16.08.2019 13:11
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Wasser
«Überdüngung schlechtes Geschäft»
Der jüngste Bericht des Bundesamts für Umwelt (Bafu) zeigt, dass das Grundwasser zunehmend verunreinigt ist. Verantwortlich dafür gemacht wird insbesondere die Landwirtschaft. Bauernverbandspräsident Markus Ritter hat in der Nachrichtensendung «10 vor 10» Stellung dazu genommen.

Das Trinkwasser ist zwar nicht in Gefahr, aber «zunehmend unter Druck», heisst es im am Donnerstag vom Bafu veröffentlichten Naqua-Bericht. Der Bericht basiert auf Daten aus den Jahren 2007 bis 2016. Die Meinungen dazu fielen sehr unterschiedlich aus.

80% Grundwasser

Rund 15 Prozent der Messstellen weisen eine Nitratbelastung über dem Grenzwert auf. Die zunehmende Verunreinigung stammt mehrheitlich aus dem Ackerbau im Mittelland. Neben der Nitratbelastung wegen Überdüngung sind auch Pestizide (Pflanzenschutzmittel und Biozide) und deren Abbauprodukte, sogenannte Metaboliten, ein Problem. In Ackerbaugebieten lassen sie sich an 95 Prozent der Messstellen nachweisen.

Dass die Schweiz nur rund 7 Prozent des theoretisch nutzbaren Grundwassers für die Trinkwasserversorgung nutze, dürfe nicht zu Sorglosigkeit führen, so das Fazit. Das Grundwasser liefert 80 Prozent des in der Schweiz verbrauchten Trinkwassers.

Ausschwemmung, nicht Überdüngung 

Markus Ritter entgegnet, dass bei 98 Prozent der Messstellen die Grenzwerte bei den Pflanzenschutzmitteln eingehalten werden. Die erhöhten Werte beim Nitrat führt er auf die Ausschwemmung und nicht auf Überdüngung zurück, wie im Bericht des Bafu dokumentiert. «Dass die Nährstoffe bei Starkregen ausgeschwenkt werden und ins Grundwasser geraten, ist nicht das Ziel. Das wollen wir verhindern», machte Ritter gegenüber «10 vor 10» deutlich.

Auf Nachfrage des Moderators Arthur Honegger, dass es sich um Überdüngung handle, sagte Ritter: «Überdüngung ist ein schlechtes Geschäft für Bauern. Und auch für die Pflanzen. Wir brauchen eine genaue Düngung, um optimale Erträge zu erzielen.» Überdüngung sei nicht möglich, auch wenn der Landwirt mehr Tiere als Boden habe. Dann müsse er den Dünger zu einem anderen Bauern bringen.

Bauern wollen besser werden

Ginge es nicht mit weniger Dünger? «Wenn man weniger düngt, als die Pflanzen brauchen, wachsen sie weniger. Es gibt dann nicht die optimalen Erträge», erklärte Ritter. Der Bauern müssten schauen, dass die Rechnung am Schluss aufgehe.

Er räumt ein, dass es einen Zielkonflikt gibt: «Sauberes Trinkwasser und optimale Erträge, die die Kosten decken.» Ritter sagt, dass es im Interesse der Bauern ist, dass die Produktionsfaktoren Boden, Luft und Wasser intakt bleiben. «Wir wollen besser werden. Und die Bauern bieten Hand dazu», fährt er fort. Mit dem Aktionsplan Pflanzenschutz seien bereits Massnahmen umgesetzt worden. 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE