14.07.2020 06:02
Quelle: schweizerbauer.ch - mgt/mge
Deutschland
Agrarbündnis ruft zum Handeln auf
Ein kritischer Aufruf vom Deutschen Agrarbündnis, fordert in Anbetracht der Corona-Pandemie eine Re-Regionalisierung und eine öffentliche Debatte.

Die Corona Pandemie habe etwas deutlich gemacht, was Insidern schon lange bekannt ist: Die stetige Konzentration in der Tierhaltung und die Monopolisierungstendenzen in Verarbeitung und Handel sind nicht nachhaltig, schreibt das Agarbündnis in einer Mitteilung. "Obwohl sich Konumententrends hin zu Qualität und Regionalität verstärken, bleibt die Situation im Lebensmittelhandwerk und in der landwirtschaftlichen Direktvermarktung schwierig. Der Umbau des Agrar- und Ernährungssystems ist notwendig Aber was ist konkret zu tun?", heisst es weiter.

Strukturen sind verlorengegangen

As Bündnis fordert eine Re-Regionalisierung von Verarbeitung und Lieferketten im Lebensmittelhandwerk. Doch die dazu notwendige Struktur existiert jedoch kaum mehr. "Kleine und mittelständische Betriebe sind unter dem Kostendruck durch die Lebensmittelindustrie und die globalisierten Liefer- und Handelsketten fast zusammengebrochen. Sie profitieren nicht von den Mengenrabatten wie grosse Industriebetriebe", so das Bündnis weiter. Mehrfach höher pro Einheit sind die Energiekosten, Entsorgungskosten, Kontrollkosten. 

Erschwerend sind Kontroll- und Dokumentationspflichten, die sich an den Risiken einer arbeitsteiligen und global aufgestellten Ernährungsindustrie orientieren. Diese sind für das Handwerk in der Sache oft gar nicht zielführend und erzeugen einen erheblichen Arbeitsaufwand, führt das Bündnis aus. 

In der Praxis gibt es zu viele unterschiedliche Vorschriften

"Vor allem die Vorschriften für die Produktionsverfahren haben inzwischen eine extrem hohe Komplexität erreicht. Die Europäische Union ermöglicht zwar eine flexible Auslegung im Einzelfall. Das  sollte für das Lebensmittelhandwerk eigentlich ein Vorteil sein. Doch in der Praxis variiert die Umsetzung der Vorschriften von Landkreis zu Landkreis", heisst es weiter.

Da es kaum Leitlinien gebe und die betriebliche Situation variiere, sind Zulassungsverfahren und Kontrollbestimmungen wenig transparent. Ursache sind oftmals Unsicherheiten und zum Teil geringe Kenntnisse der Möglichkeiten für die Zulassung handwerklicher Betriebskonzepte bei den Zuständigen. Dem könnte durch Best-Practice-Beispiele im Rahmen von Fortbildungen und mit Handreichungen durch die zuständigen Ministerien begegnet werden, findet das Agrarbündnis.

Mehr Forschung nötig

Auch der Fachkräftemangel wird zunehmend zu einem Problem. Die derzeitige Berufsausbildung ziele am Bedarf von direkt vermarktender Landwirtschaft und Handwerk vorbei. "Hemmend wirkt auch die fehlende Forschung zu Fragen von Kleinbetrieben und Handwerk. Das AgrarBündnis ruft daher zum Handeln auf", heisst es unmissverständlich.

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