21.10.2019 07:35
Quelle: schweizerbauer.ch - sal/sda
Wahlen
Desaster für Gewerbeverband
Der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) hat am Wahlsonntag ein Waterloo erlebt. Der Präsident Jean-François Rime (SVP, FR) wie auch der Direktor Ulrich Bigler (FDP, ZH) wurden nicht in den Nationalrat gewählt.

Der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) ist einer der einflussreichsten Wirtschaftsverbände der Schweiz. Mit Jean-François Rime (SVP, FR) und Hans-Ulrich Bigler (FDP, ZH) waren wie beim Schweizer Bauernverband bisher sowohl der Präsident (Rime) als auch der Direktor (Bigler) im Nationalrat vertreten.

Rime sitzt in der wichtigen Wirtschaftskommission, Bigler ist in der Wissenschaftskommission und Vizepräsident der Finanzkommission. Nun sind in ihren Kantonen gleich beide abgewählt worden, was für den Verband eine grosse Schwächung bedeutet. In Freiburg verlor die SVP einen ihrer zwei Sitze, nur Landwirt Pierre-André Page schaffte die Wiederwahl. Im Kanton Zürich ist Bigler vom Jungfreisinnigen Andri Silberschmidt verdrängt worden. Auch Agro-Unternehmer Martin Farner holte noch mehr Stimmen als Bigler, was für Bigler auch ein Nachrutschen innerhalb der Legislatur verunmöglicht.

Für Rime ist klar: Damit endet auch sein Mandat als Verbandspräsident: «Ich kann und ich werde nicht mehr antreten», sagte er am Montag der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Am kommenden Mittwoch werde intern über die Neubesetzung des Präsidentenpostens diskutiert. Dafür nicht mehr infrage kommen dürften nach deren Nichtwiederwahl in den Nationalrat Hansjörg Brunner (FDP/TG) sowie Peter Schilliger (FDP/LU), die beide Mitglied der Gewerbekammer des Gewerbeverbands sind. 

Laut Politologe Louis Perron haben die Zürcher und Freiburger Wahlberechtigten die Spitze des Schweizerischen Gewerbeverbands teilweise für eine verfehlte Politik abgestraft. Der sgv stand beispielsweise im Vorfeld der No-Billag-Abstimmung im Fokus, wegen seiner SRG-Negativkampagne.

Die Nichtwiederwahl von Direktor Hans-Ulrich Bigler (FDP/ZH) sei in diesem Zusammenhang «bemerkenswert», sagte Perron im Interview mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Bigler wurde im Kanton Zürich von zwei Parteikollegen überholt. «Es scheint eine Abwahl zu sein, die sich gegen ihn richtet.»

Im Fall von Rime sei die Situation etwas anders, sagte Perron. Im Kanton Freiburg habe die SVP als Partei einen Sitz verloren. Die Nichtwiederwahl des sgv-Präsidenten könne deshalb nur bedingt mit dem Gewerbeverband in Verbindung gesetzt werden.

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