7.02.2015 14:03
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Zahlungsverkehr
Die Kreditkarte wird 65
Ein Stück Plastik wird 65. Doch von Altersschwäche keine Spur. Auch in der Schweiz verzeichnet die Kreditkarte steigende Nutzungszahlen. Es lauern aber auch Gefahren.

Die Erfindung der Kreditkarte geht angeblich auf das peinliche Ende eines Essens in New York zurück. Als der Geschäftsmann Frank McNamara die Rechnung begleichen wollte, fiel ihm mit Schrecken auf, dass er nicht genug Bargeld in der Brieftasche hatte. Glücklicherweise konnte seine Frau ihm aus der Patsche helfen.

Zuerst nur für Oberschicht

Um nie wieder in diese unangenehme Situation zu kommen, ersann McNamara eine Lösung und präsentierte im Februar 1950 zusammen mit seinem Geschäftspartner Ralph Schneider die Diners Club Card - die erste Kreditkarte der Welt. Ob sich die noch heute von Diners Club als Gründungsmythos gepflegte Episode in dem New Yorker Restaurant tatsächlich so zugetragen hat, ist nicht bestätigt. Umso deutlicher ist jedoch der Siegeszug, den McNamaras Erfindung in den darauffolgenden 65 Jahren antrat.

Zunächst erlaubten 28 Restaurants und zwei Hotels den aus der New Yorker Oberschicht stammenden Inhabern der damals noch aus Karton gefertigten Diners Club Card, ihre Ausgaben anzuschreiben. Bezahlen musste der exklusive Zirkel erst am Ende eines jeden Monats, abgerechnet wurde gegen Gebühr über den Diners Club, der nach Angaben des Unternehmens bereits im ersten Jahr 10'000 Mitglieder zählte. Heute kommen in den USA, gemäss dem US Census Bureau, auf einen Einwohner 3,75 Kreditkarten.

Erste Diners Club Card 1956 in der Schweiz

Für den Geldverkehr bedeutete die Kreditkarte eine grundlegende Neuerung. Neben Restaurants und Hotels nahmen nach und nach auch Reisebüros, Autoverleiher, Fluglinien und Geschäfte zunächst in den Vereinigten Staaten und schliesslich weltweit die Karten an. Schnell witterten auch Konkurrenten von Diners Club das lukrative Geschäft und Unternehmen wie Mastercard, American Express und die Bank of America brachten eigene Karten auf den Markt.

Auch in der Schweiz war Diners Club 1956 das erste Unternehmen, das Kreditkarten ausgab. Gemäss dem Statistischen Monatsheft der Schweizerischen Nationalbank (SNB) haben die Schweizer Kreditkartenherausgeber mittlerweile über 6,4 Millionen Kreditkarten im Umlauf. Auch die Schweizer lernten also die Vorzüge des Plastikgeldes schätzen: Die Inhaber von Kreditkarten können meist mit Leichtigkeit weltweit ohne Bargeld in der Tasche bezahlen, Geld abheben oder sie als Sicherheit bei einem Autovermieter angeben. Käufe im Internet sind teilweise ohne Kreditkarte gar nicht mehr möglich.

Gefahr der Verschuldung

Die neuesten technologischen Entwicklungen erlauben unterdessen das kontaktlose Bezahlen. Dabei reicht es, die Kreditkarte einige Sekunden lang an das Terminal im Geschäft zu halten. Eine PIN-Eingabe oder Unterschrift ist dann nicht mehr nötig. Doch die Karten haben auch Nachteile. Für einige Transaktionen fallen Gebühren an. Auch die Datensicherheit bereitet den Nutzern Sorgen. Besonders bei der Eingabe der Kreditkartendetails im Internet lauert Gefahr: Datendiebe ergaunern immer wieder Kreditkartennummern. Gegen derartigen Missbrauch sind die Inhaber so gut wie machtlos.

Ein weiteres Problem ist im Grundprinzip der Kreditkarten angelegt: Bei einer Zahlung wird der fällige Betrag meist nicht sofort abgebucht, sondern taucht erst mit Verzögerung als Minus auf dem Bankkonto auf. Der Benutzer kommt so zwar in den kurzfristigen Genuss eines finanziellen Spielraums, muss aber den Überblick über seine Kreditkartennutzung behalten, um sich nicht über Gebühr zu verschulden.

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