3.06.2020 17:23
Quelle: schweizerbauer.ch - ats
Betriebsführung
Umfrage: Befürworten Sie Hoftötung?
Ab dem 1. Juli tritt die angepasste Lebensmittelverordnung in Kraft. Damit erhält die Hof- und die Weidetötung eine gesetzliche Grundlage. Für Landwirte ist es nun leichter möglich, eine Bewilligung zu erhalten um ihre Tiere auf dem Hof zu töten und erst danach ins Schlachhaus zu fahren. Was halten Sie von dieser Anpassung? Machen Sie mit bei unserer Umfrage.

Bis dato gibt es in der Schweiz sechs Betriebe, die eine kantonale Bewilligung für die Hof- und Weidetötung haben. Insgesamt rund 100 Rinder wurden in den letzten Jahren auf den Pionierbetrieben getötet und erst danach zur Ausweidung und Weiterverarbeitung in die jeweiligen Partnerschlachthöfe  gefahren.

«Es war bisher sehr schwierig, eine Bewilligung zu bekommen, weil die gesetzlichen Grundlagen fehlten», meint Eric Meili, der Bauern beim Einreichen der Bewilligungsgesuche gratis berät und sich seit zehn Jahren für die Hof- und Weidetötung einsetzt. Meili ist am Forschungsinstitut für biologischen Landbau( FiBL) im Mandat für das Projekt «Hof- und Weidetötung» tätig.

Stress vermeiden

Nachdem der Natonalrat ein Postulat von Karl Vogler (CSP, OW) überwiesen hatte, musste der Bundesrat in dieser Sache aktiv werden. Nun hat er die entsprechenden Anpassungen in der Lebensmittelverordnung verabschiedet. Die Tiere sollen auf dem Herkunftsbetrieb oder auf der Weide getötet werden können, um ihnen unnötigen Stress durch den Transport und die ungewohnte Umgebung zu ersparen.

Neu sind die «Hoftötung» und die «Weidetötung» zur Fleischgewinnung möglich. Die Tötung, d.h. das Betäuben und das Entbluten der Tiere auf dem Herkunftsbetrieb, wird in der Verordnung geregelt. Danach erfolgt der Transport des Schlachtkörpers in einem speziellen Anhänger. Das Tier muss nach Eintritt des Todes innerhalb von 45 Minuten  in einem Schlachthof ausgeweidet werden. Das stellt sicher, dass der Schlachtvorgang unter hygienischen Bedingungen erfolgt. 

Merkblatt noch diesen Monat

«Mit der Inkrafttretung am 1.Juli ist die Hof- und Weidetötung in der Schweiz endlich offiziell legalisiert», sagt Meili. «Es ist jetzt für die Landwirte viel einfacher, eine Bewilligung für die Hof- oder Weidetötung zu bekommen», sagt er. Viele Landwirte sitzen in den Startlöchern und warten auf entsprechende technische Weisungen und auf ein Merkblatt, um eine allfällige Hof- oder Weidetötung auf ihren Betrieben zu prüfen. Diese werden im Juni publiziert.

Man will, dass das Tötungssystem in allen Kantonen gleich gehandhabt wird. «Alles muss einwandfrei funktionieren. Jede Betäubung und jeder Entblutungsschnitt muss sitzen», so Meili. Bio Suisse und KAGfreiland begrüssen die Gesetzesanpassung. 

Bereits grosse Anfragen

Der Bundesratsentscheid eröffnet Geschäftsmöglichkeiten. «Das ist ein einschlägiger Moment und wie ein zweiter Geburtstag», meint Mischa Hofer, Gründer der Firma Platzhirsch Hofschlachtungen GmbH. Nun könne er mit seiner Firma richtig starten. Mit seiner mobilen Schlachteinheit bietet er das Hoftöten inklusive anschliessendem Transport zum Schlachthof an.

Die Dienstleistung kostet im Schnitt rund 290 Franken (pauschal 200 plus 45 Fr. pro Stunde für den Metzger, der mitkommt und den Entblutungsschnitt vornimmt). «Ich habe bereits unzählige Anfragen.» Rund 300 Tiere seien angemeldet. 

Was denken Sie über die Hof- und Weidetötung? Finden Sie die Anpassung in Ordnung? Oder lehnen Sie die Tötung von Nutztieren auf dem Hof oder auf der Weide ab? Stimmen Sie ab und diskutieren Sie mit

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE