8.10.2019 09:12
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Einkommen
Landwirtschaft: Einkommen gestiegen
Gemäss den jüngsten Buchhaltungsdaten von Agroscope stieg das landwirtschaftliche Einkommen 2018 gegenüber dem Vorjahr um 4,1 Prozent. Die Einkommen stiegen dank sehr guter Ernten im Obst- und Weinbau sowie höheren Einnahmen bei der Milch-, Geflügelfleisch- und Eierproduktion.

Das Jahr 2018 bleibt vor allem als sehr trockenes Jahr in Erinnerung. In vielen Regionen der Schweiz hat es im Sommer und Herbst massiv zu wenig geregnet. Die aussergewöhnlichen Wetterverhältnisse haben sich auch auf die landwirtschaftlichen Einkommen ausgewirkt.

70’600 Franken je Betrieb

Gemäss Agroscope haben die positiven Effekte überwogen. Hauptgründe für den Anstieg waren die hervorragende Obst- und Weinernte sowie die höheren Erträge aus der Rindviehhaltung. «Letztere sind zustande gekommen, weil unter anderem der Milchpreis sich erholt und die Milchproduktion leicht zugenommen hat», schreibt Agroscope am Dienstag. Diese Entwicklungen wirkten den wetterbedingten Ertragseinbussen im Acker und Futterbau sowie der weiterhin schwierigen Lage auf dem Schweinemarkt entgegen.

Insgesamt stiegen die Einkommen 2018 gegenüber dem Vorjahr um 4.1 Prozent. Es betrug im Mittel 70’600 Franken je Betrieb und entschädigte 1,36 familieneigene Arbeitskräfte. Der landwirtschaftliche Arbeitsverdienst pro Familienarbeitskraft stieg um 4 Prozent auf 51'900 Franken. Mit 65'300 Franken pro Familienarbeitskraft lag der Arbeitsverdienst am höchsten in der Talregion. In der Hügel- bzw. Bergregion fiel er mit 46'500 respektive 38'900 Franken um 29 beziehungsweise 40 Prozent tiefer als in der Talregion aus.

Verdienst in den vergangenen Jahren stetig gestiegen

Damit hat sich der Anstieg der vergangenen Jahre fortgesetzt. Betrug der Arbeitsverdienst pro Familienarbeitskraft 2015 noch 44'600 Franken, stieg dieser 2018 auf 51'900 Franken. Innerhalb der letzten vier Jahre nahm der Arbeitsverdienst pro Familienarbeitskraft um insgesamt 17 Prozent zu. Der Arbeitsverdienst stieg in dieser Zeit mit 20 bzw. 17 Prozent am stärksten in der Tal- und Hügelregion. In der Bergregion fiel die Zunahme mit 11 Prozent moderater aus.

Doch trotz dieses Anstieges lag der Arbeitsverdienst in der Landwirtschaft 2018 noch deutlich unter jenem von Arbeitnehmenden im Industrie- und Dienstleistungssektor. 

Höheres Gesamteinkommen

Das Gesamteinkommen eines landwirtschaftlichen Haushalts setzt sich aus dem landwirtschaftlichen und dem ausserlandwirtschaftlichen Einkommen zusammen. Das Gesamteinkommen wird nur für die Einzelunternehmen ohne Betriebsgemeinschaften erhoben. Konstant blieben die ausserlandwirtschaftlichen Einkommen. Sie betrugen 31'800 Franken pro landwirtschaftlichem Haushalt. Das Gesamteinkommen stieg 2018 insgesamt um 2,8 Prozent auf 99'000 Franken. Es ist am höchsten in der Talregion mit 115'500 Franken, im Vergleich zur Hügel- (92'700 Franken) und Bergregion (82'300 Franken). Dabei spielt das ausserlandwirtschaftliche Einkommen in der Hügel- und Bergregion eine wichtigere Rolle als in der Talregion. Sein Anteil am Gesamteinkommen betrug 36 und 34 Prozent im Gegensatz zu 29 Prozent in der Talregion.

Ertrag in Tierhaltung stärker gestiegen

Im vergangenen Jahr erreichte der mittlere Ertrag (entspricht annähernd dem Umsatz), inklusive Direktzahlungen, 345'000 Franken. Das sind 4,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Zurückzuführen ist das einerseits auf eine Zunahme beim Pflanzenbau (+3,6%). Es gibt jedoch grosse Schwankungen je nach Kultur. Das trockene Wetter führt zu sehr guten Ernten im Obst- und Weinbau. Hingegen gab es im Acker- und vor allem im Futterbau aufgrund der Trockenheit gegenüber dem Vorjahr weniger Erträge.  

