10.10.2019 14:34
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
St. Gallen
Berset macht Bauern Mut
Mit einer launigen Rede und dem obligaten Säulihalten hat Alain Berset die Olma eröffnet. Ehrengast ist dieses Jahr die Schweizer Volkskultur. Die elftägige Messe in St. Gallen dauert bis Sonntag, 20. Oktober.

Schweizer Trachten vergleichen, Volksmusik hören, einer Handwerkerin beim Klöppeln zuschauen oder an einem Crash-Kurs im Talerschwingen mitmachen; die Schweizer Messe für Landwirtschaft und Ernährung in St. Gallen sieht sich als Marktplatz und Volksfest mit Kultcharakter.

Kein Gastkanton

Dass die Schweizer Volkskultur boomt, ist nicht erst seit dem Besucherrekord am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Zug bekannt. Auch die grösste Publikumsmesse der Schweiz mischt mit und hat das einheimische Brauchtum zum Ehrengast bestimmt.

Allerdings habe dies auch noch einen anderen Grund, sagte Olma-Direktor Nicolo Paganini am Donnerstagvormittag bei der Eröffnungsfeier im Theater St. Gallen. Weil wegen der Teilnahme an der Fête de Vignerons bereits alle Kantone ihre Budgets aufgebraucht hatten, fand sich dieses Mal kein Gastkanton. «Aus der Herausforderung wurde ein Glücksfall», so Paganini.

Bratwurst ohne Senf

Ein Glücksfall war auch die mit zahlreichen Pointen geschmückte Rede von Bundesrat Alain Berset an der traditionell eher etwas steifen Eröffnungsfeier. Er sei zum ersten Mal dabei, sei aber von seinen Bundesratskolleginnen und -kollegen vorgewarnt worden, dass an der Olma nicht nur Milch getrunken werde.

Deshalb staune er, dass man ihn als Gesundheitsminister an eine Messe eingeladen habe, an welcher viel Bier und Wein getrunken und tonnenweise Würste, Fondue oder Pommes Frites gegessen werde. «Und dann lassen Sie auch noch das einzige Gesunde an der Olma-Bratwurst weg, den Senf», scherzte Berset.

Schwierige Zeiten für Bauern

Ernstere Worte sprach der Bundesrat zur Zukunft der Landwirtschaft. Wie zur Gründerzeit im Zweiten Weltkrieg, als man mit der Schau über die Anbauschlacht vor allem die Wehrfähigkeit demonstrierte, sei die Olma heute noch eine Leistungsschau.

Die Landwirtschaft stehe vor schwierigen Zeiten und sei durch die Agrarpolitik und den Klimawandel stark gefordert. Niemand würde bestreiten, dass die Landwirtschaft in einem tiefgreifenden Strukturwandel stecke, so Berset. «Viele Bäuerinnen und Bauern durchleben schwierige Zeiten: Ein harter Alltag und eine unsichere Zukunft. Aber wir dürfen nicht vergessen, der Goodwill der Bevölkerung für die Schweizer Bäuerinnen und Bauern ist gewaltig», machte er deutlich.

Landwirtschaft wird erfolgreich sein

Es gebe keinen Grund, vor einem offenen Dialog über die künftige Ausrichtung der Agrarpolitik Angst zu haben. «Ebenso wenig vor Debatten über Initiativen, die unser Trinkwasser schützen oder synthetische Pestizide verbieten wollen», fuhr er fort. Er sei überzeugt, dass man einen gutschweizerischen Kompromiss finden werde, sagte Berset weiter.

Alle hätten ein existentielles Interesse, den Klimawandel, der der Landwirtschaft schon länger zu schaffen macht, mit aller Kraft zu bekämpfen. «Wir alle haben ein existentielles Interesse daran, dass unsere Landwirtschaft in Freihandelsabkommen für ihre hohen Standards faire Bedingungen erhält. Weil wir auch alle wollen, dass bei uns in der Landwirtschaft faire Löhne bezahlt werden», fuhr der Freiburger for. Und der machten den Landwirtinnen und Landwirte Mut. «Auch im 21. Jahrhundert wird die Schweizer Landwirtschaft erfolgreich sein», 

Auf dem Rundgang durchs Olma-Gelände zeigte Berset, der sich selbst als «Landei» bezeichnet hatte, dass er Hand anlegen kann. Zuerst brachten Bäuerinnen dem Bundesrat bei, wie man einen Zopf flechten muss, danach bewährte er sich im Nutztierstall beim obligaten Säulihalten.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE