9.08.2020 10:45
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
AP22+
Umweltlobby schnitt Graf aus Video
Die Umweltverbände haben genau darauf geachtet, dass Maya Graf im Video nicht an der Seite von Markus Ritter zu sehen ist.

Warum sterben unsere Bienen? Weshalb ist unser Wasser und Essen mit Pestiziden belastet? Warum fressen unsere Nutztiere so viel Importfutter? Weil wir mit Steuermilliarden eine giftige Agrarindustrie fördern. Weil die Agrarlobby diese Politik verteidigt, statt für Bauernfamilien und Natur einzustehen.»

So geht der Off-Ton in einem Video der Kampagne «Agrarlobby stoppen», das die Umweltverbände WWF Schweiz, Pro Natura, Greenpeace und BirdLife auf die Kampagnenwebsite gestellt haben. Wer die «Agrarlobby» am meisten verkörpert, wird aus den Videoausschnitten deutlich, die gleichzeitig mit dem  Wort «Agrarlobby» eingeblendet werden: Bauernverbandspräsident und CVP-Nationalrat Markus Ritter. 

Ritter war für Fair Food

Meisterlandwirt Ritter betreibt  mit seiner Familie seit 2001 Bio-Landbau nach den Richtlinien der Knospe. Auf seinem Land am Hang in Altstätten SG hat es  Trockenstandorte, Feldgehölze, Trockenmauern, Extensivweiden und rund 250 Hochstammbäume. Seine braunen Milchkühe fressen fast kein Kraftfutter. Ritter ist gerade nicht derjenige, der die Bauern zum Produzieren um jeden Preis anhält. Öffentlich rief er angesichts der beschämend tiefen Molkereimilchpreise zum Nicht-Produzieren auf. Er mahnte die jungen Meisterlandwirte, beim Investieren aufzupassen und selbst zu rechnen.

Kürzlich hielt er kritisch fest, der gleiche Traktor sei in der Schweiz fast doppelt so teuer als im Ausland. Und Ritter hat sich – anders als seine Partei und anders als der SBV – auch für die Volksinitiative «Für gesunde sowie umweltfreundlich und fair hergestellte Lebensmittel (Fair-Food-Initiative)» ausgesprochen. Lanciert wurde diese von der Grünen Partei. 

Mit Schaumwein angestossen

Neben einer Vertreterin der Grünen Partei stand Markus Ritter auch, als er von einer Kamera des Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) gefilmt wurde am Sonntag, dem 24. September 2017, an dem Tag, an dem die Schweizer Stimmbevölkerung den Verfassungsartikel über die Ernährungssicherheit mit 78,6% Ja annahm.

Mit Schaumwein wurde angestossen, vorher hatten sich auch Pro-Natura-Zentralsekretär Urs Leugger und Ritter gegenseitig zum Abstimmungsresultat beglückwünscht. Im Video der Umweltlobby gegen die Agrarlobby sind Ausschnitte aus dem SRF-Dokumentarfilm über Markus Ritter zu sehen, der unter dem Titel «Der Chef der Schweizer Bauern» am 1.Oktober 2017 ausgestrahlt worden ist.

Grüner Blazer von Graf 

Man sieht ein Glas Schaumwein im Vordergrund, dahinter ein grüner Blazer. Im SRF-Dokfilm sieht man in den darauffolgenden Sekunden beim Auszoomen, wem dieser Blazer gehört. Es ist die damalige Nationalrätin und heutige Ständerätin Maya Graf, Sympathieträgerin für die Grüne Partei und für den Bio-Landbau als Mitbewirtschafterin des familieneigenen Biobetriebs im baselländischen Sissach.

Diese Sekunden sind aber im Propagandavideo herausgeschnitten worden, der Schnitt erfolgt, als man gerade die Halspartie von Maya Graf erkennt. Vermutlich, weil die Zuschauer sonst gesehen hätten, dass Markus Ritter mit Vertreterinnen der Grünen Partei durchaus eine fruchtbare und respektvolle Zusammenarbeit pflegt. 

Auch Dietler musste weg

Das Video der Umweltlobby  springt dann gleich zu Markus Ritter, der jemandem mit einem Glas Schaumwein zuprostet. Aufgrund der Off-Stimme entsteht der Eindruck, Agrarlobbyist Ritter triumphiere über die Natur und freue sich daran.

Mit wem stiess Ritter damals lachend an? Der Dok-Film zeigt es: mit Christof Dietler, dem damaligen Geschäftsführer der Agrarallianz, der neben den landwirtschaftlichen Organisationen Bio Suisse, IP-Suisse und Mutterkuh Schweiz auch Pro Natura, WWF Schweiz und BirdLife angehören. Auch Dietler wurde weggeschnitten. Technisch wurde das gelöst, indem Ritter dafür umso näher herangezoomt wurde. Im ausgestrahlten SRF-Material waren Dietler und Ritter in den wenigen  Momenten, die im Video der Umweltlobby zu sehen sind, gleichzeitig im Bild. 

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