24.11.2015 16:04
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Wirtschaft
Studie: Banken und Konzerne dominieren Werkplatz Schweiz
Der Drang, Kapital optimal zu verwerten, ökonomisiert und kolonialisiert unsere ganzen Lebenswelten: Zu diesem Fazit kommt eine neue Studie von Ueli Mäder, Soziologieprofessor an der Uni Basel. Der Finanzplatz dominiere den Werkplatz Schweiz, sei schwach kontrolliert und belaste KMU und Volk.

Gut 200 Gespräche mit Kaderleuten aus Wirtschaft, Staat und Organisationen haben Mäder und seine Co-Autoren für die Studie «macht.ch - Geld und Macht in der Schweiz» geführt. Aussagen glichen sie ab mit Beobachtungen, Medienberichten und Selbstdarstellungen. Die Studie listet nicht quantitative Belege auf, sondern argumentiert mit Analysen und Interpretationen.

Fall der Berliner Mauer

Der zentrale Zusammenhang ist so einfach wie alt: Mit viel Geld kann man seine Interessen eher durchsetzen, hat also Macht - neu ist aber das Ausmass der Akkumulation. Als starken Impuls für das Gedeihen der Finanzbranche ortet Mäder den Fall der Berliner Mauer und die Öffnung des Ostens, wie er am Dienstag vor den Medien ausführte.

Heute sei die Schweiz mit über 2200 Milliarden Dollar verwalteten Vermögen grösster Offshore-Finanzplatz der Welt. Wo solche Summen und damit Gewinnmöglichkeiten im Spiel sind, kämen andere Player auch der Realwirtschaft unter die Räder. Die Studie zitiert diverse Finanzbranchen-Insider, welche das System und fehlende Kontrollen bemängeln.

Marktliberaler Druck

Mäder stellt eine Entkoppelung des Managements dominanter globalisierter Unternehmen von politischen und gesellschaftlichen Einrichtungen fest. Ein marktliberales Verständnis überlagere das politisch-liberale, was via Netzwerke und Verbände durchdrücke in KMU und gewerbliche Kreise. Das wirke etwa mit Loyalitätsproblemen von Zweifelnden gegenüber strammen Chefs und Verbänden.

Fallstudien widmen sich unter anderem der Rolle von Finma und Nationalbank zwischen Staat und Wirtschaft, die sich mit der Globalisierung verändert hat, oder dem Rohstoffkonzern Glencore samt Wirkungen auf den Standortkanton Zug. Selbst bei diesem diskreten Konzern machten persönliche Gespräche Einblicke in Machtmechanismen möglich.

Unter dem Strich stellt Mäder fest, dass sich die soziale Brisanz verschärfe. Die Befunde brächen ihm als bekennenden Linken das Herz; sie würden aber geteilt von kirchlichen Kreisen und gesellschaftlich aufmerksamen Leuten in der Wirtschaft und der Verwaltung. In Pessimismus mag er nicht verfallen: «Menschen sind lernfähig».

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