20.01.2020 13:44
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Grüne
«100% Bio-Landwirtschaft bis 2030»
Die Jungen Grünen Schweiz haben am Samstag ihr neues Parteiprogramm vorgestellt. Je ein Kapital davon ist der Landwirtschaft und der Ernährung gewidmet. Die Jungpartei will bis in 10 Jahren die Schweiz zum Bioland machen. Auch bei den Importen soll nur noch Bio erlaubt sein. Zudem fordern die Jungen Grünen eine Abgabe au tierische Lebensmittel.

Das neue Parteiprogramm der Grünen hat es in sich. Dieses fordert eine klimaneutrale Schweiz bis 2030, die Überwindung des Kapitalismus, 100 Prozent Bio-Landwirtschaft und ein Verbot von Massentierhaltung. Einfluss nehmen will die Partei auch auf die Ernährung der Bevölkerung. 

Ursache für das Artensterben

Ein wichtiges Thema für die Jungen Grünen ist die Landwirtschaft. Diese habe einen negativen Einfluss auf die Umwelt in der Schweiz und der ganzen Welt. Die Schweizer Landwirtschaft habe ihre Umweltziele nicht erreicht. Zudem seien die Gewässer mit zu vielen Pestiziden belastet und die meisten Böden durch die hohen Nutztierbestände überdüngt.

Die «intensive Landwirtschaft und die Massentierhaltung» seien die grösste Ursache für das Artensterben. Kritisiert wird auch die Nutztierhaltung. «Anders als es die Werbung und die Agrarlobby bewerben, haben in der Schweiz leider die meisten Nutztiere keinen regelmässigen Auslauf», halten die Jungen Grünen fest.

Lokal und saisonal

Deshalb will die Partei die Schweizer Landwirtschaft umstellen. «Eine nachhaltige, ökologische, faire und tiergerechte Landwirtschaft ist möglich und dringend notwendig», halten sie fest. So sollen Futtermittelimporte untersagt werden. Dazu sollen die Tierbestände reduziert werden. Auf synthetische Pestizide sowie Mineraldu¨nger soll verzichtet werden. Bis 2030 sollen nur nach dem Bio-Standard produziert werden dürfen.

Die Jungen Grünen streben eine Ernährungssouveränität an. Sie setzen sich für eine Kostenwahrheit für jegliche landwirtschaftliche Produkte ein. Zudem soll lokal und saisonal produziert werden. Die Anzahl Beschäftigen in der Schweizer Landwirtschaft soll steigen.

Sie haben mehrere Forderungen zur Landwirtschaft:

  • Die Nutztierbestände sollen so weit reduziert werden, dass keine Futtermittel mehr importiert werden müssen und die Anbaufläche für Futtergetreide reduziert wird.
  • Dass alle Nutztiere artgerecht gezüchtet, gehalten und ernährt werden 
  • Eine Landwirtschaft ohne synthetische Pestizide sowie Mineraldünger und das Anstreben möglichst geschlossener Nährstoffkreisläufen
  • Dass bis 2030 100% Biolandschaft betrieben wird. Die Bestimmungen gelten auch für alle Importe 
  • Die Förderung pflanzlicher, lokaler und saisonaler Nahrungsmittel 
  • Eine standortgerechte, ökologische und gentech-freie Produktion von vielfältigen und gesunden Nahrungsmitteln nach den Prinzipien der Agrarökologie 
  • Kostenwahrheit für jegliche landwirtschaftliche Produkte und Anstrengungen zur Erreichung der Ernährungssouveränität in der Schweiz und global 
  • Dass importierte Lebensmittel denselben Mindestanforderungen unterliegen wie inländische Produkte 
  • Erhöhung der Zahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft 
  • Den Schutz von Kulturland

Weniger Fleisch und Zucker

Doch nicht nur in der Landwirtschaft soll eine Umdenken stattfinden, sondern auch in der Ernährung. Die Jungen Grünen wollen mit Lenkungsabgaben Einfluss nehmen. «Heute verursacht die Nahrungsmittelproduktion einen Viertel der für den Klimawandel verantwortlichen Treibhausgasemissionen», schreibt die Partei. 

Der übermässige Konsum von tierischen Lebensmitteln ist gemäss der Partei zum grössten Teil verantwortlich für die weltweite Abholzung der Regenwälder, die treibende Kraft für die Ausbreitung toter Zonen in den Ozeanen und Hauptverursacher des Biodiversitätsverlusts und des Artensterbens.

Ins Visier geraten tierischen Produkte (Fleisch und Milch) und auch Zucker. «Der beste Weg, diese negativen Umwelteinflüsse zu reduzieren und die Gesundheit und Lebensqualität der Menschen zu fördern, ist, hauptsächlich pflanzliche, sowie regionale und saisonale Lebensmittel zu konsumieren», heisst es weiter.

Die Forderung zur Ernährung:

  • Eine Lenkungsabgabe auf tierische Lebensmittel.
  • Einen nachhaltigen und auf den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen basierenden Hauswirtschaftsunterricht
  • Ein Verbot von Werbung und Aktionen von Tierischen Lebensmitteln
  • Öffentliche Einrichtungen sollen nur vegetarische und zwingend auch ein veganes Menu offerieren.
  • Massnahmen des Bundes, zur Verringerung von Foodwaste Insbesondere durch Anpassung der Lebensmittelnormen und Sensibilisierung der Bevölkerung. Dazu gehört zum Beispiel die Schaffung von mehr Nähe zwischen Produzierenden und Konsumierenden

Keine Gelder für Absatzförderung

Dem Tierschutz und dem Tierreicht wird ebenfalls ein Kapitel gewidmet. Bezüglich Landwirtschaft sticht vor allem die Produktion von Fleisch ins Auge. Die Jungen Grünen wollen eine «Senkung der immensen Schlachtzahlen». Deshalb sollen die Gelder für die Absatzförderung gestrichen werden. Weiter wird ein Verbot von Qualzuchten, auch für Nutztiere, gefordert. Zudem werden Massnahmen gegen den Import von «tierquälerischen Produkten» verlangt.

In Sachen Naturschutz fordert die Jungpartei einen verstärkten Schutz und Erhalt der heimischen Landschaften, Lebensräumen und Ökosysteme in der Schweiz. Weiter werden «eine gezielte Artenförderung und Wiederansiedlungsprogramme» verlangt. Verursacher von Biodiversitätsverlusten sollen in die Pflicht genommen werden. Weiter wird ein Importverbot für Produkte, die massgeblich an der Zerstörung von wertvollen globalen Ökosystemen beteiligt sind, gefordert.

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