13.02.2020 06:33
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Gülle
SBV gegen Schleppschlauch-Pflicht
Der Bundesrat will die Ammoniakemissionen deutlich reduzieren. Deshalb muss ab 2022 die Gülle mit Schleppschlauch ausgebracht werden, Güllekasten müssen zudem dauerhaft abdeckt sein. Der Schweizer Bauernverband lehnt gegen das Obligatorium gewehrt.

Der Bundesrat hat am Mittwoch Änderungen an drei Verordnungen im Umweltbereich genehmigt. Eine davon betrifft die Landwirtschaft. Der Umgang mit Gülle ist in der Luftreinhalte-Verordnung (LRV) neu geregelt.

Ammoniak: 90 Prozent von Landwirtschaft

Beim «Bschütte» treten ab dem 1. Januar 2022 neue Vorschriften in Kraft treten. Das Ausbringen der Gülle mit dem Schleppschlauch wird obligatorisch, wo es topografisch möglich ist. Wie der Bundesrat in einer Mitteilung schreibt, stammen über 90 Prozent der schweizweiten Ammoniakemissionen stammen aus der Landwirtschaft, ein Grossteil entfällt dabei auf die Gülle. Nun sollen die Emissionen weiter gesenkt werden. Die soll mit der Schleppschlauch-Pflicht und mit der dauerhaften Abdeckung von Güllekästen erreicht werden.

Das Obligatorium ist bei den Bauern sehr umstritten. Zwei nicht-repräsentative Umfragen von März 2019 und Januar 2020 auf schweizerbauer.ch zeigen ein deutliches Bild. 78 Prozent der insgesamt 3800 Teilnehmenden lehnen eine Schleppschlauch-Pflicht ab. 

SBV: Schaden für Bauern enorm

Gegen ein Obligatorium hat sich auch der Schweizer Bauerverband (SBV) entschieden gewehrt. «Entsprechend frustriert sind wir nun über den Entscheid des Bundesrats. Der Schleppschlauch ist bei weitem nicht die einzige Möglichkeit, um Gülle emissionsarm auszubringen und er eignet sich nicht für alle Regionen und schon gar nicht für Hanglagen», teilt der SBV am Mittwochabend gegenüber Schweizer Bauer mit. 

Für den SBV gibt es keinen Grund, dass derzeitige Anreizsystem zu ändern. Dieses habe dazu geführt, dass der Schleppschlauch dort eingesetzt wurde, wo es möglich ist. Mit dem Obligatorium befürchtet Verband eine massive Verschlechterung für die Schweizer Bauern: «Der Schaden und die Kosten für die Landwirtschaft sind mit einem Obligatorium enorm. Das scheint den Bundesrat aber nicht zu kümmern.» Der SBV wird nun das weitere Vorgehen prüfen.

Bund: Erfolgreich erprobt

Beim Bund sieht man das freilich anders. «Die emissionsmindernde Ausbringung von Gülle ist erfolgreich erprobt und entspricht dem Stand der Technik», heisst es dort. Der Schleppschlauch ist ab dem 1. Januar 2022 bis zu einer Hangneigung von 18 Prozent grundsätzlich anzuwenden. «Damit insbesondere kleine Betriebe nicht übermässig belastet werden, sind Betriebe von der Pflicht zur emissionsmindernden Gülleausbringung befreit, wenn die Fläche mit einer Hangneigung bis 18 Prozent weniger als 3 Hektare beträgt», heisst es im Bericht des Bundes.

Als geeignete Verfahren gelten die bandförmige Ausbringung mit Schleppschlauch- oder Schleppschuhverteilern, das Schlitzdrillverfahren mit offenem oder geschlossenem Schlitz sowie die Ausbringung mit Breitverteilern im Ackerbau, sofern die ausgebrachten flüssigen Hofdünger innerhalb von wenigen Stunden in den Boden eingearbeitet werden. 

Nationalräte hingerfragen Schleppschlauch-Pflicht

Die Nationalräte Marcel Dettling (SVP/SZ), Martin Haab (SVP/ZH) und Andreas Gafner (EDU/BE) hinterfragen das Obligatorium für den Schleppschlauch und haben im Dezember 2019 entsprechende Vorstösse lanciert.

Marcel Dettling hält in seiner Interpellation fest, dass das Obligatorium neben möglichen Vorteilen betreffend Ammoniakemissionen vor allem auch grosse negative Begleiterscheinungen hätte. Er denkt an den höheren Bodendruck sowie an eine Erhöhung des CO2-Ausstosses, weil Güllefässer mit Schleppschlauch in der Regel schwerer seien als solche ohne. 

Martin Haab verweist in seiner Interpellation auf die theoretische Annahme, dass mit dem Schleppschlauch die Ammoniakemissionen beim Ausbringen der Gülle um bis zu 35% reduziert werden. Bei Ammoniakprojekten, die zwischen 2008 und 2018 in 21 Kantonen durchgeführt worden seien, fehle dieser Nachweis bei den angeordneten Messungen,

Andreas Gafner reichte eine Interpellation zum Thema Schleppschlauch ein. Er will vom Bundesrat wissen, ob die Wirksamkeit des Schleppschlauches mit «fundierten» Zahlen belegt werden kann. «Zwischen Praxis und Theorie gibt es eine Diskrepanz», schreibt er.  Die schweren Maschinen würden aber den Bodendruck erhöhen und somit die Bodenverdichtung fördern. sal

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