18.09.2019 14:00
Quelle: schweizerbauer.ch - jul
Bern
Inkakorn aus dem Kanton Bern
Michael Kipfer aus Stettlen BE wollte mehr aus seinem Betrieb, deshalb setzt er seit zwei Jahren auf die Nischenkultur Quinoa. Am Lebensmittel-Festival Kulinata in Bern will er Konsumenten davon überzeugen.

Es ist ein heisser Spätsommerabend. Die Sonne strahlt von einem hellblauen Himmel auf die sattgrünen Wiesen. Am Horizont sieht man die Stockhornkette. Schräg dahinter erahnt man Eiger, Mönch und Jungfrau. 13 Simmentaler und Rätisches Grauvieh mit Kälbern grasen unter den Obstbäumen vor einem stattlichen Berner Bauernhaus und Stöckli. Weit weg sieht man die Hochhäuser Berns. Hier ist es sehr idyllisch, sehr schweizerisch.

Untypische Kultur

Nur etwas ist nicht  ganz typisch für diese Gegend. Ein Feld, auf dem eine exotische Pflanze wächst. Quinoa. Die Pflanze, auch Inkakorn genannt, stammt aus Südamerika. Sie wird seit 6000 Jahren hauptsächlich in Peru und Bolivien angebaut. In der Schweiz ist sie noch nicht gross verbreitet. Michael Kipfer, der Landwirt, der in dem Bauernhaus in Stettlen BE wohnt, entschied vor zwei Jahren, diese Kultur anzubauen.

«Wir haben einen 12,5 Hektaren grossen Biobetrieb. Mein Vater hilft viel auf dem Hof und ich gehe noch teilzeitlich als Zimmermann arbeiten, neben Landwirt mein zweiter Beruf.  Ich würde  aber gern mehr bauern. Deshalb setze ich neben den Saatkartoffeln und dem Speisehafer auf eine Nischenkultur. Damit kann ich den Betrieb etwas intensiver machen», erzählt er.

Er besuchte einen Innovationsworkshop des Berner Bauernverbands und kam dort auf die Idee, Quinoa anzubauen. Letztes Jahr, in seinem ersten Jahr, funktionierte es extrem gut. Die Trockenheit und Wärme kamen ihm entgegen. Normalerweise rechnet man bei Bio-Quinoa mit einem Ertrag von 500 Kilo pro Hektare. Auf seinen 50 Aren hat er diesen Ertrag im ersten Jahr  deutlich überschritten. Das wird dieses Jahr anders. Die klimatischen Verhältnisse waren heuer dem Quinoa nicht zuträglich.

Das Unkraut wuchs besser als die eigentliche Kultur, und Kipfer ist froh, wenn er dieses Jahr überhaupt  auf den erwartbaren Ertrag kommt. «Das gehört aber wohl dazu. Ich muss auch damit rechnen, dass ich einmal gar nichts ernten kann, wenn es im September, während der Erntesaison zu feucht ist, kann ich nicht dreschen, sonst verkleben die Samen alles», sagt der Bauer. Solche Risiken gehe man ein, wenn man Neues ausprobiere. 

Wenn es aber erwartungsgemäss funktioniere, lohne es sich. Er sät mit einer speziellen Maschine eines Kollegen, dreschen kann er mit einem normalen Drescher, und um die Samen von jenen des Unkrauts zu trennen, kann er eine Maschine des befreundeten Bauers und Quinoa-Pioniers im Kanton Bern, Stefan Brunner, benutzen.

Lohnende Gespräche

Danach verkauft er das Quinoa über seine Internetseite oder direkt ab Hof, zudem beliefert er verschiedene kleine Läden in der Region und die Biofarm.  Und am kommenden Samstag ist er an der Kulinata. Sozusagen einem Festival der Lebensmittel auf dem Bahnhofplatz in Bern. Besucherinnen und Besucher erhalten dort Einblick in die Herstellung verschiedener Lebensmittel. Sie kommen mit Produzenten und Verarbeitern ins Gespräch.

«Für mich sind solche Anlässe sehr wichtig. Ich muss zwar etwas Zeit investieren, aber es lohnt sich. Ich möchte die Leute auf den Wert regionaler Produkte hinweisen. Gerade beim Quinoa ist das von grosser Bedeutung. Kaufen wir es hier in den grossen Supermärkten, ist es normalerweise aus Südamerika importiert.  Das ist ökologisch nicht sinnvoll. Zudem ist Quinoa für die Menschen in Peru und Bolivien ein Grundnahrungsmittel. Seit es in Europa beliebt wurde, ist der Preis dafür dermassen gestiegen, dass es sich viele Einheimische nicht mehr leisten können und im schlimmsten Fall Hunger leiden», erzählt Kipfer. Das könne man verhindern, indem man hiesige Lebensmittel kaufe.

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