13.01.2019 11:51
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Milchproduktion
Heumilch zulasten Silomilch fördern
Ohne Silage produzierte Milch, neuerdings «Heumilch» genannt, soll stärker gefördert werden. Deshalb soll die Siloverzichtszulage von 3 auf 6 Rp./kg steigen. Im Gegenzug soll die Verkäsungszulage um 2 Rp./kg gesenkt werden.

In Europa gibt es insgesamt nur sehr wenig silofrei hergestellte Milch. Dass in der Schweiz jährlich ganze 1,1 Millionen Tonnen silofreie Milch – ein Drittel der Verkehrsmilch – gemolken werden, ist deshalb etwas Besonderes. Sie wird verwendet für Rohmilchkäse wie Gruyère AOP, Emmentaler AOP, Appenzeller, Vacherin fribourgeois AOP, Tête de Moine AOP, roten Tilsiter, Bündner Bergkäse und andere Rohmilchkäse. Einige kleinere Verarbeiter stellen aus silofreier Milch auch Butter und Joghurts her oder füllen Konsummilch ab, seit 2018 ist bei Coop schweizweit die «Heumilch» erhältlich. 

«Die Stärken stärken»

Mit der AP 22+ will der Bundesrat bei der Milchproduktion die Ausrichtung auf die Qualitätsstrategie verstärken und Fehlanreize korrigieren, wie es in der Vernehmlassungsunterlage heisst. Zu diesem Zweck soll die heutige Zulage für Fütterung ohne Silage von 3 auf 6 Rp./kg verdoppelt und direkt den Milchproduzenten ausbezahlt werden. «Damit wird der Anreiz zur Produktion von silofreier Milch, welche die Grundlage für die wertschöpfungsstarken aus Rohmilch hergestellten Käsespezialitäten bildet, erhöht.» 

Im Gegenzug soll die Verkäsungszulage, die zu Fehlanreizen zur Produktion von billigem Viertelfettkäse für den Export führt, um 2 Rp./kg reduziert werden. So sollte die Änderung für den Bund haushaltneutral ausfallen. Das betonte auch Adrian Aebi, Vizedirektor des Bundesamts für Landwirtschaft, an der Agridea-Tagung in Zürich. «Wir wollen die Stärken stärken.» Den obengenannten Fehlanreiz bezeichnete er als «Pseudomissbrauch»: Wenn bei Viertelfettkäse das abgerahmte Milchfett noch im geschützten Inlandmarkt abgesetzt werde, dann sei das «nicht illegal, aber sicher nicht im Sinn der Erfinder der Verkäsungszulage». 

SMP sagen dazu klar Nein


Bei den Schweizer Milchproduzenten (SMP) stösst dieses Vorhaben auf klare Ablehnung. Sie lehnen jegliche Reduktion der Verkäsungszulage ab, da dies laut einem Schreiben «einer direkten, flächendeckenden Senkung des Molkereimilchpreises in der ganzen Schweiz gleichkommen würde». Eine Senkung der Verkäsungszulage um 2 Rappen bedeute eine Milchpreissenkung um 2 Rappen und eine Senkung der Wertschöpfung auf dem Inlandmarkt um 70 Mio. Franken. 

Die SMP gehen also davon aus, dass die Molkereien und Käsereien ihre Marge in jedem Fall verteidigen werden und dass sich auch die Verkaufspreise der Milchprodukte nicht erhöhen lassen. Die SMP betonen weiter, dass mit der Änderung «das Problem der übermässigen Produktion von Käse mit tiefem Rahmgehalt überhaupt nicht gelöst werde». Dieses «Problem» könne aber einfach und effizient mit einer «treppenartigen Abstufung» (bspw. ¼, ½, ¾) auf dem Verordnungsweg in der Kompetenz des Bundesrates gelöst werden. Die Motion «Stärkung der Wertschöpfung beim Käse» der nationalrätlichen Wirtschaftskommision gebe diesen Weg vor. 

Haltung des SBV ist offen

Dass die Siloverzichtszulage neu auch für nicht verkäste Milch (z.B. für «Heumilch»-Konsummilch) ausbezahlt werden soll, passt den SMP gar nicht. Das gebe sehr marktfremde und kontraproduktive Anreize. Die SMP denken hier daran, dass heute zwischen 100 und 200 Millionen Kilogramm silofrei erzeugte Milch in Molkereikanäle gehen, in denen sonst Silomilch angeliefert wird. Gut finden die SMP den Grundsatz, dass die Siloverzichtszulage direkt an den Produzenten gehen soll (und nicht mehr vom Käser weitergeleitet werden soll). Eine Erhöhung der Siloverzichtszulage befürworten sie, sofern es dafür zusätzliches Geld gibt.

Der Schweizer Bauernverband überlegt sich derzeit, ob er in seiner Vernehmlassungsantwort dem Bundesrat folgen will oder ob er analog zu den SMP der Umlagerung  eine Absage erteilen will. Beide Varianten sind ausformuliert. Die Produzenten von silofreier Milch kämpfen im SBV für die Änderung, die ihnen entgegenkäme. Ihnen wird entgegengehalten, dass ihre Milchpreise heute schon höher lägen. 

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