13.07.2020 08:43
Quelle: schweizerbauer.ch - mgt/blu
Nischenproduktion
Trendlebensmittel als neue Option?
Einst galt er als «Arme-Leute-Essen», heute ist Buchweizen ein trendiges Lebensmittel, das mehr und mehr Anhänger findet. Doch auch aus ökologischer Sicht ist Buchweizen interessant, denn er gilt als ideale Insektenweide zu einem Zeitpunkt, wenn die meisten anderen Ackerpflanzen schon verblüht sind.

«Die Pflanze stellt wenig Ansprüche an den Boden und kann wegen ihrer kurzen Vegetationszeit und eines potenziell möglichen späten Saattermins als Zweitkultur angebaut werden», sagt Simone Graeff-Hönninger von der Arbeitsgruppe Anbausysteme und Modellierung der Universität Hohenheim. Buchweizen zähle zu den vielversprechenden Pflanzenarten, die für einen Anbau in Mitteleuropa geeignet sein könnten, fährt sie fort.

Ernteertrag relativ gering

Der Buchweizen ist aber kein Getreide, sondern gehört zu den so genannten «Pseudogetreiden». So werden Körnerfrüchte bezeichnet, die ähnlich wie Getreide verwendet werden können, aber nicht von Süssgräsern wie die herkömmlichen Getreidearten Weizen oder Gerste abstammen. Buchweizen ist ein Knöterichgewächs und bildet kleine dreikantige Früchte aus, die an Bucheckern erinnern und ihm zu seinem Namen verholfen haben.

Bis ins 19. Jahrhundert war Buchweizen bei uns weit verbreitet und zählte zu den Grundnahrungsmitteln. Doch im Zuge der zunehmenden Intensivierung der Landwirtschaft nahm seine Anbauwürdigkeit immer mehr ab. Der Anbau rentierte sich für den Landwirt nicht mehr, denn der Ernteertrag ist relativ gering: «Pro Hektar werden etwa 20-25 dt/ha geerntet, also im Schnitt halb so viel wie bei einem Sommerweizen», erklärt Graeff-Hönninger.

Buchweizen fördert die Artenvielfalt

«Dabei kann Buchweizen einen wichtigen Beitrag für den Erhalt der Artenvielfalt leisten», so Claus-Peter Hutter von der Umweltakademie Stuttgart. «Er blüht relativ spät und lang ab Mitte Juni bis weit in den Juli und ist deswegen für Insekten eine Nahrungsquelle zu einem Zeitpunkt, zu dem die meisten anderen Kulturarten schon verblüht sind.» So wird die Vielfalt von nützlichen Insekten in der Landwirtschaft deutlich erhöht: Verschiedene Studien zeigen, dass auf Buchweizenfeldern insgesamt bis zu 60 verschiedene Arten aus 16 Insektenfamilien beobachtet werden können.

Trotz dieser Erkenntnisse ist die landwirtschaftliche Nutzung in Mitteleuropa sehr gering. Im Laufe der Zeit ist viel Wissen verloren gegangen, angefangen bei der Auswahl geeigneter Sorten über die Düngung bis hin zur Ernte. Diese Wissenslücken wollen Friedrich Longin und Simone Graeff-Hönninger auffüllen.

Grundlagen für rentable Nutzung schaffen

Gleichzeitig soll regelmässig beobachtet werden, wie viele und welche Insektenarten die Buchweizenblüten besuchen. «Wenn es gelingt, dass Buchweizen in Zukunft wieder mehr angebaut wird, dann trägt das auch dazu bei, die Biodiversität in der Agrarlandschaft zu erhöhen und die Nahrungsversorgung der Insekten gerade im Sommer zu verbessern», sagt Klaus Wallner von der Landesanstalt für Bienenkunde.

In ihrem Forschungsprojekt möchten die Forscher deshalb ein Anbausystem für Buchweizen entwickeln. Dazu werden die Auswirkungen verschiedener Aussaattermine und Stickstoffdüngungsstufen auf Ertrag, Bestandsentwicklung, Blühdauer, Standfestigkeit sowie auf Qualitätsmerkmale wie Kornform und -grösse sowie wertgebende Inhaltsstoffe erfasst. Die Buchweizenproben werden anschliessend vermahlen und das Mehl für entsprechende Backversuche zur Verfügung gestellt.

Buchweizen als Zweitkultur

Wichtig für einen rentablen Anbau ist auch die richtige Sortenwahl, denn hier gibt es beim Buchweizen grosse Unterschiede. «So existieren z. B. Sorten, die immer weiter wachsen und neue Blüten bilden», erklärt Longin. «Entsprechend werden auch ihre Früchte unterschiedlich reif, was sie für die landwirtschaftliche Nutzung kompliziert macht, weil es keinen optimalen Erntezeitpunkt gibt. Ideal sind Sorten, bei denen alle Blüten gleichzeitig blühen und somit auch die Früchte gleichzeitig reif sind», so Longin weiter.

Ziel ist die Züchtung von Sorten, die an die klimatischen Bedingungen von Süddeutschland angepasst sind und hohe Erträge bringen. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass es für den Landwirt durchaus interessant sein kann, Buchweizen als Zweitkultur anzubauen. Er stellt zwar wenig Ansprüche an den Boden, ist jedoch sehr kälteempfindlich.

Kurze Vegetationsdauer

«Eine Aussaat im Juni, wenn die ersten Kulturarten abgeerntet sind, könnte ideal sein. Buchweizen hat eine kurze Vegetationsdauer, so dass er bereits im September geerntet und anschliessend der Acker wieder für Aussaat von Winterkulturen genutzt werden kann», erläutert Graeff-Hönninger. «Der Landwirt kann so ein und dasselbe Feld mit zwei Kulturen innerhalb eines Jahres bewirtschaften und muss nicht alleine vom Buchweizenertrag leben».

«Wir untersuchen deswegen, inwieweit eine spätere Aussaat, also Mitte Juni im Vergleich zu Mitte Mai, zu Ertragsverlusten und Reifeverzögerungen im September führt», ergänzt Longin. 

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