1.10.2017 07:07
Quelle: schweizerbauer.ch - Markus Lips, lid*
Landwirtschaft
Landwirtschaft: Deutliche Einkommens-Unterschiede
Die Einkommensunterschiede in der Landwirtschaft sind enorm. Eine Analyse von landwirtschaftlichen Buchhaltungen von Agroscope identifiziert vier Ursachen dafür: Ausbildung, Betriebsgrösse und -ausrichtung sowie die Betriebsführung.

Auch die Region spielt eine bedeutende Rolle. Die Einkommen verringern sich mit zunehmender Höhenlage. In der Talregion wird deutlich besser verdient als in der Bergregion. Dies zeigt die Analyse von über 3000 Buchhaltungen, die Agroscope jährlich von Betriebsleitenden auf freiwilliger Basis und in anonymisierter Form zur Verfügung gestellt werden.

Diese Datengrundlage wird primär dazu verwendet, die wirtschaftliche Situation der Schweizer Landwirtschaft zu beurteilen. Als zentrale Erfolgsgrösse dient dabei der Arbeitsverdienst, das Jahreseinkommen einer Vollzeit-Familienarbeitskraft. Er kann den Löhnen von anderen Sektoren gegenübergestellt werden. Neben der absoluten Höhe wird jährlich auch die Streuung aufgezeigt und die ist enorm. Die Besten verdienen im Durchschnitt sechsmal mehr als die schlechtesten.

Grössere Betriebe sind rentabler

Die Betriebsgrösse kann für die Schweizer Landwirtschaft durchaus als agrarökonomische Grundkonstante bezeichnet werden, denn sie hat immer einen stark positiven Einfluss auf den Arbeitsverdienst. Vergrössert ein Milchproduzent beispielsweise seine Herde von 25 auf 50 Kühe, wächst der Arbeitsbedarf nur unterproportional, was durch die Skaleneffekte bedingt ist.

Entsprechend schneiden die grösseren Vollerwerbsbetriebe punkto Arbeitsverdienst deutlich besser ab als Nebenerwerbsbetriebe. Wie frühere Untersuchungen zeigen, kann auch über die Zusammenarbeit mit anderen Betrieben von Skaleneffekten profitiert werden.

Pflanzenbau und Mast im Vorteil

Pflanzenbaubetriebe, d.h. Betriebe die hauptsächlich Ackerbau betreiben oder Spezialkulturen wie Gemüse, Obst und Reben anbauen, weisen höhe¬re Arbeitsverdienste auf. Dasselbe gilt für die Mast von Schweinen und Geflügel. Umgekehrt ist eine Betriebsausrichtung auf Milch- oder Mutterkühe mit tieferen Einkommen pro Person verbunden.

Die gut ausgebildeten sind erfolgreicher

Mit dem Bildungsniveau des Betriebsleiters und seiner Partnerin steigt der Arbeitsverdienst. Erstmals konnte aufgezeigt werden, dass dies nicht nur für die landwirtschaftliche Ausbildung, sondern auch für die Ausbildung ausserhalb der Landwirtschaft gilt.

Zentral ist die gute Betriebsführung

Schliesslich spielt die Betriebsführung eine Schlüsselrolle, was gemeinhin schwer nachzuweisen ist. Indem erstmals nicht nur der Betrieb als Ganzes, sondern auch dessen Betriebszweige analysiert wurden, ergaben sich neue Einblicke. Die Betriebe mit höherem Arbeitsverdienst generieren pro Hektare bzw. pro Grossvieheinheit systematisch mehr Einnahmen und weisen tiefere Kosten auf. Die erfolgreichen Betriebsleitenden schaffen es also, mit weniger Inputs mehr Output zu generieren. Mit Blick auf die weniger erfolgreichen Betriebe kann das auch als "doppeltes Optimierungspotenzial" umschrieben werden.

Die besten Betriebe machen es vor, wie die Produktionstechnik einerseits und die Wahl der verwendeten Inputs kurz- und mittelfristig angepasst werden können. Beispielsweise weist allein bei den Maschinenkosten beim Betriebszweig Weizen das beste Viertel Fr. 525.- tiefere Maschinenkosten pro Hektare auf als das schlechteste Viertel. Diese Differenz ist beachtlich und entspricht bereits mehr als einem Prozent des durchschnittlichen Arbeitsverdiensts.

Herausfordernde Betriebsführung bei der Milchproduktion

Besonders deutlich wird der Betriebsführungseffekt bei den Verkehrsmilchbetrieben, wo der Einfluss der Milchleistung pro Kuh und Jahr auf den Arbeitsverdienst untersucht wurde. Während bei den erfolgreichen Betrieben die Milchleistung einen statistisch signifikant positiven Einfluss hat, spielt er bei Betrieben mit tiefen Arbeitsverdienst keine Rolle.

Allgemein kann man folgern, dass erfolgreiche Betriebsleitende mit dem Einsatz von Hilfsstoffen wie Kraftfutter sehr geschickt agieren, während bei wenig Erfolgreichen eine Überforderung vermutet werden kann. Diese Erkenntnisse vereinfachen die Arbeit von Lehr- und Beratungskräften keineswegs, denn aufgrund der beobachteten Heterogenität erscheint es wenig sinnvoll, allgemeine Ratschläge zu formulieren.

Beeinflussbares ausschöpfen

Gleichwohl liegt in diesen Ergebnissen ein grosser potenzieller Nutzen. Gelingt es dem Betriebsleitenden und/oder dessen Berater oder Treuhänder die Situation des Betriebs richtig einzuschätzen, können gezielte Massnahmen wie die Verringerung von Hilfsstoffen ergriffen werden.

Insgesamt geht von den Ergebnissen denn auch eine klare Ermutigung aus, zeigen sie doch auf, dass zumindest ein Teil der Unterschiede von beeinflussbaren Faktoren abhängt. Entsprechend bestehen Möglichkeiten für die meisten Betriebe, ihren Arbeitsverdienst zu erhöhen.

*Der Autor leitet die Forschungsgruppe Betriebswirtschaft am Agroscope-Standort Tänikon in Ettenhausen TG.


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