unterwegs. Damit stellt sich die Frage, wann eine Gründüngung gesät oder eine Kunstwiese angelegt werden soll.

Bei  trockenen Bedingungen im Sommer keimen keine Samen. Und wenn, gelangen die Wurzeln noch nicht an das tiefer liegende Wasser, und sie vertrocknen. Trotzdem gilt, dass man mit der Saat einer Gründüngung oder mit dem Äugsteln nicht zu lang zuwarten sollte.

Samenreife vermeiden

Bei den Gründüngungen stehen die Durchwurzelung, die Unkrautunterdrückung und die Bodenbedeckung im Vordergrund. Diese Ziele lassen sich nur erreichen, wenn zeitig gesät wird. Aber Achtung: Bei einzelnen Gründüngungen kann es bei einer sehr frühen Saat und einem wüchsigen Herbst vorkommen, dass Pflanzen wie Ölrettich in die Samenreife kommen. Diese Samen können dann in der nachfolgenden Kultur, zum Beispiel Zuckerrüben, zu massiven Problemen in der Unkrautbekämpfung führen.

Ausfall beseitigen – aber richtig

Ist der Boden trocken, kann die Zeit nach der Gersten- oder auch der Rapsernte zur Bekämpfung des Ausfalls genutzt werden. Dabei gibt es aber Unterschiede beim Vorgehen:
  • Nach Getreide macht es Sinn, sofort nach der Ernte mit der Scheibenegge oder mit dem Flügelschargrubber eine oberflächliche, 5 bis 8 cm tiefe Bodenbearbeitung durchzuführen. So wird das Ausfallgetreide zum Keimen gebracht. Zusätzlich werden die wasserführenden Poren unterbrochen, was die Wasserverdunstung reduziert. 

  • Beim Raps wird unmittelbar nach der Ernte keine Stoppelbearbeitung durchgeführt, weil der Raps ein Lichtkeimer ist und an der Oberfläche keimt. Werden die Samen bei einer Stoppelbearbeitung in tiefere Bodenschichten gebracht, fallen sie in eine Keimruhe. Auch Jahre später können diese Rapskörner wieder auskeimen, falls sie an die Oberfläche gelangen. Möglich ist hingegen ein Durchgang mit dem Striegel nach der ersten Keimwelle. Dieser bewirkt, dass Körner, welche unter dem Stroh liegen, zur Keimung angeregt werden. sum

Wer Zwischenfutter anbauen will, sollte dieses in der Regel bei gut abgetrocknetem Boden unmittelbar nach der Ernte ansäen; nur so können  akzeptable Futtererträge erwirtschaftet werden. Im Vordergrund stehen Mischungen mit Raygräsern und Leguminosen, wobei zwischen nicht überwinternden und überwinternden Zwischenfrüchten unterschieden werden muss.

Bei Kunstwiese zuwarten

Kann im zeitigen Frühjahr noch ein Schnitt erfolgen, ist klar auf eine überwinternde Zwischenfrucht zu setzen. So können die Saatgutkosten auf zwei oder sogar drei Schnitte verteilt werden. Beim Anbau von Zwischenfutter sollten allerdings die Durchwuchsprobleme von Raygräsern in der Folgekultur berücksichtigt werden. 

Bei der Anlage einer länger dauernden Kunstwiese lohnt es sich bei Trockenheit, vor der Saat den Regen abzuwarten. Oft ist die zweite Hälfte August, wenn die Sommerhitze vorüber ist, der sicherste Saattermin. Im Gegensatz zu Frühlingssaaten wird beim Äugstlen besser auf eine Deckfrucht verzichtet, obwohl Alexandrinerklee oder Hafer im Herbst sicher zu einem Mehrertrag führt.

Im Sommer kann jedoch eine Deckfrucht die Ansaat bei Wassermangel stark konkurrenzieren. Neuansaaten mit Deckfrucht gehen zudem schwächer entwickelt und weniger robust in den Winter. Der erste Schnitt im nächsten Frühling ist deshalb oft weniger ertragreich. 

Ressourceneffizienzprogramm

Auf jeder Parzelle mit Kulturen, die vor dem 31. August geerntet werden, muss im laufenden Jahr eine Winterkultur, Zwischenfutter oder Gründüngung angesät werden. Das ist im ÖLN Vorschrift. Wer zudem am Ressourceneffizienzprogramm zur schonenden Bodenbearbeitung teilnimmt, muss die direktzahlungsberechtigte Hauptkultur mit Direktsaat, Streifensaat oder Mulchsaat aussäen.

Wird eine Zwischenkultur angelegt, darf das Ansaatverfahren von demjenigen der Hauptkultur abweichen, muss jedoch mit Direkt-, Streifenfräs- oder Mulchsaat erfolgen. Der Pflugeinsatz ist verboten. Wer sich für den Zusatzbeitrag für den Verzicht auf Herbizide angemeldet hat, darf den Pflug für die Mulchsaat einsetzen, aber die maximale Bearbeitungstiefe von 10cm nicht überschreiten. sum
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