21.10.2019 07:01
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Pflanzenschutz
Bienentod: Fenaco bedauert Verkauf
Ein mit einer illegalen Substanz verunreinigtes Spritzmittel aus der Landi hat Hunderttausende Bienen in der Schweiz getötet, berichtete die «SonntagsZeitung». Am Sonntagabend meldete sich die Fenaco. Sie bedauert die Inverkehrsetzung ausserordentlich. Der Agrarkonzern stellt den Rückruf sicher.

Ein Aargauer Imker hatte kürzlich der Polizei gemeldet, dass seine 24 Bienenvölker auf mysteriöse Weise innert Tagen gestorben seien, berichtet die «SonntagsZeitung».

Ahnungslose Landwirte

Die Substanz befand sich als unerkennbare Beimischung in dem legalen und eigentlich unproblematischen Insektizid Pirimicarb, das Fenaco in ihren Agrar-Zentren verkauft. Ein ahnungsloser Landwirt hatte es gemäss «SonntagsZeitung» in einem solchen Zenter gekauft und auf seinen Äckern zur Bekämpfung von Blattläusen eingesetzt. Dass er damit ein Bienensterben in seiner Nachbarschaft auslöst, konnte er nicht ahnen.

Zuerst fühlte sich niemand für einen Rückruf verantwortlich, schrieb die «SonntagsZeitung». Das warf kein gutes Licht auf das Bundesamt für Landwirtschaft, aber auch auf die Fenaco. Die Landi als Wiederverkäuferin nahm gegenüber der «SonntagsZeitung» die Erstvertreiberin in die Pflicht. Am Sonntagabend meldete der Agrarkonzern Fenaco dann, dass er sich aktiv an der Rückrufaktion von «Pirimicarb 50 WG» beteiligt. Das Unternehmen teilt zudem sein Bedauern mit, «dass unwissentlich eine verunreinigte Charge des an sich sicheren und bewährten Pflanzenschutzmittels in Verkehr gesetzt wurde».

«Schutz der Bienen zentral»

Die Fenaco verkaufe «Pirimicarb 50 WG» ausschliesslich an professionelle Anwender. Das Produkt gelange nicht in den Detailhandel und somit nicht in die Hände von Hobbygärtnern und Laien. «Dank unserem digitalen Kundenmanagementsystem kennen wir sämtliche Käufer von », teilt die Fenaco mit. 

«Diese wurden persönlich kontaktiert und sofort um die Rücksendung allfällig noch vorhandener Restposten der betroffenen Charge gebeten», lässt sich Heinz Mollet, Leiter der Division Agrar bei der Fenaco, zitieren. Man bedauere den Vorfall und den Tod von Bienenvölkern ausserordentlich. «Der Schutz von Bienen ist für uns zentral. Sie sind für die Landwirtschaft sehr wichtige Nützlinge», so Mollet. 

Fenaco verkaufte 1308 Einheiten

Gemäss eigenen Angaben hat die Fenaco 2017 1308 Einheiten à 500 Gramm der kontaminierten Charge «Pirimicarb 50 WG» bezogen und seither abverkauft. Davon haben Käufer bis zum jetzigen Zeitpunkt rund 60 Einheiten zurückgeschickt. Bezogen hat die Fenaco die Charge von Sintagro AG mit Sitz in Langenthal. Dies sei eine etablierte und zuverlässige Schweizer Firma, hält die Fenaco fest.

Zum indischen Hersteller Sharda Cropchem Limited unterhalte die Fenaco keine Geschäftsbeziehung. Beim Kauf von «Pirimicarb 50 WG» sei Fenaco davon ausgegangen, dass ein vom Bundesamt für Landwirtschaft zugelassenes Produkt bei einem Schweizer Importeur gekauft werde, dessen Herkunft den Schweizer Anforderungen entspreche.

Briefkastenfirma

Das Zürcher Kantonslabor geht von insgesamt 2000 Packungen aus. Diese Menge reicht zum Spritzen von 3300 Hektaren aus, schreibt die Zeitung. Das entspricht der Fläche von 180 Bauernhöfen oder 4700 Fussballfeldern. Das verseuchte Spritzmittel wurde von einer kaum bekannten indischen Chemiefirma Sharda Cropchem hergestellt. 

Die Bewilligungsinhaberin für den Verkauf in der Schweiz ist eine reine Briefkastenfirma mit dem Namen Sharda Swiss GmbH. Dieses Unternehme hat keine Mitarbeiter, schreibt die SonntagZeitung. Die Adresse lautet auf eine Zürcher Treuhandfirma. Die Bewilligung hatte das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) erteilt. 

Die Geschäftsführerin des Bienengesundheitsdienstes, Anja Ebener, fordert von den Kantonen bessere Kontrollen. Sie geht davon aus, dass in der Schweiz weit mehr Völker betroffen sind. Laut den Zürcher Chemiebehörden wird nun ein Strafverfahren eröffnet.

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