3.09.2015 09:57
Quelle: schweizerbauer.ch - Markus Rediger und Michael Wahl, lid
Einkaufstourismus
Ein «Held», wer in der Schweiz einkauft
"Du bisch wow, well Sorg hebsch zur Schwiiz": Eine neue Aktion wirbt fürs Einkaufen in der Schweiz. Urs Schneider, Präsident der Agro-Marketing Suisse (AMS), über die Hintergründe. Mit Video

Ende August hat die Agro-Marketing Suisse zusammen mit weiteren Organisationen und Branchen eine schweizweite Kampagne mit dem Slogan "Du bisch wow" lanciert. Was sind die Ziele?
Urs Schneider: Mit der Aktion wollen wir die Situation proaktiv angehen und die Konsumenten sensibilisieren. Es soll aufgezeigt werden, dass sie mit einem Einkauf in der Schweiz mithelfen, hier gegen fünf Millionen Arbeits- und rund 40'000 Ausbildungsplätze zu sichern und Wohlstand zu erhalten. Wir hoffen, dass wir einen Trend auslösen können und Menschen, die in der Schweiz einkaufen, zu Helden machen.

Die Aktion wird in erster Linie von der Land- und Ernährungswirtschaft getragen. Dabei leiden doch andere Branchen auch unter dem starken Franken.
Wir wollten die Aktion ursprünglich möglichst breit aufgleisen. Schnell haben wir aber gemerkt, dass die Zusammenarbeit immer schwieriger wird, je konkreter es wird. Dann ziehen sie eigene Aktivitäten vor. Dennoch wächst die Allianz an unterstützenden Organisationen. Nebst Metzgern und Bäckern machen auch Radio-, TV- und Multimediafachhändler mit. Wir sind überzeugt, dass weitere Akteure aufspringen werden. Viele Ladenbesitzer warten darauf, um etwas gegen den Einkaufstourismus zu tun.

Die Wow-Aktion

"Du bisch wow, well Sorg hebsch zur Schwiiz": Mit diesem Slogan werben unter der Federführung der Agro-Marketing Suisse diverse Organisationen der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft, Lebensmittel-Detaillisten sowie Radio-TV- und Multimediafachhändler für das Einkaufen in der Schweiz. Die Kampagne ist in den Läden unter anderem mit einem Kartonsteller, Aufklebern und Postkarten präsent. Zudem gibt es einen monatlichen Wettbewerb auf www.dubischwow.ch, Verteilaktionen sowie ein Video für die Social Media-Kanäle.

Mit Coop und Migros fehlen die grossen Detailhändler bei der Wow-Kampagne. Warum?
Wir haben mit Coop und Migros Gespräche geführt, sie aber leider nicht für unsere Kampagne gewinnen können. Die grossen Detailhändler haben ihre eigenen Konzepte im Umgang mit dem Einkaufstourismus. Das respektieren wir. Unsere Tür bleibt offen.

Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) haben diesen Sommer mit "Swissmilk inside" eine eigene Kampagne gestartet, die ähnliche Ziele verfolgt wie Ihre. Wäre es nicht sinnvoller gewesen, wenn die Schweizer Landwirtschaft geeint eine solche Aktion lanciert hätte?
Die SMP unterstützen als Mitglied der AMS indirekt auch die Wow-Aktion. Ihre eigene Kampagne ist anders gelagert als unsere. Es handelt sich dabei um eine Verkaufsförderungsaktion, die den Konsum von Schweizer Milchprodukten ankurbeln soll. Das finde ich gut. Beide Anliegen haben nebeneinander Platz.

Bei der Kampagne fällt auf, dass das Schweizerkreuz kaum vorkommt.
Stimmt. Wir setzen das Schweizerkreuz nur dezent ein, etwa beim Film. Wir wollen in erster Linie Verständnis schaffen und nicht eine patriotische Schiene fahren.

"Du bisch wow" – ein etwas gewohnheitsbedürftiger Slogan.
Die Kampagne soll sich von den sonst üblichen Botschaften abheben, auffallen und explizit auch junge Menschen ansprechen. Die Kampagne kommt deshalb im Comicstil daher, fast ein bisschen discoartig.

Hat die Kampagne einen Zusammenhang mit der Volksinitiative des Bauernverbandes?
Nein, überhaupt nicht. Die Aktion verfolgt keine politischen Ziele, auch nicht zwischen den Zeilen. Es geht darum, den Konsumenten ins Gedächtnis zu rufen, dass hinter einem Einkauf in der Schweiz viel Wertschöpfung im Inland steckt.

Wie lange wird die Kampagne laufen?
Sie dauert sicherlich bis Ende 2015. Im Oktober werden wir eine Zwischenbilanz ziehen und evaluieren, ob sie bei den Leuten ankommt. Dann entscheiden wir, ob sie einmalig bleibt oder in gleicher oder anderer Form auch im nächsten Jahr weitergeführt wird. Ziel ist es, dass etwas Langfristiges daraus entsteht.

Starker Franken lässt Umsätze schrumpfen

Der Einkaufstourismus hat mit dem Ende des Euro-Mindestkurses deutlich zugenommen. Zu spüren bekam das unter anderem der Schweizer Detailhandel, der gemäss Bundesamt für Statistik von Januar bis Mai 2015 deutlich weniger Umsatz gemacht hat. Das Forschungsinstitut BakBasel rechnet für das Jahr 2015 mit einem Umsatzminus von 2,1%, was dem stärksten Rückgang der letzten 35 Jahren entsprechen würde. Laut einer Studie der Uni St. Gallen werden vor allem Lebensmittel und Drogerie-Artikel im grenznahen Ausland eingekauft.

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