25.01.2019 20:06
Quelle: schweizerbauer.ch - khe
AP22+
Eine Chance für die Bauern
Der Bündner Bauernpräsident Thomas Roffler gewinnt der Agrarpolitik 2022+ Gutes ab. Er fordert die Bauern auf, die Zügel selbst in die Hand zu nehmen.

Vergangenen November eröffnete der Bundesrat die Vernehmlassung zur Agrarpolitik 2022+ (AP22+). Weder eine Marköffnung noch grössere Neuerungen sind geplant. Die Wertschöpfung soll durch eine konsequente Marktausrichtung der Land- und Ernährungswirtschaft erhöht werden, das Unternehmertum und die betriebliche Effizienz soll gestärkt werden – die vielfältigen bäuerlichen Betriebsstrukturen jedoch erhalten bleiben. Anpassungen gibt es im Boden- und Pachtrecht und bei den Direktzahlungen.

Meliorationsgelder sind wichtig

Thomas Roffler, Bündner Bauernpräsident, zeigt sich zufrieden. «Für die Bauern im Berggebiet wäre eine Änderung der Praxis bei der Bewirtschaftung im Sömmerungsgebiet eine Verschlechterung», erklärt er. In finanzieller Hinsicht ändert sich bei den Bergzonen nichts. Auf eine Verschiebung, den Geldtransfer von einer der 6 Zonen in eine andere, wird verzichtet. Aus Sicht der Berggebiete seien Strukturverbesserungsbeiträge, besonders die Meliorationsgelder, wichtige Mittel um zeitgemässe und zukünftige Strukturen zu schaffen.

Angst vor schrumpfenden Investitionen

Mit einem sind die Bündner Bauern jedoch nicht einverstanden. Quereinsteiger soll der Einstieg in die Landwirtschaft erleichtert werden. «Wir halten den Grundsatz Bauernland in Bauernhand hoch», begründet Roffler. Wenn der Bauer Land dazu pachte, müsse er davon ausgehen können, dass er dies längerfristig bewirtschaften kann. Ist dies nicht der Fall, werde die Investitions-Tätigkeit und das -Volumen zurückgehen, was für vor- und nachgelagerte Branchen sowie für den ganzen Kanton negative Auswirkungen hätte. Der Bauernverband wolle keinen politisch gesteuerten, sondern einen Strukturwandel über die Generationen.

Betriebsbeitrag beeinträchtigt Glaubwürdigkeit

Auch hinterfragen die Bündner Bauern den vom Bundesrat vorgeschlagenen pauschalen Betriebsbeitrag. «Die Arbeitsleitung steht für uns zuoberst. Wir wollen nichts gratis. Wir leisten was für die Gelder, die wir erhalten», so Roffler. Mit klar definierten Zielen und Massnahmen die erfüllt werden müssen, erzeuge man zwar eigenen Druck, schaffe jedoch Glaubwürdigkeit gegenüber der Bevölkerung. «Einfach einen pauschalen Beitrag auszuzahlen, macht für uns keinen Sinn», macht er deutlich.

Vergangene und laufende Agrar-Initiativen könnten den Eindruck vermitteln, das Volk misstraue den Schweizer Bauern. Roffler sieht in der AP22+ die willkommene Chance, das Heft in die eigene Hand zu nehmen und dem Volk aufzuzeigen, dass der Wille zum Handeln seitens der Bauern vorhanden ist.

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