26.10.2020 07:12
Quelle: schweizerbauer.ch - khe
Obstbau
Äpfel verfaulen am Baum
Es gibt zu viele Äpfel auf dem Markt. Viele Bauern lassen die Früchte deshalb an den Bäumen hängen.

Noch nie ist der Ertrag so tief angesetzt worden, wie heuer. Pro 100 Kilo Mostäpfel erhalten Landwirte in diesem Jahr 26 Franken. Davon wird ein Rückbehalt abgezogen. Dieser fällt je grösser die gesamtschweizerische Erntemenge ist, je höher aus. 10.50 Franken beträgt er derzeit. Hinzu kommen Abzüge für Branchenwerbung und Ablieferung. 

Viele Bauern würden deshalb dieses Jahr  bei der Ernte drauflegen. So auch Landwirt Max Wartenweiler aus Häuslenen im Kanton Thurgau. "Würde ich die Früchte ernten, würde ich Gelde vernichten", sagt er gegenüber "Blick". Er hat sich deshalb entschieden, nur Saft für sein eigenen Hoflädeli zu produzieren. 20 Tonnen Obst lässt er an den Bäumen verfaulen.

Das wird beim Schweizerischen Obstverband nicht gerne gesehen. "Die Bauern betreiben Food Waste", sagt Sprecherin Beatrice Rüttimann zu "Blick", "das verurteilen wir". Die Mostereien in der Schweiz würden die Abnahme schliesslich garantieren. Selbst wenn die Lager schon voll seien. Trotzdem verstehe man die Bauern. Die Rekordernte 2018 hat alle Lager gefüllt. Seither sind die Lager meist schon vor der Ernte voll.

Zu den vollen Lagern kommt hinzu, dass die Nachfrage nach Apfelsasft sinkt. Zwischen 2011 und 2016 ist der Konsum um 16 Prozent eingebrochen. Der Obstverband versucht zwar mit neuen Produkten wie Cidre oder Schorle denn Absatz von Apfelsatz zu steigern. Trotzdem vermag sie die sinkende Nachfrage nicht zu stoppen. 

Zur Zunahme des Mostobsts hat auch die Föderung von Hochstammbäume geführt. Gemäss "Blick" zahlt der Bund rund 62 Millionen Franken für die Förderung von Hochstammbäumen den Bauern aus. Gepaart mit der sinkenden Nachfrage führt das zu einem Ungleichgewicht im Markt.

Die Richtpreise für Mostobst bleiben 2020 im Vergleich zum Vorjahr unverändert. Für Mostäpfel Suisse Garantie gilt ein Preis von 26 Fr./100 kg (spezial 33.-). Beim konventionellen Mostobst wurde der Richtpreis bei 24 Fr./100 kg (spezial 31.-), bei Bio-Mostäpfeln 33.- (spezial 39.-) festgelegt. Für Mostbirnen liegt der Richtpreis bei Suisse Garantie bei 23.-, bei Bio 33.- und bei der konventionellen Ware bei 21 Fr./100 kg.

Damit der Markt weiterhin entlastet werden kann und die Lagerbestände in diesem Jahr weiter abgebaut werden können, beschloss das Produktzentrum (PZ) Mostobst einen mengenabhängigen Rückbehalt. Angewendet wird das letztjährige Modell. Der Rückbehalt bei den Mostäpfeln startet bei 5.- Fr./ 100kg und steigt pro 5000 Tonnen kontinuierlich an. Bei den Mostbirnen startet der Rückbehalt mit 4.- Fr./100kg und steigt pro 500 Tonnen.

Das Rückbehaltssystem gibt vor, dass jene Mengen, die den Jahresbedarf sowie die Lagerreserve übersteigen, als frisches Mostobst, Konzentrat oder Fertigprodukt exportiert werden können. Die notwendigen Preisstützungen stammen gemäss Verband aus dem Mostobstfond. Mit dieser Branchenmassnahme soll die Übernahme der gesamten Ernte sichergestellt werden. 

Die Konzentrat-Lagerbestände waren schon zu Beginn des Jahres hoch. Durch die Schliessung der Gastronomie hat sich der Verkauf der Apfel- und Birnensaftprodukte nur zum Teil in den Detailhandel verlagert. Die Mostereien sehen seit der Wiedereröffnung der Ausflug- und Freizeitangeboten aber wieder eine langsame Normalisierung des Verkaufes. Die bis Ende Jahr bedingten Covid-Einbussen lassen sich aktuell noch nicht einschätzen.

Die gewerblichen Mostereien erwarten in diesem Jahr 71’493 Tonnen Mostäpfel (davon 3’095 Tonnen Bio, 68’398 Tonnen Suisse Garantie). Damit liegt diese um zwei Prozent unter dem Vierjahres-Durchschnitt. Bei den Mostbirnen erwartet der Verband eine Ernte von 7683 Tonnen. Im Tafelmarkt wird die Übermenge auf 16'153 Tonnen geschätzt. blu
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