22.02.2020 09:35
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Pflanzenbau
Erst güllen, wenn das Gras wächst
Grundsätzlich darf während der Vegetationsruhe nicht gegüllt werden. Wird es aber langsam warm, weicht diese Regel auf. Mit Checklisten kann man abschätzen, ob die Voraussetzungen zum Güllen erfüllt sind.

Die Temperaturen sind frühlingshaft. Vereinzelt wurde schon Mist geführt, viele warten darauf, Gülle auszubringen.   

Grundsätzlich sollte erst mit dem Güllen begonnen werden, wenn die Vegetation die Nährstoffe auch aufnehmen kann – sprich, wenn das Graswachstum eingesetzt hat. Dabei ist das Ende der Vegetationsruhe definitionsgemäss erreicht, wenn die Tagesmitteltemperaturen 5°C erreichen und eine Woche anhalten (siehe Kasten). In der Vegetationsruhe darf aus rechtlicher Sicht nicht gegüllt werden. Allerdings sind die Tagesmitteltemperaturen nicht immer einfach einzuschätzen. 

Abchecken mit der Liste

Wer also unsicher ist, ob er nun schon das Fass anhängen soll, kann sich anhand von Checklisten absichern. Das Amt für Landwirtschaft und Natur des Kantons Zürich hat eine solche  Checkliste für das «Ausbringen von Gülle und Mist im Winter» erstellt. Die Liste führt durch die wesentlichen Punkte, die bei der Ausbringung von Hofdünger im Winter berücksichtigt werden müssen. Bei der Bejahung von mindestens einem der folgenden Kriterien ist der Gülleneinsatz untersagt, da ein zu grosses Abschwemmungs- oder Auswaschungsrisiko besteht: 

  • Ist der Boden wassergesättigt? Unter diesen Umständen ist der Boden nicht saugfähig, da die Poren mit Wasser gefüllt sind. Der Boden fühlt sich breiig an und ist leicht knetbar. 
  • Ist der Boden gefroren? Ein Schraubenzieher lässt sich an mehreren Stellen der Parzelle mit der flachen Hand nicht in den Boden stossen.
  • Ist der Boden schneebedeckt? Eine geschlossene Schneedecke ist vorhanden, der Schnee bleibt länger als einen Tag liegen. 
  • Gibt es starke oder anhaltende Niederschläge? Intensiv-Niederschläge (über 20mm in 24 Stunden) sind vor ein bis zwei Tagen erfolgt, dauern an oder sind in weniger als drei Tagen zu erwarten. 

Können alle Punkte verneint werden, steht dem Hofdüngeraustrag grundsätzlich nichts im Weg – sofern man bei der Wahl der Parzellen mit Bedacht vorgeht und die Güllemenge den Boden- und Kulturverhältnissen anpasst. 

-> Hier gehts zur Checkliste

Weniger Verluste

Wichtig ist in erster Linie, dass man die richtigen Flächen auswählt: Zuerst sollten die Parzellen gegüllt werden, die nicht am Hang oder an einem Gewässer liegen, nicht drainiert sind, eine gute Bodenbeschaffenheit und ein intaktes Wurzelwerk aufweisen und früh genutzt werden. Das sind in der Regel Frühlingsweiden  oder Wiesen in frühen, wüchsigen Lagen, aber auch Kulturen, die mit Folie gedeckt werden.

Ein frühes Güllen hat auch Vorteile. So führt die rasche Stickstoffumwandlung bei Vegetationsstart zu weniger Ammoniakverlusten, und mit dem Einsatz von Hofdüngern vor Ende der Vegetationsruhe kann eine bessere Effizienz in Grasland, Raps und Getreide erreicht werden.

Vegetationsruhe

Die Vegetationsruhe umfasst denjenigen Zeitraum des Jahres, in dem die Pflanzen fotosynthetisch nicht aktiv sind, also nicht wachsen, nicht blühen und nicht fruchten. Einen Nährstoffbedarf haben die Pflanzen in dieser Zeit nicht. Die Vegetationsruhe  endet, wenn der siebte nacheinanderfolgende Tag eine Tagesmitteltemperatur von mindestens 5°C aufweist. Für die Berechnung des Tagesmittels werden die über 24 Stunden gemessenen Temperaturwerte gemittelt. Diese Definition ist amtlich abgesegnet. sum


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