4.06.2020 18:00
Quelle: schweizerbauer.ch - rup
Lebensmittel
Importierte Pestizidbelastung
Laut einer Untersuchung des Magazins «K-Tipp» wurden im Urin von 30 Schweizern Wirkstoffe aus Pestiziden gefunden. Diese können nur teilweise von den Schweizer Bauern stammen, da viele davon hierzulande verboten sind.

«Bauern spritzen Pestizide – Konsumenten haben die Gifte auf dem Teller», so titelte das Konsumentenmagazin «K-Tipp» in einer Bildunterschrift in der Ausgabe vom 20. Mai.

In der Schweiz längst verboten

Der entsprechende Bericht basiert auf einer Untersuchung des Magazins «Gesundheitstipp», welches bei 30 Schweizern (jeweils zehn Männer, Frauen und Kinder) den Urin auf 60 Wirkstoffe prüfte, die in Pflanzenschutzmitteln vorkommen. Das Resultat: Bei jeder untersuchten Person wurden solche Wirkstoffe gefunden.

Alle Personen wiesen zwischen fünf und 17 von möglichen 60 Wirkstoffen auf. Im Magazin wurden schliesslich nur «die 28 gesundheitsgefährdendsten Wirkstoffe» publiziert. Das Brisante daran: Die meisten davon sind in der Schweiz längst verboten. 

Importierte Wirkstoffe

Dementsprechend verärgert war der Schweizer Bauernverband (SBV) über den Artikel. Der Beitrag sei irreführend. Der SBV dazu: «Der Artikel suggeriert, dass Schweizer Bauernfamilien die Konsumenten auf breiter Front und tagtäglich mit Pestiziden belasten.» Das sei falsch, denn «von diesen 28 Wirkstoffen sind genau sieben in der Schweiz auch bewilligt (siehe Kasten).»

Das Problem müsse also andernorts liegen und zwar beim Nahrungsmittelimport. Der SBV nennt dazu ein Beispiel: «In den Tropen können ohne Hilfe von Chlorothalonil kaum noch Bananen produziert werden». Der Grund dafür sei eine Pilzkrankheit, welche den Bananenanbau weltweit bedrohe. «Wir importieren dessen Rückstände also – trotz Verbot – munter weiter», sagt der SBV. 

Glyphosat – ein Thema

In der Studie wurde bei fast jeder dritten Person auch der viel thematisierte Wirkstoff Glyphosat gefunden. Die Bundesämter für Landwirtschaft und für Lebensmittelsicherheit verweisen im Artikel auf Studien, die dem Wirkstoff keine Gesundheitsgefährdung respektive kein Krebsrisiko zuschreiben. Deshalb bestehe kein Handlungsbedarf.

Diesbezüglich wurde im März eine Standesinitiative der Kantone Genf und Jura vom Ständerat abgeschmettert, welche den Schweizer Glyphosatausstieg besiegeln wollte. «Im Gegensatz zum Ausland ist bei uns die Behandlung der Kulturpflanzen verboten», weist der SBV auf Unterschiede im Einsatz hin. Dementsprechend seien laut dem Glyphosatmonitoring des Bundes die Schweizer Rohstoffe ohnehin frei von Rückständen, so der SBV. Österreich hat den Wirkstoff bereits ganz verboten, Deutschland ab 2023.

Grenzwert gefordert

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit definiert Höchstwerte für Pflanzenschutzmittel. Das Problem sehen Experten von Greenpeace und Pro Natura im «K-Tipp», wenn mehrere hohe Werte einzelner Pflanzenschutzmittel zusammenkommen. Deshalb bringt der «K-Tipp» einen Summenhöchstwert für Lebensmittel ins Spiel, ähnlich, wie dies bereits beim Trinkwasser der Fall sei.

Ob ein solcher Vorschlag auf politischer Ebene mehrheitsfähig ist, muss sich zuerst noch weisen. Für Nationalrätin Ruth Humbel (CVP/AG) ist jedoch klar: «Wenn für das Trinkwasser ein Summenhöchstwert gilt, sollte dies auch für Lebensmittel möglich sein.» Keinen Handlungsbedarf sieht das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit. Man gehe nach aktuellem Kenntnisstand nicht von einer Gesundheitsgefährdung durch Mehrfachrückstände von Pflanzenschutzmitteln aus.

Wirkstoffe

Die 21 untersuchten Wirkstoffe, die in der Schweiz nicht zugelassen sind: Naphthalin, Carbaryl, Parathion, Parathionmethyl, EPN, Permethrin, Cyluthrin, Pirimiphosethyl, Pirimiphosmethyl, Fenitrothion, Furathiocarb, Benfuracarb, Carbofuran, Carbosulfan, Fenthion, Cyhalothrin, Clothianidin; ab Juni 2020 verboten: Chlorpyrifos, Chlorpyrifosmethyl, Bifenthrin, Thiamethoxam. Die sieben untersuchten, aber in der Schweiz zugelassenen Wirkstoffe: Alpha-Cypermethrin, Deltamethrin, Glyphosat, Captan, Fenamiphos, Tefluthrin, Pirimicarb.

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