7.02.2020 14:56
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Forschung
Mehr Pflanzenarten, mehr Umsatz
Wachsen auf Wiesen und Weiden mehr Pflanzenarten, zahlt sich das für den Landwirt aus. Er kann höhere Umsätze realisieren. Zu diesem Schluss kommt ein Forschungsteam aus den Agrarwissenschaften, der Ökologie und der Ökonomie an der ETH Zürich.

Artenreiches Grasland zu erhalten oder wiederherzustellen, rechnet sich für die Bauern. Die ökonomischen Mehrwerte der Artenvielfalt haben die Forscher in einem Grasland-Experiment für verschiedene Bewirtschaftungsintensitäten quantifiziert. Die Wissenschaftler haben die Deutlichkeit der Resultate so nicht erwartet.

Mehr Ertrag

Wachsen auf der Wiese 16 Pflanzenarten statt nur eine, bleibt die Futterqualität des Heus zwar mehr oder weniger gleich, aber der Ertrag wird grösser. Das erzielbare Einkommen aus dem Milchverkauf steigt. «Wir zeigen damit, dass die Artenvielfalt ein ökonomisch relevanter Produktionsfaktor ist», sagt Robert Finger, ETH-Professor für Agrarökonomie und Agrarpolitik.

Die Resultate zeigen, dass sich der Artenreichtum auf allen Wiesen ökonomisch positiv auswirkt, egal, ob sie nur einmal oder viermal im Jahr gemäht und gedüngt werden. Bei intensiverer Bewirtschaftung sei es allerdings schwierig, die Artenvielfalt hoch zu halten, weil nur wenige Pflanzenarten das Düngen und häufige Mähen ertragen, erklärt Doktorand Sergei Schaub.  

Schweizer Bauern nutzen Effekt

Die Forscher stützten sich bei ihren Arbeiten auf die Daten des langjährigen Jena-Experiment. So konnten die unterschiedlichen Bewirtschaftungsweisen am gleichen Standort verglichen werden.

Schweizer Bauern würden im Vergleich zu ihren Berufskollegen aus anderen Ländern diesen ökonomischen Effekt bereits nutzen, hält Robert Finger fest. Im Allgemeinen seien die Futterwiesen in der Schweiz bereits relativ artenreich, da es auch lokal angepasste Saatgutmischungen gebe.

Biodiversität ist Risikoversicherung

Nebst dem höheren Ertrag hat die Artenvielfalt noch einen weiteren, ökonomischen Effekt. «Die Biodiversität ist auch eine Art Risikoversicherung», erklärt Nina Buchmann, Professorin für Graslandwissenschaften der ETH Zürich, in der Mitteilung der Hochschule. Denn artenreiche Grasländer stecken Extremereignisse wie Dürren oder Überschwemmungen besser weg. 

Dies deshalb, weil verschiedene Pflanzenarten unterschiedlich auf solche Umwelteinflüsse reagierten und so Ausfälle teilweise kompensierten. «Die Erträge werden über die Zeit stabiler», so Buchmann. Dies hat das Forschungsteam kürzlich in anderen Studien zeigen können.

Win-Win-Situation

Für die Forschenden sind die Resultate ein eindeutiger Hinweis, dass es sich für Landwirte eine grössere Pflanzenvielfalt auf den Wiesen und Weiden lohnt. «Artenreiches Grasland zu erhalten oder wiederherzustellen, kann zu einer Win-Win-Situation führen», merken die Forschenden an. 

Denn es würden nicht nur die Erträge und die Betriebsumsätze steigen, sondern auch wichtige Ökosystemdienstleistungen wie etwa die Bestäubung oder die Wasserqualität gestärkt und gefördert.

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