9.02.2020 14:30
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Agrarpolitik
SBV: Grüne bieten Hand für Lösungen
Der Präsident des Bauernverbands, Markus Ritter, macht sich für eine Agrar-Allianz mit den Grünen stark. Die Partei zeigt sich bereit, mit den Bauern bei Handelsfragen zusammenzuarbeiten. Der Bauernverband müsse aber einen griffigen Gegenvorschlag zu den Pestizid-Initiativen mittragen.

Markus Ritter sieht in den Grünen einen verlässlichen Partner, um bei Freihandelsfragen für die Landwirtschaft tragbare Lösungen zu finden. Die Bauern würden sich, um Mehrheiten zu finden, zwischen den Ultraliberalen, die einfach die Grenze öffnen wollen, und den Grünen entscheiden müssen, so Ritter weiter. «Und ich glaube, eine Diskussion mit Grünen ist eher möglich», sagte der Bauernverbandspräsident zur «SonntagsZeitung».

Braucht verbindliche Regeln

Bei den Grünen gibt man sich gegenüber dem Angebot einer Agrar-Allianz offen. Regula Tschanz, Generalsekretärin der Grünen, erklärte am Sonntag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, dass Markus Ritter Recht habe, wenn er sage, dass es endlich eine Qualitätsstrategie für importierte Lebensmittel geben müsse. Er habe deshalb 2018 konsequenterweise die Fair-Food-Initiative der Grünen unterstützt. Wie dies auch Bauernverbände in der Westschweiz oder der Verband der Bäuerinnen und Landfrauen getan hätten.

Das Ziel der Fair-Food-Initiative war es laut Tschanz den Umwelt- und Tierschutz in der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft bei gleichzeitiger Regelung der Importe zu stärken. Ohne verbindliche Regeln für den nachhaltigen Handel bestehe die Gefahr, dass Detailhandel und Gastronomie höhere Umweltstandards in der Schweiz einfach mit Billig-Lebensmitteln aus dem Ausland umgehen würden.

Neue Perspektiven für Bauern schaffen

«Wir sind bereit, mit dem Bauernverband zusammen eine nachhaltige Handelsstrategie durchzusetzen. Aber wir wollen auch einen griffigen Gegenvorschlag zu den Pestizid-Initiativen», betonte Tschanz. Ein solcher Gegenvorschlag müsse rasch Verbesserungen bringen und Bauernbetrieben neue Perspektiven eröffnen. «Wir setzen uns gerne mit dem Bauernverband dazu an einen Tisch», erklärte die Grünen-Generalsekretärin. Es brauche rasch Lösungen.

Dass sich Markus Ritter mit einer Allianz mit den Grünen nicht nur Freunde machen wird, nimmt er in Kauf. «Man muss die Zeichen der Zeit erkennen. Manchmal müsse man innehalten und überlegen, wohin die Reise geht», sagte der Biobauer zur «SonntagsZeitung».

Reibt Schweizer Landwirtschaft auf

Als ersten Schritt zu einem solchen Bündnis fasst er die Unterstützung des Referendums gegen den Freihandelsvertrag mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten ins Auge. «Ich glaube, wir sollten uns mit den Grünen zusammentun und uns auf einen solchen Kompromiss einigen», sagt Ritter.

Er schlägt höhere Vorgaben bei der Produktion vor, diese sollen aber leicht unter den Vorgaben von Bio zu liegen kommen. Die Bauern könnten die grüne Forderung nach einem Importstopp für Agrargüter, die nicht nach Schweizer-Standards produziert werden, im Gegenzug stützen.

«Der Vorschlag zu einer so einseitigen Bevorteilung ausländischer Produkte gegenüber einheimischen Lebensmitteln macht mich fertig. Denn das würde die Schweizer Landwirtschaft schlicht aufreiben», kritisiert Ritter.

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