7.07.2020 15:40
Quelle: schweizerbauer.ch - mgt/blu
Forschung
Hier entsteht der Wald der Zukunft
Der Klimawandel stellt die Waldbesitzer vor grosse Herausforderungen, da sich die Standortbedingungen im Laufe der kommenden Jahrzehnte stark verändern werden. Welche Baumarten an welchen Standorten die Waldfunktionen auch unter veränderten Bedingungen nachhaltig erfüllen können, wird in den nächsten 30 Jahren erforscht.

Das Nachwachsen junger Bäume in den Wäldern findet heute mehrheitlich auf natürliche Weise durch sogenannte Naturverjüngung statt. Über Jahrhunderte findet dadurch eine genetische Auswahl statt, da sich immer nur die am besten den vorherrschenden Umweltbedingungen angepassten Individuen durchsetzen, schreibt der Kanton Graubünden in einer Mitteilung. 

Radikale Wechsel zeichnen sich ab

Unterschiedliche Bäume derselben Baumart können unterschiedliche Fähigkeiten aufweisen. Der Kanton nennt ein Beispiel: Eine Traubeneiche aus der Nordtürkei erträgt einen trockenen und heissen Sommer mit deutlich weniger Problemen als eine Traubeneiche aus dem Churer Rheintal, die in ihrem Leben genügend Niederschlag während der Sommermonate gewohnt war.

Während sich die Standortbedingungen für die Waldbäume in einigen Gebieten nur marginal verändern, zeichnen sich in anderen Gebieten aufgrund der sich verändernden Temperaturen und Niederschläge radikale Wechsel in der Baumartenzusammensetzung der Wälder ab. Über die Toleranz der einheimischen Bäumen gegenüber schnellen klimatischen Veränderungen ist noch nicht viel bekannt. «Es zeichnet sich ab, dass viele Baumarten zukünftig ihr heutiges Verbreitungsgebiet nicht mehr besiedeln können, dafür jedoch neue Gebiete einnehmen werden», heisst es in der Mitteilung weiter.

Testpflanzungen, um Wuchsverhalten zu untersuchen

Doch gemäss Mitteilung verfügen einheimische Baumarten über ein grosses Potential, sich anzupassen. «Wo dieses Potential in den vergangenen Jahrhunderten verloren gegangen ist, könnte mit Ergänzungspflanzungen dieser Baumarten aus anderen Regionen Europas nachgeholfen werden», heisst es weiter.

Deshalb werden in den kommenden Jahren mehrere Tausend Jungbäume auf Versuchsflächen gepflanzt. Deren Wachstum wird durch die Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) mitverfolgt und fortlaufend untersucht. Die Resultate können so in die Baumartenempfehlungen im Hinblick auf den Klimawandel einfliessen.

30 bis 50 Jahre beobachten

Um die Auswirkungen des Klimawandels auf einheimische Baumarten und Gastbaumarten zu untersuchen, entstehen in einem schweizweiten Projekt in den Jahren 2020 bis 2022 insgesamt 57 Testpflanzungen, in welchen 18 verschiedene Baumarten angepflanzt und ihr Wuchsverhalten an heute teilweise noch nicht besiedelten Standorten untersucht werden. Es werden dabei sowohl einheimische Baumarten (13 Arten), als auch sogenannte Gastbaumarten (5 Arten) gepflanzt. Gemäss WSL werden alle in der Schweiz vorkommenden biogeographischen Regionen und Höhenstufen beim Versuch berücksichtigt. Diese Flächen werden über 30 bis 50 Jahre beobachtet.

Innerhalb jedes Blocks kommen alle für die jeweilige Testpflanzung vorgesehenen Baumarten und Provenienzen einmal vor. Jede Baumart wird zufällig einem Plot zugeteilt, wobei die Anzahl Baumarten pro Testpflanzung und damit die Anzahl Plots variabel ist. Jeder Plot ist wiederum in 4 Subplots unterteilt, denen 4 der 7 Provenienzen zufällig zugeordnet werden. Jeder Subplot enthält 9 Einzelbäume einer Provenienz. Der grosse Gewinn des geplanten Projekts liegt im koordinierten Vorgehen, das Aussagen zum Gedeihen der Baumarten über grosse Umweltgradienten möglich macht, schreibt WSL.

Zukunftsfähige Bäume

Mit den 18 im Versuch berücksichtigten Baumarten werden gemäss WSL viele der Baumarten, die in den Schweizer Wäldern im Klimawandel als potenziell zukunftsfähig gelten, in den geplanten Testpflanzungen vertreten sein. Für die Baumarten des Kernsets sind belastbare Aussagen und Vergleiche über breite Umweltgradienten möglich, wogegen für die Baumarten des Ergänzungssets, die auf einer kleinere Anzahl Testpflanzungen gepflanzt werden, Aussagekraft und Vergleichbarkeit geringer sind.

Kernset (9 Arten)  Ergänzungsset (9 Arten)
Abies alba (Weisstanne) Acer opalus (Schneeballblättriger Ahorn)
Acer pseudoplatanus (Bergahorn) Acer platanoides (Spitzahorn)
Fagus sylvatica (Buche)  Cedrus atlantica (Atlaszeder)
Larix decidua (Lärche) Corylus colurna (Baumhasel)
Picea abies (Fichte)  Juglans regia (Nussbaum)
Pinus sylvestris (Föhre) Prunus avium (Kirschbaum)
Pseudotsuga menziesii (Douglasie) Quercus cerris (Zerreiche)
Quercus petraea (Traubeneiche) Quercus robur (Stieleiche)
Tilia cordata (Winterlinde) Sorbus torminalis (Elsbeere)

 

 

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