22.09.2020 15:17
Quelle: schweizerbauer.ch - awp
Geldpolitik
SNB wird ihre Zinsen nicht antasten
Langweilig ist «in» - zumindest bei der Schweizerischen Nationalbank. Wenn die Währungshüter an diesem Donnerstag ihre aktuelle Lagebeurteilung veröffentlichen, dürften sie ihren aktuellen Kurs bestätigen.

«Vielleicht ist die SNB derzeit die langweiligste Notenbank der Welt, was aber in diesen Tagen nichts Schlechtes zu bedeuten hat», meint etwa Thomas Gitzel von der VP Bank. Die SNB habe keinen Handlungszwang und werde deshalb ihre Geldpolitik unverändert lassen.

-0,75 Prozent

Die Nationalbank muss auch nicht handeln, weil das Fed und die EZB mit ihren Entscheiden in den Vorwochen nicht zu einem Erstarken des Franken geführt haben. So dürften die Währungshüter den SNB-Leitzins sowie den Zins auf Sichtguthaben bei -0,75 Prozent belassen. Gleichzeitig dürften sie betonen, dass sie auch weiterhin zu Interventionen am Devisenmarkt bereit seien, um den Franken zu schwächen.

Eine Medienkonferenz findet dieses Mal nicht statt. Das Communiqué dürfte vor allem die starke wirtschaftliche Erholung nach dem Einbruch betonen, ist sich Chefökonom Gitzel von der VP Bank sicher. «Es dürfte aber auch heissen, dass die konjunkturellen Risiken hoch sind.»

Blick nach vorne zuversichtlicher

Bei der UBS glaubt der Ökonom Alessandro Bee, dass die SNB mit Blick auf die hiesige Wirtschaft etwas optimistischer sein wird als noch im Juni. Seinerzeit war sie von einer Kontraktion von 6 Prozent ausgegangen. Mittlerweile dürfte sie «nur» mit einer Rezession von 4 bis 5 Prozent rechnen.

Mit dieser Erwartung ist Bee nicht alleine. Auch andere Beobachter attestieren der Schweizer Wirtschafft eine solide Erholung vom Corona-Einbruch. Dies liege einerseits am sehr diversen Charakter der hiesigen Wirtschaft, meint etwa Mirabaud-Chefökonom Gero Jung.

Gleichzeitig habe der Bundesrat zusammen mit der SNB sehr schnell auf die Corona-Krise reagiert und umfangreiche fiskalische Schritte unternommen, die eine so schnelle Erholung unterstützt hätten.

Fed-Strategiewechsel

Unklar ist derweil, wie die SNB den Strategiewechsel der US-Notenbank Fed beurteilt und ob sie diesen kommentieren wird. Zur Erinnerung: Künftig orientiert sich das Inflationsziel des Fed an Durchschnittswerten, nachdem es zuvor ein Punktziel war, das es möglichst exakt zu erreichen galt.

Die neuen Vorgaben ermöglichen es den Hütern des US-Dollars, die Zinsen noch länger sehr tief zu halten. Vor einer Woche packte das Fed gleich die erste Gelegenheit am Schopf: Nullzins bis ins Jahr 2023, heisst die jüngste Ansage.

Vor diesem Hintergrund erwarten Ökonomen wie Karsten Junius von der Bank Sarasin denn auch, dass «die SNB nun noch länger bei ihren negativen Zinsen bleiben muss, da sie mit zunehmenden Wechselkursdruck rechnen müsste, wenn sie vor Fed und EZB ihren Leitzins erhöht.»

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