19.10.2020 14:52
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Coronavirus
Sport: Rüegsegger kritisiert Verbot
In Berner Fussball- und Eishockeystadien sind seit dieser Woche nur noch maximal 1000 Zuschauer zugelassen. Der Kanton Bern hat Grossveranstaltungen verboten. Der Entscheid sorgt für heftige Kritik. Auch der Präsident des Berner Bauernverbandes hat wenig Verständnis für das Verbot.

Die Corona-Pandemie hat die Schweiz mit voller Wucht erfasst. Tausende infizieren sich jeden Tag. Der Bundesrat hat deswegen am Sonntag die Massnahmen verschärft. Dazu gehören eine Ausweitung der Maskenpflicht und eine Personenobergrenze bei Treffen.

Ansteckungsgefahren verringern

Nun wenige Minuten nach diesem Entscheid hat die Berner Kantonsregierung entschieden, Grossveranstaltungen mit über 1000 Personen zu untersagen. Begründet wird diese Massnahmen mit stark steigenden Fallzahlen im Kanton Bern, einer stark angestiegen Positivitätsrate bei den Tests sowie die Zahl der Hospitalisierten.

Laut dem Sprecher der Berner Gesundheitsdirektion, Gundekar Giebel, geht es beim Verbot von Grossveranstaltungen über 1000 darum, die Ansteckungsgefahren ausserhalb der Sportstadien zu verringern. Auch wenn innerhalb des Stadions Distanzen eingehalten werden können, sei dies ausserhalb nicht immer der Fall. Betroffen vom Entscheid sind in Fussball der Schweizermeister BSC Young Boys und der FC Thun, im Eishockey der SC Bern, die SCL Tigers, der EHC Biel und der SC Langenthal.

«Entscheid nicht nachvollziehbar»

Der Entscheid kommt nicht überall gut an. Der Präsident des Berner Bauernverbandes (BEBV), Hans Jörg Rüegsegger, der auch im Grossen Rat für die SVP politisiert, kann diese Massnahme nicht nachvollziehen. «Die betroffenen Sportveranstalter, Profis und Fans fühlen sich vor den Kopf gestossen. Ein solcher Entscheid ist weder nachvollzieh- noch begründbar», sagt Rüegsegger.

Die Kantonsregierung verursache grosse wirtschaftliche Probleme und gefährde die Existenz der Profiklubs. «Dass der Kanton hier im Alleingang entschieden hat, ist ein Schnellschuss und wenig lösungsorientiert», kritisiert er. Rüegseggers Sohn Stefan ist bei den SCL Tigers (National League) unter Vertrag. Die Langnauer haben den 22-Jährigen derzeit an den SC Langenthal (Swiss League) ausgeliehen. 

Clubs erzürnt

Die betroffenen Sportorganisationen sind ob dem Entscheid gelinde gesagt wenig erfreut. Der Eishockeyklub SC Bern erklärte in einem Communiqué, er habe kein Verständnis für den Berner Alleingang. Der Kanton stehe im landesweiten Vergleich der Covid-Fälle relativ gut da.

Dem Entscheid der Kantonsregierung fehlten klare Begründungen. Die Sportklubs hätten viel in ihre Schutzkonzepte investiert, und man habe ihnen attestiert, dass die Konzepte sehr gut geplant und umgesetzt worden seien. Nachweislich gebe es keine Covid-Fälle, die In Zusammenhang mit Spielen des SC Bern stünden. Der Verein empfinde deshalb den Entscheid der Kantonsregierung als unverhältnismässig. Der SC Bern hat nach eigenen Angaben 500'000 Franken in das Schutzkonzept investiert. 

«Mass bewahren»

Auch die Berner Young Boys sind über den Entscheid verärgert. Die Existenz des Profifussballs sei gefährdet, sollte es den Clubs erneut über einen längeren Zeitraum nicht möglich sein, Zuschauer in den Stadien einzulassen. 

YB habe in engem Austausch mit den Behörden gestanden, heisst es in der Mitteilung weiter. Der Entscheid hat YB auf dem falschen Fuss erwischt. Für das Europa League-Spiel gegen die AS Roma von kommendem Donnerstag haben die Berner 8200 Tickets verkauft. Nun sollen 300 Tickets verlost werden. YB plädiert dafür, «Mass zu bewahren und die grossen Anstrengungen der Schweizer Proficlubs zu anerkennen, insbesondere bei der Ausarbeitung des Schutzkonzepts, das die Durchführung der Spiele ermöglichen soll».

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE