29.01.2020 06:00
Quelle: schweizerbauer.ch - lid/blu
Aargau
Tunnel für Aprikosen müssen weg
Der Aargauer Regierungsrat hat eine Beschwerde von Pro Natura gegen Folientunnel für den Aprikosen-Anbau gutgeheissen. Die 120 Meter langen Folientunnel für die Produktion von Aprikosen im aargauischen Seetal müssen zurückgebaut werden.

Die Folientunnel in Egliswil und Seengen liegen in einer Landschaft von kantonaler Bedeutung, wie die Nachrichtenagentur SDA schreibt. Der Entscheid sei wegweisend für den Schutz von Ackerboden und gegen Plastik-Landschaften in geschützten Gebieten wie die des Hallwilersees, wird Pro Natura zitiert. 

Ziel waren 10 Hektaren

Die Landwirte hatten die Bewilligung für Folientunnel von den Standortgemeinden nach der notwendigen Rücksprache mit dem Kanton erhalten. Weil sie aber nicht im kantonalen Amtsblatt publiziert worden waren, mussten sie erneut und rechtskonform aufgelegt werden. Deshalb erhielt Pro Natura die Gelegenheit, die Gesuche zu prüfen. 

Nach Ansicht von Pro Natura konnten sich die betroffenen Landwirte auf die Bewilligungen verlassen. Deshalb müsse der Staat nun geradestehen, zitiert die SDA die Umweltorganisation. Die beiden Landwirte hatten je 50'000 Franken investiert. Die 600 Aprikosenbäume in den 120 Meter langen Folientunnel sollten bis in sechs Jahren zu einer Ernte von rund 9 Tonnen Aprikosen führen. Im Aargau soll die Anbaufläche in den nächsten vier Jahren auf 10 Hektaren verdreifacht werden.

Projekt mit Pioniercharakter

Finanzdirektor und «Landwirtschaftsminister» Markus Dieth (CVP) hatte im August 2018 das Projekt für die Aprikosen aus dem Folientunnel vor Ort den Medien vorgestellt. Dank der Direktvermarktung sollte ein grosser Teil der Wertschöpfung im Kanton bleiben. «Schweizweit grösste Aprikosenanbaufläche unter Folientunnel im Aargau», lautete der Titel der Medieneinladung damals.

Der Kanton hatte 2018 das Projekt unterstützt. 

Das Projekt hatte Pioniercharakter. Denn erstmals werden in der Schweiz Aprikosen im Folientunnel angebaut. "Darin können die Bäume bei einem Kälteeinbruch mit einer kleinen Heizung mit vertretbarem Aufwand frostfrei gehalten werden", sagte Daniel Schnegg vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg im April 2018.

Weniger Pflanzenschutzmittel

Auch der Pflanzenschutzmitteleinsatz sollte dank dem Tunnel sinken. Ein Insektenschutznetz hält die Schädlinge von den Früchten fern. In den rund 4,5 Meter hohen und 8 Meter breiten Folientunneln lässt sich die für die Aprikosen besonders problematische Feuchtigkeit besser kontrollieren und damit den Befall von Krankheiten reduzieren. "Dadurch kommen wir mit deutlich weniger Pflanzenschutzmittel aus", machte Schnegg deutlich.

Für den Obstbauexperten ist klar. Der Aprikosenanbau in grösserem Rahmen in dieser Region ist nur im geschützten Anbau möglich, um das Ausfallrisiko zu minimieren. 

Das grösste Problem beim Aprikosen-Anbau im Aargau ist die Feuchte. «Im Freilandanbau verursacht sie in unserer Gegend einen Ausfall von etwa 20 Prozent der Bäume. In den grossen Anbaugebieten im Wallis und in Frankreich liegt der Baumausfall nur bei etwa 5 Prozent», sagte Landwirt Urs Baur im Januar 2018 zur Aargauer Zeitung. Die beiden Bauern Robert Siegrist und Urs Bauer reisten deshalb mit Daniel Schnegg nach Deutschland an den Bodensee. Dort schauten sie sich die Tunnels an. Nun müssen die beiden Bauern ihre Tunnels wieder demontieren.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE