25.09.2019 12:18
Quelle: schweizerbauer.ch - Robert Alder
Bern
Ein gefragter Betriebszweig
Jäten und ernten. Das ist für 65 Mitarbeitende aus Osteuropa der tägliche Job während der Vegetationszeit. Sie sind gefragt.

65 Mitarbeiter und für jeden gibts einen Ferrari. Wenn das kein verlockendes Angebot ist. Doch der Ferrari hat keinen schnellen Motor, er ist ein Jät-Ferrari, der mit blossen Muskelkraft vorwärtskommt. «Die Beine sind zuerst müde», meint Samuel Serban, der mit neun Kollegen in Uettligen BE an der Arbeit ist.

Keine Schweizer

Er ist Gruppenführer und befreit ein Rüeblifeld von unerwünschter «Ackerbegleitflora», wie Unkraut auch etwas liebevoller genannt wird. Auch wenn er kein Bauernsohn ist, kommt es überzeugt: «Ich arbeite gerne draussen und kann mir gut vorstellen, das noch länger zu machen.» Rasch bietet er dem Mann vom «Schweizer Bauer» seinen Platz an und meint «Probiere es auch einmal.» Schnell  tönt es von seinen Kollegen: «Schneller!» Die Stimmung ist gut, es wird gelacht und gewitzelt.

Samuel kommt wie viele seiner 65 Kollegen aus Rumänien. Sein Chef ist Lukas Camenzind, der einzige Schweizer. «Ja, drei Viertel sind Rumänen, die übrigen Polen und Tschechen. Für Schweizer ist dies zu wenig lukrativ», stellt er fest. 2015 hat das Ganze begonnen. Camenzind war damals Mitarbeiter auf seinem Lehrbetrieb, dem Biohof Brunner in Spins bei Aarberg. In der Heidelbeeranlage gab es nichts zu ernten, die Erntehelfer waren jedoch schon da. 

Jäten und ernten


Was tun? «Wir boten einen Jätservice an und hatten in Kürze über 10 Kunden und 4 Monate Arbeit für 30 Personen.» Heute sind das 65 bis 70 Leute, die so ihr Einkommen verdienen. «Ich könnte problemlos 100 Leute beschäftigen. Momentan dauert die Wartefrist etwa zweieinhalb Wochen», gibt Camenzind zu verstehen. Die heute rund 150 Kunden sind oft Biobetriebe, aber nicht nur. Die Aufträge kommen vom Wallis bis ins Bündnerland. Mehr als ein Drittel der Zeit sind die Teams im Grossen Moos anzutreffen.

70 Prozent der Arbeiten besteht aus Jäten, der Rest aus Ernten von Trauben, Beeren, Rhabarber und Süssmais. Oder im Treibhaus Blattachseltriebe der Tomaten ausbrechen oder Reben lauben. Ob das nicht langweilig sei? «Nein, es ist ja nicht jeden Tag dasselbe. Und wenn wir an verschiedenen Orten unterwegs sind, lerne ich erst noch die Schweiz kennen», gibt Samuel zu verstehen.

Bei Regen mühsamer

Im freiburgischen Courtepin ist ein anderes Team unterwegs. In der schwarzen Moorerde geht dies zügig und leichter. Das schätzt auch Sabin, auch er Rumäne. «Gegen die Hitze haben wir Sonnenschirme und Wasser. Wenn es regnet, haben wir Regenkleider, aber dann ist es schon mühsamer», sagt er. Douglas hingegen macht die Hitze nichts. Er sei froh, hier Arbeit zu haben, meint er. Schon ein Jahr lang macht er dies. Er ist Jamaicaner und mit einer Schweizerin verheiratet.

Sie hätten einen guten Boss, sagen sie übereinstimmend. «Ich bin kein Mööggi und versuche immer zu motivieren. Machen wir schlechte Arbeit, verlieren wir Aufträge», ist der 26-Jährige überzeugt. Immer wieder klingelt sein Handy. Die Koordination und die Überwachung der Arbeit, aber auch das Regeln der Arbeitsdokumente absorbiert ihn. Während den Sommermonaten ist die Freizeit an einem kleinen Ort. Täglich ist er über 200 km mit dem Auto zu den Kunden unterwegs. 

20 Franken pro Stunde

«Es ist mir wichtig, dass die Leute keine Nummern werden.» So habe er in den Wintermonaten schon viele in ihrer Heimat besucht. Motivation und Anreiz geht auch über den Lohn: Wer Auto fahren kann oder wer eine Gruppe führt, verdient mehr, bis etwas über 20 Franken die Stunde. «Dem Kunden verrechnen wir 270 Franken pro Teamstunde.»

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE