24.06.2020 18:03
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Umfrage
IPS-Getreide: Sind Sie für Umstellung?
Die Abnahme von 85’000 Tonnen IP-Suisse-Getreide durch die Migros ist bis 2028 gesichert. Ab 2023 aber zu 100% Pflanzenschutzmittel frei. Was halten Sie von dieser Umstellung bei diesem Label-Getreide? Abstimmen und mitdiskutieren

Die Migros verkauft das Label-Getreide in ihren Läden unter der Marke «Terra Suisse». Jährlich werden 85’000 Tonnen Brotgetreide zu Backwaren und Broten verarbeitet. Bauern, die in diesen Kanal Brotgetreide liefern, verzichten seit 20 Jahren auf den Einsatz von Fungiziden, Insektiziden und Halmverkürzern.  

Echo auf Kundenwunsch

Nun verschärft die nach eigenen Angaben grösste Abnehmerin von Getreide im Schweizer Markt die Anbauvorschriften für die Landwirtinnen und Landwirte. Bis im Jahr 2023 sollen auch der Einsatz von Herbiziden und die Beizung des Saatguts verboten werden. Herbizide sollen durch eine mechanische Unkrautbekämpfung ersetzt werden. 

Begründet wird die Verschärfung mit einem Kundenbedürfnis und der Selbstverpflichtung. Zudem kann sich die Migros dadurch von Mitbewerbern abheben. Die Umstellung erfolgt nicht auf einen Schlag, sondern ist in vier Phasen unterteilt. 

Kontinuierlicher Mengenaufbau

Damit wird ein kontinuierlicher Mengenaufbau angestrebt. 2019 wurden bereits 6000 Tonnen Weizen aus komplett pestizidfreiem Anbau geerntet. Die Ernte 2020 soll 8500 Tonnen einbringen, 2021 25000 Tonnen, 2022 51000 Tonnen und 2023 soll schliesslich die gesamte Vertragsmenge von 85000 Tonnen ohne Pflanzenschutzmittel angebaut werden.

IP-Suisse schreibt in einer Mitteilung, dass die Umstellung eine grosse Herausforderung sei. «Sie verlangt von allen, insbesondere von den Landwirten, mehr Aufwand bei der Unkrautbekämpfung, mehr Flexibilität und eine erhöhte Risikobereitschaft. Die IP-Suisse ist aber überzeugt, dass sich dieser Aufwand langfristig lohnen wird», hält Geschäftsführer Fritz Rothen fest. 

Anbau langfristig sichern

Mit einer erfolgreichen Umsetzung könne der Brotgetreideanbau in der Schweiz langfristig gesichert werden.  Landwirte, die sich für den Anbau von Brotgetreide ohne Pflanzenschutzmittel-Einsatz entscheiden, wird nebst der IP-Suisse-Prämie eine zusätzliche Prämie von 10 Franken pro 100 Kilogramm Getreide ausgerichtet.  

Bei der Migros spricht man ebenfalls von einem grossen Schritt. «Es ist ein grosser Schritt, den wir mit allen Partnern der Wertschöpfungskette gehen und bestmöglich unterstützen. Wir danken den Bauern für ihren Mut und ihre Überzeugung», lässt sich Tobias Eugster, Leiter Business Unit Brot- und Backwaren bei Jowa und Projektverantwortlicher, in der Mitteilung zitieren.

User diskutieren kontrovers

Die User auf schweizerbauer.ch haben die Umstellung auf eine Produktion ohne Pflanzenschutzmittel, Migros und IP-Suisse nennen es «pestizidfreies Getreide», kontrovers diskutiert. 

«Nicht das erste Mal, dass die Migros so ein Programm startet. Mit Striegeln bringt man viel hin. Probleme werden mit der Zeit die Gräser machen. Die Frage ist, welche Prämie die Migros langfristig bezahlt. Wenn sie 25 Fr/100 kg mehr zahlen, werden sie ihren Weizen bekommen», schreibt Ueli Keller.

«Die IP-Suisse ist schon lange der verlängerte Arm der Migros. Die Bauern werden nur noch zu Werbezwecken verwendet», hält User Freidenker fest.

«Damit ökologisch, ohne synthetische Pflanzenschutzmittel (PSM) produziert werden kann, muss sich das ganze Ökosystem des Betriebes während Jahren vorbereiten. Wird nur in einem Glied der Fruchtfolgefläche auf PSM verzichtet, vermehren sich Krankheiten und Schädlinge, wie sie in Bio nicht auftreten würden. So entstehen unnötige Ertragsverluste», mahnt IPS-Beobachter an.

User IP-Suisse-Bauer schreibt, die Teilnahme beim Label sei ja freiwillig. «Es muss niemand mitmachen, wer nicht will produziert konventionell oder Bio. Und gegenüber Bio kann weiterhin mineralischer Dünger eingesetzt werden», hält er fest. 

«Ihr alle da draussen: habt Mut zum Umdenken, denn es wird früher oder später sowieso eintreten», hält IP-Suisse-Käfer fest.

Nun sind Sie an der Reihe, liebe Leserinnen und Leser. Was halten Sie von dieser Umstellung auf eine Pflanzenschutzmittel freie Getreideproduktion bei IP-Suisse und der Migros? 

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