Bei der Tierhaltung nahm der Ertrag mit +5,2 Prozent stärker zu. Auf dem Schweinemarkt mussten die Bauern jedoch tiefe Preise in Kauf nehmen. Die langanhaltende Trockenheit und die damit einhergehende Futterknappheit führte gemäss Agroscope zu einem Anstieg der Zahl der Grossviehschlachtungen mit entsprechenden (nicht geplanten) Erlösen.

Die Milchpreise erholten sich leicht, die Produktion stieg im ersten Halbjahr 2018 entsprechend an. In der Geflügelhaltung reagierten die Produzenten auf die wachsende inländische Nachfrage nach Geflügelfleisch und Eiern aus Schweizer Herkunft und erhöhten das Angebot.

Mehr Direktzahlungen pro Betrieb

Die Direktzahlungen (inkl. kantonale Beiträge) nahmen pro Betrieb im Durchschnitt um 2,4 Prozent zu – dies bei nahezu gleichgebliebenen Direktzahlungen des Bundes. Dies ist vor allem auf den sich fortsetzenden Strukturwandel und das damit einhergehende Flächenwachstum der Betriebe zurückzuführen.

Mehr Kosten wegen Trockenheit

Die trockene Witterung des Sommers 2018 wirkte sich auf der Kostenseite aus. Der Gesamtaufwand nahm bei gestiegenen Produktionsmittelpreisen um 4,4 Prozent auf durchschnittlich 274’700 Franken je Betrieb zu. Die Trockenheit führte zu Futtermangel. Die Zukäufe schlugen durch. Der Direktaufwand für die Tierhaltung stieg massiv um 7.8 Prozent gegenüber 2017. Der Aufwand wird von Agroscope auch auf Abschreibungen und Wertberichtungen zugeschrieben.

Anstieg tiefer wegen Dauerkulturen 

Das landwirtschaftliche Einkommen, das der Differenz von Ertrag und Aufwand entspricht, stieg durchschnittlich um 4,1 Prozent auf 70’600 Franken je Betrieb. In der Bergregion lag der Einkommenszuwachs mit 2,6 Prozent deutlich tiefer als in der Tal- respektive Hügelregion (5,0 bzw. 4,0 Prozent). «Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Dauerkulturen für die Bergregion kaum relevant sind. Aus diesem Grund konnte diese Region kaum vom hervorragenden Obst- und Weinjahr profitieren, was dazu führte, dass die Erträge dort weniger stark stiegen als in der Tal- und Hügelregion», lautet die Erklärung von Agroscope. 

Anstieg des Mittelabflusses für Investitionen

Im Vergleich zur Erfolgsrechnung fokussiert die Mittelflussrechnung auf die Veränderung der liquiden Mittel der in der Finanzbuchhaltung abgebildeten Haushaltseinheit, bestehend aus Unternehmen und Privatbereich. Sie gibt Auskunft darüber, ob am Ende des Jahres, unabhängig von nicht-liquiditätswirksamen Buchungen, mehr oder weniger Geld frei verfügbar ist.  

Gegenüber dem Vorjahr nahm der Geldzufluss aus der Unternehmenstätigkeit um 4 Prozent auf 91'200 Franken zu und stieg somit im gleichen Ausmass wie das landwirtschaftliche Einkommen. Hinzu kamen der Mittelfluss aus Nebeneinkünften der Bauernfamilien, welcher sich kaum veränderte, aber auch die privaten Haushaltsausgaben, die gegenüber dem Vorjahr um 2,2 Prozent stiegen. Daraus blieb ein für Investitionen oder Schuldentilgung verfügbarer Saldo von 53'300 Franken pro landwirtschaftlichem Haushalt übrig.

Aufgrund des starken Anstiegs der Investitionen (+6300 Franken) bestand ein Mittelbedarf nach Privatausgaben und getätigten Investitionen von 500 Franken. Dieses führte zusammen mit einem Geldzufluss aus der Finanzierungstätigkeit (Kapitalbeschaffung minus Kapitalrückzahlung) von durchschnittlich 7400 Franken zu einem Mittelüberschuss, d.h. zu einer positiven Veränderung der in der Bilanz ausgewiesenen flüssigen Mittel zwischen Jahresanfang und -ende, von insgesamt 6900 Franken pro Familie. Während die flüssigen Mittel für 58 Prozent der Betriebe zunahmen, verzeichneten 42 Prozent der Betriebe eine Mittelabnahme. pd

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