21.02.2020 10:27
Quelle: schweizerbauer.ch - hal
Tier&Technik
Deshalb ist Digital Farming nützlich
Christian Schönbächler, Präsident der Junglandwirte und Verwaltungsratspräsident der Barto AG, referierte an der Tier & Technik zum Thema Digital Farming. Im Interview mit schweizerbauer.ch nennt er ein Beispiel, wie sich die Digitalisierung in Zukunft auswirken könnte.

«Das öffentliche Interesse an der Landwirtschaft steigt. Die Leute interessieren sich immer mehr, was wir auf den Betrieben machen und wie wir Lebensmittel produzieren», sagt Christian Schönbächler zu schweizerbauer.ch.

Für den Kunden

Digitalisierung könne eine Chance sein, um den Bedürfnissen der Konsumenten zu begegnen. «Wir können ihnen anhand von Daten aufzeigen, was wir und wie wir es machen», fährt er fort. Auf seinem Milchwirtschaftsbetrieb nutze er die Digitalisierung hauptsächlich, um beispielsweise dem Fütterungsberater etwa Milchkontrolldaten zur Verfügung zu stellen, dass dieser den Fütterungsplan rechnen könne. Wünschenswert wäre auch, dass den Gesundheitsdaten Zugriff gewährt werde. 

«Gläsern werden»

Wichtig sei, dass keine Daten automatisch zu Zulieferer gelangen würden. «Der Landwirt muss selber bestimmen können, welche Daten weitergegeben werden», hält Schönbächler fest. Je mehr Daten aber ein Zulieferer habe, umso einen besseren Service könne der Berater dem Landwirt anbieten.

«Die Gefahr ist, dass der Landwirt gläsern wird», sagt Schönbächler zum Thema Datenaustausch. Schon heute entstünden auf einem Betrieb viele Daten. Wenn jemand unerlaubten Zugriff auf diese Daten habe, erhalte dieser einen relativ genauen Einblick auf den Betrieb. Deshalb: «Datensicherheit und Datenhoheit ist absolut entscheidend in der Digitalisierung.»

Barto

Die Plattform Barto bündelt, verarbeitet, vernetzt und generiert Informationen, um die betriebliche Administration zu vereinfachen und die Produktivität der Landwirtschaft auf nachhaltige Weise zu steigern.

Administration vereinfachen

Mit Barto wolle man den Landwirten Werkzeuge zur Verfügung stellen, damit sie ihre Daten managen und verwenden könnten. Es würden heute viele Daten einseitig an Bund und Kantone weitergegeben, die sich für den Landwirten nicht in einem eigenen System nutzen liessen. Mit Barto werde auch folgendes angestrebt: «Wir wollen mit Werkzeugen erreichen, dass der Landwirt seine Administration vereinfachen kann und er seinen Betrieb verbessern kann, weil er die Daten smart nutzen kann.»

Barto nutzt die Smart-Farming-Plattform von 365FarmNet ein. Das Unternehmen ist eine Tochter des deutschen Landtechnik-Hersteller Claas. Die Fenaco wiederum ist über das Tochterunternehmen Serco Landtechnik AG Importeur von Claas für die Schweiz. Im Januar starteten die Arbeiten für die Anpassung der Plattform an den Schweizer Markt. Verfügbar ist die Plattform 365FarmNet derzeit in Deutschland, Frankreich, Polen, Österreich und Bulgarien. blu

Drohne und neue Player

«Es gibt Dinge, an die man noch gar nicht denkt, was in Zukunft mit der Digitalisierung möglich sein wird.» Langfristig seien der Phantasie keine Grenzen gesetzt, was in Zukunft möglich sein werde. 

SBV als Gast im VR

Aktionäre der Barto AG sind Fenaco, Identitas, Agridea, Swissherdbook, Swissgenetics, Braunvieh Schweiz, Holstein Switzerland, Mutterkuh Schweiz sowie die Schweizer Milchproduzenten. Neu als Gast im Verwaltungsrat vertreten ist der Schweizer Bauernverband.

Die Digitalisierung könne etwa eine weltweite Direktvermarktung ermöglichen. «Mit neuen Vertriebswegen, die etwa dank der Drohnentechnik und neuen Playern am Markt entstehen dürften, wird der Landwirt viel näher an den Konsumenten herankommen und ihn seinen Produkten direkt beliefern können.»

SBV nun wieder dabei

Der Schweizer Bauernverband ist als Gast im VR von Barto. 2017 schloss der SBV eine finanzielle Beteiligung aus. Das eingesetzte Geld wäre zu einem gewissen Grad Risikokapital, hiess es damals. «Wir wollen nicht mit Mitgliederbeiträgen das Projekt finanzieren», sagte der SBV. Als zweiten Grund nannte der Verband die Wahrung der Neutralität des SBV. Im Herbst 2017 plante der Bauernverband eine Beteiligung an Barto.

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