3.07.2020 15:58
Quelle: schweizerbauer.ch - khe
Trinkwasser
Macht Agroscope Politik?
Agroscope analysierte in einer umfassenden Studie mögliche Umweltfolgen einer Umsetzung der Trinkwasserinitiative. Das scheint nicht allen zu passen. Vision Landwirtschaft distanziert sich klar. Mit Wissenschaft hätte die Studie nichts zu tun.

Die Agroscope-Studie zur Trinkwasserinitiative zeigt: Die Belastung von Gewässern in der Schweiz mit Pestiziden und Nährstoffen liesse sich reduzieren und auch die Biodiversität im Inland würde sich leicht verbessern. Doch im Gesamtergebnis werde die Umweltbelastung zunehmen, verursacht durch steigende Nahrungsmittelimporte – vor allem beim Fleisch.

Faule Tricks

Die Denkwerkstatt unabhängiger Agrarfachleute Vision Landwirtschaft nimmt Stellung: Das Studienresultat sei nur mit einer Reihe von Tricks und völlig unrealistischer Annahmen zustande gekommen. Das Timing der Veröffentlichung sei nicht zufällig punktgenau auf die Verhandlungen zur Trinkwasseriniative der WAK des Ständerates gefallen. So habe es doch bereits eine Vorläuferstudie gegeben, die bestätige, dass eine Annahme der Trinkwasserinitiative den Pestizideinsatz um zwei Drittel verringere und sich die Wasser- und Umweltqualität entsprechend massiv verbessere.

Dass die neue Agroscope-Studie nun zum Resultat komme, dass eine Annahme der Initiative die Erträge verringere und dadurch mehr Nahrungsmittel importieren werden müssten, sei kein Zufall. Komisch sei auch die Annahme, dass jede aus dem Ausland importierte Kalorie massiv umweltschädlicher sei, als die in der Schweiz produzierten Lebensmittel.

Vision Landwirtschaft sei Teil der Studien-Begleitgruppe gewesen und hätte mehrmals kritisiert, dass die Forschungsanstalt unrealistische Modellierungsmassnahmen wähle. So habe Agroscope in ihrem Modell angenommen, dass im Inland durch die Trinkwasserinitiative eine Extensivierung erfolge, was ökobilanzmässig relativ wenig Auswirkungen habe, aber in einer Minderproduktion resultiere und damit zu mehr Importen führe. 

Keine Wissenschaft

Im Ausland hingegen hätte Agroscope angenommen, dass für jede zusätzlich importierte Kalorie auch zusätzliches Landwirtschaftsland auf Kosten von naturnahen Flächen beansprucht werde. Das sei komplett unrealistisch, findet Vision Landwirtschaft.  Es würden Äpfel mit Birnen verglichen. Diese  Modellannahme führe zu einem extrem negativen Resultat der Umweltwirkung im Ausland. Zudem folgere Agroscope, dass die Trinkwasserinitiative die Abholzung fördere und auch fast alle übrigen Umweltaspekte negativ beeinflusse. "Mit Wissenschaft habe die Studie nichts zu tun", so Vision Landwirtschaft. Die Resultate der Agroscope-Studie müssten unter dem Stichwort «Politik einer Bundesanstalt» abgebucht werden.

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