17.01.2020 11:29
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bern
Bauerndorf vor Kantonswechsel
Clavaleyres, eine winzige bernische Exklave mit fünfzig Einwohnern, will Teil von Murten werden und deshalb zum Kanton Freiburg wechseln. Den Weg ebnen können die Stimmberechtigten der Kantone Bern und Freiburg am 9. Februar.

Heissen sie das sogenannte Gebietsänderungskonkordat gut, braucht es nur noch das Ja-Wort der Bundesversammlung. Läuft alles rund, kann Clavaleyres Anfang 2022 den Kanton wechseln.

Fusion scheiterte zweimal

Der Weiler liegt in der Nähe des Murtensees und grenzt an die Kantone Freiburg und Waadt. Wie anderen Kleinstgemeinden fällt es Clavaleyres zunehmend schwer, Ämter zu besetzen und die Aufgaben einer Gemeinde von Feuerwehr über Sozialdienst bis zum Schulunterricht zu erfüllen.

Zweimal scheiterte der Versuch einer Fusion mit der anderen bernischen Exklave Münchenwiler. Erfolgreich verliefen dagegen die Gespräche mit der Stadt Murten. Im Herbst 2018 sprachen sich die Stimmberechtigten beider Gemeinden deutlich für die Fusion aus.

SVP gegen Wechsel

Einige wenige Gegenstimmen gab es im Berner Kantonsparlament. Manche Grossräte störten sich daran, dass Bern eine Gemeinde verliert, die ursprünglich gar nicht den Kanton wechseln wollte. Die Ratsmehrheit war hingegen die Meinung, für Clavaleyres sei die Fusion mit Murten eine pragmatische und geografisch sinnvolle Lösung. Der Freiburger Grosse Rat stimmte dem Konkordat einstimmig zu.

Vor dem Urnengang vom 9. Februar sah es lange Zeit so aus, als gäbe es überhaupt keine Opposition. Dann fasste die bernische SVP überraschend die Nein-Parole - wenn auch sehr knapp. Die Delegierten wollten damit ihr Bedauern zum Ausdruck bringen, dass der Kanton Bern keine bessere Lösung zustande gebracht habe.

Die Gemeinde Clavaleyres mit ihren 50 Bewohnerinnen und Bewohnern ist Teil des Bezirks Bern-Mittelland. Ihre Fläche von nur einem Quadratkilomter ist ganz vom Freiburger Seebezirk umschlossen. Die deutschsprachige Kleinstgemeinde ist bereits heute auf Murten ausgerichtet und arbeitet mit dem Städtchen etwa bei Feuerwehr und Schule zusammen. Fusionsversuche mit bernischen Gemeinden scheiterten. 20 der 26 Beschäftigen der Gemeinde arbeiten noch in der Landwirtschaft. Das sind knapp 77 Prozent. Rund 80 der 100 ha Gemeindefläche werden landwirtschaftlich genutzt. blu

Viele arbeiten in der Landwirtschaft
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