26.02.2020 12:50
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Bern
Weniger Betriebe auf Bio umgestellt
Der Kanton Bern hat die Bio-Offensive auch 2019 fortgesetzt. Im Vergleich zum Vorjahr haben aber deutlich weniger Betriebe auf die Knospe-Richtlinien umgestellt. Der Kanton führt dies auf die Marktsättigung in einigen Segmenten zurück.

Im Jahr 2016 hat der Kanton Bern seine Bio-Offensive gestartet. Zielvorgabe: 50 neue Bio-Betriebe pro Jahr sollen die bewirtschaftete Ackerfläche und die Fläche der Spezialkulturen bis 2020 um 2000 Hektaren ansteigen lassen.  Dieses Ziel haben man erreicht, teilt der Kanton am Mittwoch mit. Und er spricht auch von einer teilweisen Marktsättigung.

14% Bio-Bauern

Von 2016 bis 2019 haben im grössten Agrarkanton der Schweiz 256 Betriebe auf die Bio-Richtlinien umgestellt. Derzeit werden 6529 Hektaren Ackerfläche biologisch bewirtschaftet, 2080 Hektaren mehr als vor vier Jahren. Die Fläche der Spezialkulturen (unter anderem Gemüse und Weinbau) hat im gleichen Zeitraum um 169 Hektaren zugenommen. Insgesamt bewirtschaften 14 Prozent der Bauern ihre Betriebe nach Richtlinien.

Im März 2019 gab sich der Berner Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann (SP) mit dem Erreichten nicht zurfrieden. «Trotz Bio-Offensive entwickelt sich die bernische Bio-Produktion nur durchschnittlich.» Deshalb werde die «Bio-Offensive» in Verlängerung gehen. Mit neuen Massnahmen solle bis 2025 die Bio-Produktion gefördert werden.

Nur noch 34 Höfe stellten um

Im vergangenen Jahr hat sich die Anzahl umstellende Betriebe aber deutlich abgenommen. 34 Höfe stellten auf Bio um, im Vorjahr waren es noch 57. 2017 stellten 67 Betrieb auf Bio um. Der Kanton Bern spricht nun erstmals von einer Marktsättigung. «Bei einzelnen Produkten wie zum Beispiel Schweinefleisch oder Milch war das Angebot teilweise grösser als die Nachfrage», heisst es in der Mitteilung. Und die Abnahme zeige, dass die Betriebsleitenden die teilweise bestehenden Marktsättigungen wahrgenommen hätten.

Die Trägerschaft der Bio-Offensive

Die Bio-Offensive der Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion hat eine breite Trägerschaft bestehend aus dem Amt für Landwirtschaft und Natur, den Bärner Bio Bure, dem Berner Bauern Verband, Bio Suisse und der Berner Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL).

Bei der Biomilch entwickelte sich die Nachfrage sich nicht mehr wie im Jahr zuvor, als Coop sein 25-Jahre-Jubiläum von Naturaplan feierte. Zudem sind weitere Milchproduzenten mit einer bedeutenden Menge in den Markt gelangt. Der Produzentenpreis für Biomilch geriet bereits im Frühjahr 2019 unter Druck. 

Kanton will trotz Sättigung an Offensive festhalten

«Das Angebot ist rascher gewachsen als die Nachfrage», sagte David Herrmann, Medienverantwortlicher bei Bio Suisse, Anfang November 2019 zu «Schweizer Bauer». Die Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) erhöhten per 1. Juli 2019 wegen der hohen Einlieferungen bei der Biomilch den Deklassierungsabzug auf 5 Rappen pro Kilogramm Milch. Auch beim Getreide müssen Biobauern Einbussen hinnehmen. Weil der Schweizer Anteil in den Mehlmischungen zugenommen haben, wurde der Preise für Schweizer Bio-Brotgetreide gesenkt. Begründung: Der Detailhandel kann die höheren Preise nicht auf die Kunden überwälzen.

Doch der Kanton Bern will seine Bio-Offensive trotz schwieriger Marktlage nicht einschränken oder beenden. Im Gegenteil. Er schreibt folgenendes: «Um der Berner Landwirtschaft mittelfristig einen bedeutenderen Anteil im Biomarkt zu sichern, lanciert der Kanton Bern mit Blick auf das Jahr 2025 eine Bio-Offensive mit neuen Akzenten und Massnahmen.» Genauer führt die der Kanton nicht aus. Denkbar wäre, dass der Kanton in öffentlichen Kantinen ein Bio-Menu vorschreibt. 

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