24.10.2020 10:44
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Pflanzenschutzmittel
«Das ist Ressourcenverschwendung»
Die IG BauernUnternehmen zeigte am Mittwoch, was das Verbot der Gaucho-Beizung bei den Zuckerrüben bewirkt. Vorstandsmitglied Fernand Andrey spricht von Ressourcenverschwendung, die das auslöse. Die IG fordert eine sofortige Wiederzulassung des Beizmittels für das Rübensaatgut, mindestens für eine beschränkte Zeit, bis resistente Sorten vorlägen.

Lars Nyffenegger aus Worben BE ist Rübenbauer in der vierten Generation. Die Zuckerfabrik Aarberg liegt nahe, er hat Freunde am Anbau der Zuckerrübe. Wenn aber das Beizmittel Gaucho nicht mehr zugelassen werde, steige er schon nächstes Jahr aus dem Rübenbau aus. Zu gross seien die Ertragsverluste, die ihm die Viröse Vergilbung beschere, die er zum grossen Teil auf die fehlende Gaucho-Beizung zurückführt. 

Ungeschützte Parzelle mitten im Dorf 

Nyffenegger hat bei der Aktion «Ungeschützt» der IG BauernUnternehmen mitgemacht und legte mitten im Dorf eine sogenannte Nullparzelle an, bei welcher er auf jeglichen Pflanzenschutz verzichtete, und stellte dazu ein Plakat der IG mit dem Titel «Ungeschützt». Dort haben die Hirsengräser die Rübenstauden überwuchert, es resultierten Mini-Rüben. Doch noch mehr als diese Nullparzelle sei er auf das stark gelb geprägte statt grüne Rübenfeld angesprochen worden, erklärte Nyffenegger. Das sei den Leuten stark aufgefallen. 

«Den Bauern verboten, an Hunden kein Problem»

Landwirt und Unternehmer Fernand Andrey aus Le Mouret FR ist Vorstandsmitglied der IG BauernUnternehmen, die schweizweit 600 Mitglieder zählt und sich für «eine rationelle, Lebensmittel produzierende und zukunftsgerichtete» Landwirtschaft einsetzt. Was auf dem Feld von Nyffenegger ablaufe, sei nichts anderes als «Ressourcenverschwendung».

Der zeitliche Aufwand für die Bewirtschaftung und der CO2-Ausstoss der Maschinen sei derselbe wie vor zwei Jahren, aber jetzt habe er fünfzig Prozent weniger Ertrag. Er wies auch darauf hin, dass der für die Landwirtschaft verbotene Wirkstoff Imidacloprid im Beizmittel Gaucho an Flohbändern für Hunde kein Problem sei. «Das andere Länder wie Frankreich den Wirkstoff zulassen und wir in der Schweiz Blumenwiesen ansäen und den Rest importieren, das kann es nicht sein», stellt Andrey im Interview mit schweizerbauer.ch klar.

Die Widersprüche von Bio 

Andrey sprach zur Eröffnung der Medienkonferenz 30 Minuten lang über die Widersprüchlichkeit der Agrarpolitik, der Konsumenten, der negativen Darstellung der nach den Richtlinien des Ökologischen Leistungsnachweises (ÖLN) produzierenden Schweizer Landwirtschaft. Es war eine Rede, welche die Schweizer Agrarpolitik in dieser Deutlichkeit bislang nicht gesehen hat. Er kritisierte Trinkwasser-Initiantin Franziska Herren für unqualifizierte Aussagen, sie erzähle «Stuss» und sei ihm davon gelaufen, als er gefragt habe, warum es denn nicht mehr Schweizer Bio-Raps gebe. 

Den Journalisten erklärte er, dass aktuell im Schweizer Biomarkt nur das gefragt sei, was agronomisch im Bio-Landbau nicht oder nur ganz schlecht funktioniere und darum unrentabel sei: Bio-Zuckerrüben und Bio-Raps. Von allem anderen gebe es derzeit genügend Bio-Ware, sagte Andrey. Lesen Sie mehr über die Kritikpunkte von Andrey am Schweizer Bio-Landbau im «Schweizer Bauer» vom Samstag. 

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