18.09.2020 17:11
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
St. Gallen
Salez wird nicht auf Bio umgestellt
Der St. Galler Kantonsrat hat am Dienstag ausgiebig über die Situation der Landwirtschaft und ihre Zukunftsperspektiven diskutiert. Am Bericht der Regierung bemängelten vor allem Grüne und SP, dass die Biodiversität und der Biolandbau zu kurz kämen.

Gemäss dem Bericht ist im Kanton St. Gallen die Tierhaltung – Milchwirtschaft, Schweinezucht, Produktion von Geflügel und Eiern – vorherrschend. Der Ackerbau hat nur untergeordnete Bedeutung. Die Einkommen der St. Gallen Bauernbetriebe sind langfristig sinkend, liegen aber über dem landesweiten Durchschnitt.

Die St.Galler Regierung verfasst nur etwa alle 20 Jahre einen Bericht zum Zustand der St.Galler Landwirtschaft. Das aktuelle 68-seitige Papier basiert auf Postulaten für die Themenbereiche Biolandwirtschaft, Ressourcenschonung und Biodiversität aus dem Jahr 2018.

Markt regelt

Von grüner und linker Seite wurde kritisiert, der Bericht zeige zu wenig auf, wie die Biodiversität verbessert und der Biolandbau gefördert werden könne. Volkswirtschaftsdirektor Beat Tinner (FDP) betonte mehrmals die regelnde Funktion des Markts: Bio-Produkte müssten immer auch auch vom Markt aufgenommen werden.

Kritik am Bericht gab es nicht nur von Grünlinks. Auch eine CVP-Vertreterin und Bäuerin sagte, sie hätte sich mehr innovative Ansätze erhofft. Nach längerer Diskussion nahm der Rat vom Bericht Kenntnis. Er erteilte der Regierung verschiedene Aufträge, beispielsweise zur Biodiversitäts-Strategie. 

Keine Umstellung auf Bio

Der Kanton St.Gallen führt vier landwirtschaftliche Betriebe, davon zwei bereits nach Bio-Richtlinien. Die GLP wollte, unterstützt von SP und Grünen, auch die beiden anderen Betrieb umstellen. Das Landwirtschaftliche Zentrum Salez und die Strafanstalt Saxerriet müssten so bis 2024 auf biologischen Landbau umstellen.

Doch der Antrag hatte keinen Erfolg, der Rat lehnte ab. Damit folgte er der vorberatenden Kommission, die die Regierung beauftragt, die Weiterführung der Landwirtschaftsbetriebe bis 2022 zu klären und das Landwirtschaftliche Zentrum auf die Herausforderungen der neuen Agrarpolitik, der Digitalisierung und des Klimawandels auszurichten.

Mehr Wertschöpfung im Berggebiet

Bei der Beurteilung des ökologischen Ausgleichs und der Entwicklung von Biodiversitätsförderflächen auf den Landwirtschafts- und Sömmerungsbetrieben soll es künftig um «Qualität statt Quantität» gehen. SP, Grüne und GLP sahen mit dem Grundsatz die Biodiversitätsflächen gefährdet. auch der Regierung wollte diesen Passus streichen. CVP/EVP, SVP und eine Minderheit der FDP setzten sich aber durch. 

Auf mehr Unterstützung darf sich auch das Berggebiet freuen, berichtet das «St. Galler Tagblatt». So sollen Projekte gefördert werden, damit die dort produzierte Milch mit einer deutlich höheren Wertschöpfung verarbeitet und vermarktet werden kann. Dieser Auftrag wurde mit bürgerlicher Hilfe gutgeheissen. 

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