21.09.2020 08:06
Quelle: schweizerbauer.ch - Jacqueline Graber
Bern
Mit 30 Besitzer von 2 Käsereien
Bruno Leuenberger übernahm innert Kürze zwei Käsereien. An beiden Orten wird Emmentaler AOP hergestellt.

Bruno Leuenberger kennt jeden Winkel, jede Ecke in der Käserei. «Ich bin hier aufgewachsen», sagt der 30-Jährige und deutet auf einen Holzbalken beim Eingang. Waagrechte, übereinanderliegende Striche zieren den Balken, hinter jedem ist ein Datum gekritzelt.

«Als ich noch ein Junge war hat mein Vater jeweils meine Grösse hier markiert.» Der letzte Eintrag ist datiert mit 2002. Bruno Leuenberger stellt sich an den Balken, nimmt Mass. «Seither bin ich schon noch ein wenig gewachsen», sagt er und lacht. 

Ein Bubentraum

Die Käserei Nesselgraben liegt in einem Emmentaler Seitental. Hier kennt man sich, hier ist man per Du. Und hier hat schon Klaus Leuenberger, der Vater des Jungunternehmers, 27 Jahre lang Emmentaler AOP Käse hergestellt. Für ihn sei schon als kleiner Junge klar gewesen, dass er auch Milchtechnologe werden wolle, sagt Bruno Leuenberger.

Dass er aber einmal die Käserei Nesselgraben in Schwanden  sein eigen nennen kann, an das habe er in seiner Jugendzeit nie gedacht, sagt Leuenberger, der heute in Koppigen wohnt. Doch der Reihe nach: Bruno Leuenberger absolvierte seine Ausbildung im bernischen Trub, arbeitete danach in der Dorfkäserei Koppigen. Es folgte ein Jahr in einer Käserei in der Nähe der kanadischen Stadt Vancouver.

Will sofort handeln

Danach kehrte er in die Schweiz zurück, arbeitete erneut in der Dorfkäserei Koppigen. Zu jener Zeit, erzählt Leuenberger, sei der damalige Geschäftsleiter Ruedi Beutler vor der Pensionierung gestanden, so habe er für seine Diplomarbeit für die Meisterprüfung das Thema gewählt: «Nachfolgeregelung Dorfkäserei Koppigen.» Dieses Dokument bildete dann auch die Grundlage, als Bruno Leuenberger die Käserei 2017 im Alter von 27 Jahren übernommen hat. 

Doch anders als sein Vorgänger Ruedi Beutler wollte Leuenberger nicht «nur» als Milchkäufer auftreten. Will heissen: Die Infrastruktur gehörte nicht Beutler, sondern der sich mittlerweile in Auflösung befindende Käsereigenossenschaft Koppigen-Willadingen. «Wenn ich eine neue Maschine benötige, will ich nicht zuerst die Genossenschaft anfragen und nachher auf den Bescheid warten müssen.»

Er wolle sofort handeln können, so Leuenberger. Und so kaufte er die Liegenschaft samt Inventar. Schnell reagiert hat der Jungunternehmer auch, als es um die Nachfolge der Käserei Nesselgraben ging. Auch diese kaufte er samt Inventar der Käsereigenossenschaft Nesselgraben ab. Das war auf das Jahr 2020.

Zwei Kontingente

«Die Sortenorganisation Emmental Switzerland gibt alle zwei Monate die Produktionsfreigabe für Emmentaler AOP vor.» Weil er zwei Betriebe und somit zwei verschiedene Kontingente habe, könne er diese verschieben, erklärt Bruno Leuenberger. So wird im Nesselgraben ausschliesslich Emmentaler AOP und Butter produziert. Verkäst wird hier rund eine Million Kilo Milch pro Jahr. 

Der Rest der erlaubten Menge an Emmentaler AOP wird in Koppigen produziert. Dazu kommt hier die Herstellung von Mammutkäse, Joghurt, Quark und zahlreichen Weich- und Halbkartkäsen wie auch Fondue. Die Vielzahl an Produkten in Koppigen hat nicht nur einen Vorteil für die Kundschaft, sondern auch für die acht Landwirte. Denn kaum einmal fliesst Milch in die Industrie, was sich auch auf den Milchpreis auszahlt. 

Vater hilft mit

In der Dorfkäserei, die auch über einen Laden verfügt, arbeiten 17 Personen, davon drei Lehrlinge. Zu den Mitarbeitern gehört auch der Vater von Bruno Leuenberger. Er hat seine Anstellung im Nesselgraben auf Ende 2016 aufgegeben und hilft seither seinem Sohn in der Dorfkäserei Koppigen AG. Als neuer Geschäftsführer leitet Martin Gilgen die Geschicke in der Käserei Nesselgraben. Unterstützt wird er von einem Mitarbeiter und einem Lehrling. 

A propos Ausbildung: Bruno Leuenberger hat bereits zwei Lehrverträge für das nächste Jahr in Koppigen unterschrieben, im Nesselgraben ist die Lehrstelle noch nicht vergeben. «Ich machte die Erfahrung, dass die jungen Leute eher wieder einen handwerklichen Beruf erlernen wollen.» Und dass  Handwerk goldenen Boden hat, wie der Volksmund sagt, zeigt sich auch am Beispiel von Bruno Leuenberger: Mit Können, Engagement und Zielstrebigkeit ist er im Alter von 30 Jahren Besitzer von zwei Käsereien.

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